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Angermund: Ärger wegen neuer Regenwasserkanäle

Angermund : Ärger wegen neuer Regenwasserkanäle

In Angermund sollen künftig alle Grundstücke an die Regenwasserkanäle angeschlossen werden. Auf die Eigentümer kommen hohe Kosten zu. Sie bemängeln fehlende Informationen und Zeitdruck.

Im März wurden die Hauseigentümer in den Straßen Angerbenden, Im großen Winkel, Koppelskamp und Am Angerfeld durch die Stadtverwaltung aufgefordert, das bislang auf den Grundstücken versickernde Regenwasser in die Regenabwasserkanäle der Stadt einzuleiten.

Für die sechsköpfige Familie Stoffer, die ein Haus in der Straße Angerbender besitzt, war es ein Schock, als ihr klar wurde, was diese Anordnung für sie bedeutet. "Wir müssen dazu 18 Meter neue Leitungen legen lassen. Ein Kostenvoranschlag geht davon aus, dass uns der Anschluss insgesamt rund 16 000 Euro kosten wird. Das Geld haben wir nicht", sagt Stefanie Stoffer. Seitdem plagen sie Existenzängste.

"Ein Mitarbeiter des Stadtentwässerungsbetriebes hat uns, aber auch anderen Eigentümern, bei Nichteinhalten der Fristen ein Bußgeld und eine Pfändung bzw. Zwangsversteigerung angedroht."

Die Stoffers sind deshalb der Bürgerinitiative "Teurer Regen" beigetreten, der inzwischen mehr als 60 Hauseigentümer angehören. Die Initiative bezweifelt unter anderem den Sinn der neuen Regenwasserbeseitigung und bemängelt fehlende Informationen und die Kurzfristigkeit, mit der die Hauseigentümer den Anschluss herstellen lassen sollen.

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Ursprünglich war als Stichtag der 15. September vorgesehen. Die Initiative hat deshalb eine Informationsveranstaltung organisiert, in der gleich sieben Mitarbeiter des Stadtentwässerungsbetriebes und des Umweltamtes Rede und Antwort standen.

Die Fachleute machten schnell deutlich, dass es zu der Art der Regenwasserbeseitigung in Angermund keine Alternativen möglich seien. So ist die Stadt nach dem Landeswassergesetz dazu verpflichtet, das Niederschlagswasser ortsnah zu beseitigen. Man hätte sich per Ratsbeschluss für das Einleiten in eine öffentliche Regen-Kanalisation entschieden, zumal schon 104 der insgesamt zurzeit betroffenen 162 Grundstücke bereits so verfahren. Um dafür die Voraussetzungen zu schaffen, wurden für rund 30 Millionen Euro neue Kanäle und eine Niederschlagswasser-Behandlungsanlage am Bilkrather Weg gebaut.

"Wir sind eine Solidargemeinschaft und da ist man nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz verpflichtet, die bereitgestellten Anlagen gemeinsam zu tragen", sagt Claus Rolfs, Technischer Betriebsleiter beim Stadtentwässerungsbetrieb. Ausnahmen davon werden deshalb nur unter ganz besonderen Bedingungen genehmigt.

Die Verwaltung erklärte auch, dass alle anderen Angermunder Grundstücke ebenfalls nach und nach an das Kanalsystem angeschlossen werden sollen. Die Eigentümer wurden aber bislang nicht über diese Entscheidung informiert.

Gerade die mangelnde Kommunikation wird aber von Reinhold Sobtzick, Sprecher der Bürgerinitiative, und den Eigentümern stark kritisiert. Schriftliche Stellungsnahmen und Fragen wurden bislang von der Verwaltung nicht beantwortet. Selbst die Mitglieder der Bezirksvertretung seien davon ausgegangen, dass nur die Anwohner der Angermunder- und Bahnstraße von der neuen Regelung betroffen seien, erklärte Sobtzick. Nach heftigen Protesten der Bürger hat die Stadt nun die Frist für den Bau der Anschlüsse bis Mitte nächsten Jahres verlängert.

Angeboten wurde auch, schwierige Einzelfälle einzeln zu besprechen. "Das beruhigt mich aber wenig, denn woher wir das Geld nehmen sollen, wissen wir immer noch nicht", sagt Stoffer. Ein Kredit sei von der Bank abgelehnt worden, da ein neuer Kanal im Gegensatz beispielsweise zu einem neuen Hausdach nicht als eine Wert steigernde Maßnahme angesehen wird.

(RP)