Interview mit OB Thomas Geisel: Stadtteile brauchen Sonntagsöffnungen am meisten

Interview mit OB Thomas Geisel: Stadtteile brauchen Sonntagsöffnungen am meisten

Der Oberbürgermeister mischt sich in die Debatte um verkaufsoffene Sonntage ein und mahnt Verdi zu mehr Gelassenheit.

Jüngst hat die Werbegemeinschaft Eller ihren Verzicht auf den für 9. und 10. Dezember geplanten Stadtteil-Weihnachtsmarkt erklärt. Als einen Grund nannten die Händler die wachsende Gefahr, dass gegen die Sonntagsöffnung geklagt werde. Die Gewerkschaft Verdi hatte das zuletzt mehrfach erfolgreich getan. Thomas Geisel fordert die Gewerkschaft nun zum Umdenken auf.

Sind die Gewerkschaften mit Ihrem Kampf gegen die Sonntagsöffnungen in Ihren Augen wirklich so klar im Unrecht?

Thomas Geisel Ich denke, man muss das Thema zumindest etwas differenzierter betrachten. Ich bin Presbyter und Gewerkschafter und durchaus für eine klare Regelung. Aber die Sonntagsruhe stammt aus einer Zeit, in der die Menschen auch alle noch jeden Sonntag in die Kirche gegangen sind - und das ist einfach nicht mehr so. Man muss den gesellschaftlichen Wandel in dieser Hinsicht zur Kenntnis nehmen und dann einen guten Kompromiss dazu finden.

Wie schwierig sind die Auswirkungen der Verdi-Klagen für die Stadtteil-Händler?

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Geisel Einen ausreichend bedeutenden Anlass für eine Sonntagsöffnung nachzuweisen, ist speziell in den Stadtteilen natürlich besonders schwer. Gerade dort aber ist der Handel am stärksten bedroht und hat am meisten zu kämpfen, gerade mit der Konkurrenz aus dem Internet. Dort sind die Geschäfte besonders auf solche Gelegenheiten angewiesen, sich und ihre Stärken klar zu präsentieren.

Ist es für Sie als SPD-Oberbürgermeister nicht schwierig, sich gegen die Gewerkschaft zu positionieren?

Geisel Gerade unter Freunden und innerhalb der Gewerkschaft sollte es möglich sein, auch einmal ein deutliches Wort zu sprechen. Bei Verdi weiß man ja, dass ich ihren Anliegen meistens große Sympathie entgegenbringe.

(RP)