3D-Druck doob: In Düsseldorf kann man sich eine Figur drucken lassen

Mini-Me aus dem 3D-Drucker : In der Düsseldorfer Altstadt kann man sich einen Klon drucken lassen

Ein Unternehmen in der Düsseldorfer Altstadt druckt Menschen als Miniatur-Figur. Unser Autor hat sich die Technik dahinter erklären lassen.

Dieser Augenblick vor dem Spiegel: Wie sehe ich aus? Oder auch: Sehe ich wirklich so aus? Man dreht sich, wendet den Kopf, versucht hinzuschauen, wo man eigentlich nicht hinschauen kann. Oder will. Es gibt Schokoladenseiten bei jedem, und halt diese anderen, die nicht so günstig wirken.

Alles Fragen oder Probleme von gestern. Jedenfalls das mit dem Nicht-Hingucken-Können. Denn das Foto, also das zweidimensionale Abbild, hat Konkurrenz bekommen – den 3-D-Abzug des eigenen Ichs. Also: eine Darstellung von allen Seiten, von oben und von unten. Das wäre vor nicht allzu langer Zeit nicht möglich gewesen, und sämtliche Versuche, Kopien herzustellen, waren – siehe das Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds – bestenfalls sehr ähnlich.

Aber das, was da aus den 3-D-Druckern bei doob in der Altstadt kommt, ist das perfekte Abbild, die verblüffende Kopie. Man kann auch sagen: der eineiige Zwilling aus einem Gips-Polymer-Gemisch. Detailgetreu werden Haut und Haar, Hemd und Hose dupliziert, die Schuhe, selbst die Socken – kaum zu sehen – werden eins zu eins dargestellt.

Wie das geht? Alles beginnt in einer runden Kabine, gut drei Meter im Durchmesser, in der man von 66 Kameras im Bruchteil einer Sekunde komplett erfasst wird. Die Kameras lösen alle gleichzeitig aus, sie sind rundherum angeordnet und die im Hintergrund agierende Software sammelt die optisch erfassten Daten bis ins allerletzte Detail. Daraus formt sie ein dreidimensionales Bild, das ein Drucker dann in eine Statue umwandelt.

Dazu nutzt er ein Gips-Polymer-Gemisch, das beim Drucken die einzelnen Farbtöne von Schuhen, Hose, Hemd, Haut oder Socken erkennt, entsprechend anmischt und dann zu einem festen Körper werden lässt. Die Datenmenge ist enorm – für Fans: 66 mal 24 Megapixel – aber dank entsprechender Rechner und Speicherplatz in der Cloud ist das Ganze handhabbar.

Am Ende muss aber der Mensch – jedenfalls noch – eingreifen, um kleinere Fehler zu korrigieren. „Aber unser Computer lernt“, sagt Sebastian Böhm, Chef bei doob. Der Name kommt übrigens vom Wort „duplizieren“, und die Maschine, die das alles möglich macht, heißt „dooblicator“. Das, was sie am Ende herstellt, ist ein Klon der starren Art, ohne Leben, wenn auch erstaunlich lebensecht – das Bild, das die Realität (auch wenn sie uns nicht immer gefällt) absolut treffend wiedergibt. Inklusive der nicht so positiven Ansichten, also dem Gegenteil unserer Schokoladenseite. Im Showroom an der Liefergasse (Ecke Ratinger Straße) in der Düsseldorfer Altstadt stehen Hunderte von Beispielen. Brautpaare, Hunde, Menschen beim Sport, einfach nur in die Kamera lächelnd, Karnevalsprinzen und Fußballspieler (Ronaldo lebensgroß), schwangere Frauen und Kinder in verschiedenen Lebensphasen.

Das Standbild als Ersatz fürs Erinnerungsfoto also. Kein Problem, höchstens beim Preis. Das kleinste Modell (wenig mehr als fingerlang) kostet über 100 Euro, 20 Zentimeter werden mit 275 Euro berechnet, 35 mit 550 Euro. Und wer sich lebensgroß sehen möchte, ist mit einigen Tausend Euro dabei.

Das Eins-zu-eins-Modell kann übrigens noch nicht in einem Stück gedruckt werden, sondern wird aus einer Reihe von einzelnen Teilen zusammengesetzt. Ohne sichtbare Übergänge allerdings, dafür sorgt der Computer. Und wie geht es weiter? Kommt bald die bewegliche Figur? Doob-Manager Böhm nickt. Der nächste Schritt sind Avatare – menschliche Abbilder also, die sich bewegen und sprechen. Man arbeite daran, sagt er. Die Zielgruppe: zum Beispiel Geschäftsleute auf Messen, die nicht selbst anwesend sein können, aber eine dreidimensionale Aufnahme von sich, scheinbar lebendig, über Virtual-Reality-Brillen präsentieren, obwohl sie selbst woanders sind.

Entstanden ist die Idee vor etwas mehr als sechs Jahren, als der Geschäftsmann Vladimir Puhalac, der bis dahin sein Geld mit medizinischen Ersatzteilen aus dem Drucker verdient hatte, ganze Figuren herstellte. Zuerst noch mit Handscanner, danach dann mit einer sich rasant verbessernden Aufnahmetechnik. Heute beschäftigt man 130 Menschen, hat eine Tochter in den USA (mit Läden in New York und San Francisco) und expandiert weiter.

Sebastian Böhm von doob mit einer lebensgroßen Figur des ehemaligen brasilianischen Weltfußballers Ronaldo – und einer Miniatur. Foto: Anne Orthen (ort)

Übrigens ist das perfekte Abbild seiner selbst noch nicht sofort zu haben – von der Aufnahme bis zum fertigen 3-D-Druck muss man sich rund zwei Wochen gedulden. Aber auch das wird sich irgendwann in der Zukunft vermutlich noch optimieren lassen.

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