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Altstadt/Kaiserswerth: Das Leben des legendären Pastor Jääsch

Altstadt/Kaiserswerth : Das Leben des legendären Pastor Jääsch

Der Derendorfer Dieter Ziob verwaltet das Archiv des Geistlichen. Das ist momentan bei der Diakonie in Kaiserswerth untergebracht. Doch Ziob wünscht sich eine Rückkehr an die wahre Wirkungsstätte von Jääsch: die Altstadt.

Friedrich Eduard Gerst, 1805 geboren, wuchs in der Altstadt auf. Er machte eine Schreinerlehre, arbeitete als Geselle, besuchte dann doch das Gymnasium, begann als 27-Jähriger noch ein Theologiestudium in Bonn. "Er fühlte sich einfach als Priester berufen", weiß Dieter Ziob zu berichten, und er muss es wissen, widmet der ehemalige Bezirkspolitiker inzwischen doch viel seiner Freizeit als Rentner dem Nachlass des legendären Geistlichen, der nur Mundart sprach und der so auch seinen überlieferten Namen erhielt: Jääsch.

 Pastor Jääsch auf einem Gemälde von Josef Jossen (1934)
Pastor Jääsch auf einem Gemälde von Josef Jossen (1934) Foto: M. Ingel

Ziob hat 2012 federführend das Pastor-Jääsch-Archiv bei der Diakonie in Kaiserswerth aufgebaut. Die Ortswahl macht allein deswegen Sinn, weil Diakonie-Gründer Theodor Fliedner, evangelischer Pfarrer, ein Zeitgenosse von Jääsch, katholischer Pastor, war und mit ihm zusammen etwas bewirkt hat, was für die damalige Zeit einmalig war. Das allerdings spielte sich ausschließlich in der Altstadt ab, "und genau dahin müsste Pastor Jääsch eigentlich auch wieder zurückkehren", erzählt der Derendorfer Ziob von seinem Traum, Räumlichkeiten für das Archiv in der Innenstadt zu finden.

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Jääsch hat zwar auch eine Pfarrei geleitet, doch schon die Beurteilung im Priesterseminar Köln lässt erahnen, dass der Sohn von Düsseldorfer Fuhr- und Gastleuten zu anderem berufen war: "Die äußere Bildung ist nicht besonders, predigt mittelmäßig", heißt es dort. 1841 ernannte ihn das preußische Innenministerium zum katholischen Gefängnisseelsorger der "Königlichen Arrest- und Corrections-Anstalt" zu Düsseldorf, die damals zwischen Akademie- und Schulstraße zu finden war. "Er hat sich selbst beworben und sich wie auch Theodor Fliedner in ähnlicher Funktion um die Resozialisierung von Strafgefangenen gekümmert", berichtet Ziob. Die Zustände im Gefängnis waren katastrophal, 20 Menschen, Frauen, Männer, Kinder hockten auf engstem Raum zusammen, die Aussicht darauf, nach dem "Knast" wieder ein normales Leben führen zu können, war miserabel. Was Jääsch leitestete, fasst Pater Wolfgang im Vorwort einer neuen Broschüre, die Ziob zu Dokumentationszwecken hat erstellen lassen, wunderbar und unter Bezug auf Protokolle der Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft zusammen: "Gerst hat sich als Gefängnisseelsorger energisch eingesetzt für die Rechte der ihm Anvertrauten, für Unterricht und Fürsorge, Letzteres ebenso für die Familien der Bediensteten. Der Pastor führte Gespräche, sah nach den Familien, sorgte für die Alphabetisierung der Gefangenen und für Werkzeug, damit ein Handwerker nach der Entlassung Arbeit findet."

Dieter Ziob war Baas der Tischgemeinschaft "Pastor Jääsch" bei den Düsseldorfer Jonges, 1947 gegründet, als das 50-jährige Bestehen der Gemeinschaft gefeiert wurde. Der heute 79-Jährige beschäftigte sich intensiv mit dem Arresthauspfarrer für eine Ausstellung in der Stadtsparkasse, der Grundstein für das spätere Archiv in Kaiserswerth, das stetig anwuchs, war gelegt. Kopien von Urkunden, Bilder, Skulpturen, Skizzen, Pressnotizen und Bücher sind darunter, auch ein Hörspiel. Denn Jääsch galt nicht nur als trinkfest, auch sein burschikoser Humor, den er in Wirtshäusern ebenso wie auf Gesellschaften des Künstlervereins Malkasten verbreitete, war legendär und Vorlage für Theaterstücke und niedergeschriebene Humoresken. "Natürlich war ich froh, dass wir in Kaiserswerth Platz für das Archiv fanden. Nur langfristig muss für so eine bedeutende Düsseldorfer Persönlichkeit ein Ort gefunden werden, der zentraler liegt", fordert Dieter Ziob.

(arc)