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Stadtteilagenten sollen Langzeitarbeitslosen helfen

Arbeitsmarkt in Düsseldorf : Stadtteilagenten sollen Langzeitarbeitslosen helfen

Die Stadt baut ihr Angebot für Arbeitslose aus. Dabei setzt sie auf konkrete Hilfe in besonders betroffenen Vierteln und schickt Netzwerker in die Nachbarschaft.

Die Stadt verstärkt ihre Bemühungen, Langzeitarbeitslose wieder näher an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Am Freitag ist der fünfte i-Punkt-Arbeit eröffnet worden – nach Wersten/Holthausen, Rath/Mörsenbroich, Oberbilk/Flingern und Eller/Hassels jetzt in Garath an der Fritz-Erler-Straße 15. Zudem stockt die Stadt das Personal pro Standort um eine Stelle auf, so dass es in Garath drei Vollzeitstellen sind. Neben zwei Beratern ist ein so genannter Stadtteilagent unterwegs, um als Netzwerker im Viertel Stellen für Langzeitarbeitslose ausfindig zu machen.

Gabriele Schmitz von der Arbeiterwohlfahrt erklärt, was die Arbeit der Anlaufstellen, die zum Teil auch von Caritas, Diakonie und Zukunftswerkstatt getragen werden, ausmacht. Die Beratung zielt darauf, Angebote abgestimmt auf individuelle Problemlagen zu machen: Um dann etwa mit Hilfe von Fachleuten einer Sucht oder einem Schuldenberg zu begegnen oder mit einem Kurs die Deutschkenntnisse zu verbessern.

Neben der Beratung hat allerdings laut Schmitz die Netzwerkarbeit vor Ort eine sehr große Bedeutung. „Es hilft Langzeitarbeitslosen sehr, wenn sie etwa gleich im Supermarkt um die Ecke wieder einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen können.“ Das könne auch erst mal ein Praktikum sein. Um diese Netzwerkarbeit weiter zu intensivieren, konzentriert sich nun pro Standort ein Stadtteilagent auf diese Aufgabe.

Das Jobcenter hält diesen sehr lokalisierten Ansatz für so effektiv, dass es im letzten Jahr die Finanzierung der i-Punkte übernommen hat. Die Stadt hat dadurch wieder mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um dem Problem Langzeitarbeitslosigkeit zu begegnen. Zu dieser Gruppe zählen rund 8000 Düsseldorfer, die länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet sind. Sie tun sich im Durchschnitt besonders schwer, wieder Anschluss zu finden.

Stadt und Politik haben deshalb vor fünf Jahren beschlossen, die Arbeit des Jobcenters mit eigenen kommunalen Ansätzen zu ergänzen. 2,2 Millionen Euro stehen dazu jährlich zur Verfügung, wobei nach dem Engagement des Jobcenters sogar noch Mittel übrig sind. Und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche betont zudem, dass die erfolgreichen Hilfen der Stadt dazu führen, dass der Haushalt weniger belastet wird. Durch Integration in den Arbeitsmarkt habe man zuletzt in einem Jahr 280.000 Euro an Wohnkosten eingespart. „Wir wollen nicht passiv Arbeitslosigkeit finanzieren, sondern aktiv Beschäftigung.“ Vor allem gehe es aber darum, den Menschen wieder mehr Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen und auch den Kindern betroffener Eltern so indirekt bessere Perspektiven zu bieten.

Das alles ist aus Sicht von Hintzsche sehr erfolgreich gelungen. In den i-Punkten habe er bei den sehr unterschiedlichen eingeleiteten Maßnahmen mit einer viel höheren Abbrecherquote gerechnet. Die habe aber nur bei 27 Prozent gelegen. 88 Menschen konnte sogar in eine ungeförderte Stelle vermittelt werden. 29 Personen konnten mit Hilfe der i-Punkte Jobs nach dem Teilhabegesetz antreten, wonach reguläre Stellen zunächst staatlich subventioniert werden. Durch das Jobcenter waren es seit Anfang 2019 bis heute 601 Arbeitsverträge, die für Langzeitarbeitslose auf diesem Weg vermittelt werden konnten. Die Stadt selbst hat verwaltungsintern 114 Einsatzstellen ermittelt und 47 Arbeitsverträge abgeschlossen.

Dieser Integration in den Arbeitsmarkt vorgelagert ist oft das Instrument der kommunalen Beschäftigungsförderung namens „Arbeitsgelegenheit Plus“ (AghPlus). Das Jobcenter fördert eine Tätigkeit jenseits des regulären Arbeitsmarktes, wobei die Langzeitarbeitslosen individuell begleitet werden. In kleinen Schritten sollen sie so wieder an einen beruflichen Alltag herangeführt werden. Insgesamt stehen 250 Förderplätze zur Verfügung. 2019 haben von 217 Teilnehmern 104 ihr Projekt beendet. Fünf konnten in ungeförderte Arbeitsstellen vermittelt werden, 21 traten öffentlich geförderte Stellen an.