Oberkassel: "30 Jahre warten wir auf die Tiefgarage"

Oberkassel : "30 Jahre warten wir auf die Tiefgarage"

Der linksrheinische Bezirksvorsteher zum fertiggestellten Bau der öffentlichen Garage. Am Samstag war Eröffnung.

Seit 30 Jahren wartet Oberkassel auf eine öffentliche Tiefgarage. Jetzt wurde am Sonntag die Großgarage am Barbarossaplatz eröffnet. Sind Sie erleichtert?

Tups Es war sehr spannend, ein generationsübergreifendes Projekt wie die Tiefgarage begleiten zu können. Leider haben wir erst aus den Medien erfahren, wann die Eröffnung ist. Gewundert habe ich mich, als zu Jahresbeginn, noch vor Fertigstellung der Garage, über deren Verkauf öffentlich diskutiert wurde. So wussten die künftigen Mieter nicht, an wen sie sich wenden sollen. Sicher freue ich mich gemeinsam mit den Kollegen der Bezirksvertretung, dass wir nun endlich eine Großgarage mit zusätzlichen 352 Stellflächen bekommen. Schließlich hat sich die Suche nach einem geeigneten Standort über Jahre hingezogen.

Warum hat es denn so lange gedauert?

Tups Immer wieder mussten Kompromisse geschlossen und Verkehrsgutachten erstellt werden. Es galt auch, die Bäume am Barbarossaplatz zu schonen. Bedacht werden musste außerdem, dass die Garage eine Doppelfunktion haben muss. Anwohner und Besucher der Gastronomie, Kunden des Einzelhandels, der Banken und Arztpraxen sowie alle, die in Oberkassel Geld verdienen, waren zu berücksichtigen. Am Ende aber waren sich alle Fraktionen der Bezirksvertretung einig, und der Bau der Garage wurde einstimmig beschlossen. Dann kam die Stadttochter IDR (Industrie-Terrains Düsseldorf-Reisholz) ins Spiel.

Lief dann alles reibungslos?

Tups Weitgehend bis zu dem Tag, als der Kirchenvorstand von St. Antonius befürchtete, dass die Sicherheit der benachbarten Pfarrkirche durch den Tiefgaragenbau gefährdet ist. Deshalb musste der Investor ein anderes Verfahren entwickeln, um die Ankerproblematik zu bewältigen. Er ist übrigens sehr sensibel, mit Rücksicht auf die Nachbarschaft, vorgegangen.

Proteste gegen den Bau der Tiefgarage seitens der Bevölkerung hielten sich in Grenzen. Woran lag das Ihrer Meinung nach?

Tups Vielleicht die Erkenntnis, dass rücksichtsloses Parken Menschenleben gefährden kann. Niemand will sein Auto verkaufen, alle wollen einen Stellplatz, möglichst vor der eigenen Tür. Trotzdem liegt ein langer Weg hinter uns. Begonnen hat alles in den 1970er Jahren. Die Bezirksvertretung hatte ab 1975 etliche Anträge gestellt, das Parkraumproblem in den Griff zu bekommen. 1980 nahm die Verwaltung von einer Parkraumanalyse wegen der schlechten Finanzlage Abstand.

Hatten Sie sich damit abgefunden?

Tups Auf keinen Fall, wir Politiker blieb am Ball, stellten in den 80er Jahren immer wieder Anträge an die Verwaltung und schlugen den Barbarossa-, Salierplatz und Belsenpark vor. Anfang der 90er Jahre wollten wir dann von der Verwaltung wissen, ob nördlich der Rheinkniebrücke Deichgaragen errichtet werden können. Daraufhin wurde uns mitgeteilt, dass es möglich sei, dort 510 Stellplätze zu schaffen. Investoren sollten gesucht, die Anwohner befragt werden.

Warum wurde nichts daraus?

Tups Anwohner schlossen sich zusammen und gründeten 1993 den Verein "Deichwächter", der sich so vehement gegen den Bau von Deichgaragen wehrte, dass die Verwaltung weitere Prüfungen resigniert einstellte. Auch die Option, unter dem Salierplatz eine Quartiersgarage mit 58 Stellplätzen zu schaffen, scheiterte an den Widerständen der Spielplatz-Eltern. Sie sammelten etwa 3300 Unterschriften zur Einleitung eines Bürgerentscheides gegen den Bau der Tiefgarage. Darauf hin zog sich der Investor zurück. Heute wird das übrigens von einigen Oberkasselern bedauert. Viele der ehemaligen Spielplatzkinder haben nun selbst ein Auto.

Hat Sie diese Schlappe nicht mutlos gemacht?

Tups Nein, im Gegenteil. Wir haben mit dem damaligen Oberbürgermeister Joachim Erwin und der Feuerwehr eine nächtliche Probefahrt durch Oberkassel gemacht — und steckten vielfach in den engen und zugeparkten Straßen fest. Von den Anwohnern wurden wir nicht gerade gern empfangen, die dann im Nachtgewand versuchten, schnell ihre Autos vor dem Abschleppwagen zu retten. Trotzdem fruchtete diese Aktion, und zum Schluss ging alles sehr schnell, obwohl schon kaum jemand daran geglaubt hatte. Alle Parteien waren für eine Großgarage.

Denken Sie, dass nun das Parkproblem in Oberkassel beseitigt ist?

Tups Das müssen wir abwarten. Ich fürchte aber, dass die Garage nicht alle Probleme lösen wird. Denn die alten denkmalgeschützten Jugendstilhäuser Oberkassels haben keine Garagen und die Familien, die dort wohnen, haben mindestens zwei bis drei Autos. 9145 Autos sind in diesem Bereich zugelassen und die Entwicklung ist steigend. Demgegenüber gibt es nur 2000 Stellplätze im öffentlichen Straßenraum. Folglich ist die Diskussion um Parkplätze noch nicht zu Ende. Den Traum vieler Oberkasseler, ihr Auto mit in die Wohnung zu nehmen — wie beim Heerdter "Papillon" — können wir leider nicht erfüllen.

H.-I. WILLNER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)
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