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Bedenken wegen Denkmalschutz ausgeräumt: Stadthaus wird bald Hotel

Bedenken wegen Denkmalschutz ausgeräumt : Stadthaus wird bald Hotel

Die Münchner Derag-Gruppe will aus dem historischen Stadthaus an der Mühlenstraße einen Mix aus Hotel und Miet-Apartments machen. Die Bedenken des Denkmalschutzes wurden ausgeräumt, im September soll der Planungsausschuss darüber entscheiden. Ein Rundgang.

Peter Zogbaum hat einen Arbeitsplatz, von dem mancher träumt. Seit 22 Jahren ist er Hausmeister in einem der schönsten Gebäude der Stadt: dem Stadthaus an der Mühlenstraße, im 17. Jahrhundert als Jesuiten-Kolleg erbaut, zuletzt im Besitz der Stadt und als Verwaltungsgebäude genutzt. Hinter der historischen Fassade verbergen sich nicht nur prunkvolle Räume, sondern auch idyllische Innenhöfe.

In einem davon, dem, der an die Andreaskirche grenzt, steht Zogbaum mit einer Tupper-Dose voller Schlüssel in der Hand und Wehmut im Herzen. "Ich häng' schon an diesem Haus", sagt er und lässt den Blick über die Fassade gleiten. In diesem Gebäude kennt Zogbaum jede Schraube, jede Treppenstufe. "Mit den Architekten haben wir in den Kellern Bohrungen gemacht, um festzustellen, mit welchem Material sie zugeschüttet wurden." Mit Architekten ist Zogbaum in letzter Zeit oft an seinem Arbeitsplatz unterwegs. Denn das Stadthaus wird verkauft. Die Münchner Derag-Gruppe möchte in dem Komplex mit 10.000 Quadratmetern Nettogeschossfläche ein Hotel und ein so genanntes Boardinghaus (möblierte Miet-Apartments) mit insgesamt 312 Betten errichten.

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Erst nach monatelangem Hin und Her hat sich der Investor mit der Stadt und den Denkmalschützern geeinigt. "Der gläserne Anbau im westlichen Innenhof ist vom Tisch, es wird auch keine Balkone geben, die Fassade bleibt im Innenbereich, wie sie ist", betont Stadtplanungsdezernent Gregor Bonin. Der Landeskonservator hatte gegen diese Pläne des Investors protestiert. "Zu recht", wie Bonin findet. Jetzt sei nur noch zu überlegen, ob man auf dem Dach einige Gauben mehr zulasse. Ansonsten soll die neue Beschlussvorlage am 10. September in den Planungsausschuss, danach in den Rat. Bonin sieht die neue Nutzung des Stadthauses als Teil eines Dreiklangs mit dem "Andreasquartier", das nach dem Umzug des Amts- und Landgerichts genau gegenüber mit einem Luxushotel und Wohnungen entstehen soll, und der K20-Erweiterung mit dem Bürgersaal an der Ratinger Straße.

Die Gänge, durch die Hausmeister Zogbaum seine Besucher führt, haben teils noch den spröden Behördencharme: nüchtern, mit Industrie-Teppich zu weißen Wänden. Der Blick in den mittleren Innenhof ist ein Kontrast: Wilder Flieder wogt im Wind, dahinter erhebt sich eine verschnörkelte Fassade. "Dieser Hof soll überdacht und als Frühstücksraum genutzt werden", sagt Bonin. Auch das sei mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Der efeubewachsene dritte Innenhof, in den bereits die frühere Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache aus ihrem Büro blickte und auch Flughafen-Chef Christoph Blume, als er noch Stadtplanungsdezernent war, bleibt weitgehend, wie er ist. Auch die Mahn- und Gedenkstätte bleibt in ihrer heutigen Form erhalten.

Das gilt selbstverständlich auch für das Prunkstück des Gebäudes: den Wappensaal im zweiten Stock, der dem Standesamt übergangsweise als Trauzimmer diente. Unter der Decke sind dort die Wappen der Herzogtümer Geldern, Cleve und Berg aus Stuck geformt. "Das bergische Wappen ist etwas ganz Besonderes", sagt Peter Zogbaum. "Der Löwe ist nämlich falsch herum."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pläne für das Stadthaus

(RP)