Denkmal enthüllt: Turek-Sohn: Vater sprach nie über '54

Denkmal enthüllt: Turek-Sohn: Vater sprach nie über '54

Er ist keiner, der groß Bohei macht, wie man so sagt in Düsseldorf. Hans-Jürgen Turek wohnt in Heerdt, sein Vater ist der Fußballgott und Teufelskerl Toni Turek, der Torwart der Helden von Bern. Der Sohn ist 63 Jahre alt, ihn freut es, dass der Vater in der Region so vielfältig geehrt wird.

Er ist keiner, der groß Bohei macht, wie man so sagt in Düsseldorf. Hans-Jürgen Turek wohnt in Heerdt, sein Vater ist der Fußballgott und Teufelskerl Toni Turek, der Torwart der Helden von Bern. Der Sohn ist 63 Jahre alt, ihn freut es, dass der Vater in der Region so vielfältig geehrt wird.

"Es gibt eine Gedenktafel am Duisburger Stadion, in Erkrath ist das Stadion nach ihm benannt, in Mettmann eine Haltestelle und eine Allee, in Düsseldorf das Vereinsheim der Fortuna", bilanziert Turek. Er hält sich am Freitag ein wenig abseits an der Arena, als immer mehr Menschen kommen, die der Enthüllung des Toni-Turek-Denkmals beiwohnen wollen.

Endlich in der Landeshauptstadt eine bedeutende öffentliche Ehrung "für den größten Fortuna-Spieler", wie ihn Vereinspräsident Dirk Kall später nennt. Von der Blamage, die sich die Stadt mit misslungenen Straßen- und Platzbenennungen geleistet hat, will Turek junior gar nichts hören, aufbauschen will er die ollen Kamellen ohnehin nicht. Nicht seine Art. Das Naturell hat er vom Vater.

Der sei "ein ruhiger Typ gewesen, hat nicht viel gesprochen". Über zwei Dinge habe er nie reden wollen: "Über den Krieg und den Weltmeistertitel von '54\. Ich habe erst mit 20 erkannt, was er da geleistet hat." Er selbst sehe dem Vater immer ähnlicher, sagt er, und zeigt auf seine Augenpartie und die Wangen. Bei Sohn Oliver (36), der an diesem Tag Fotos macht, dürfte sich das ähnlich entwickeln, fast dem Opa wie aus dem Gesicht geschnitten sei der jüngste Sohn Markus (33). Die Familie steuert Geld bei für die Pflege des Monuments.

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Freitag vor 60 Jahren hat die Herberger-Truppe in der Schweiz den ersten Weltmeistertitel für Deutschland geholt. "Das war das erste große schöne Erlebnis nach dem Krieg", weiß Fortuna-Legende Matthes Mauritz und erzählt über die Lautsprecher, dass er den Toni damals gefragt habe, was er denn bei der WM wolle, "ihr kriegt doch ohnehin einen auf den Sack. Und dann kam die Mannschaft wieder, es ging vom Bahnhof zum Rathaus, 100 000 jubelten Toni zu, der oben auf der Kutsche saß."

30 000 Euro haben rund 300 Firmen und Privatleute für das Bronze-Denkmal in den letzten Monaten gespendet, das Toni neben dem Torpfosten stehend in Lebensgröße zeigt. OB Dirk Elbers, der mit Thomas Geisel als "die Oberbürgermeister" begrüßt wird, lobt das bürgerschaftliche Engagement und träumt schon mal von einem neuerlichen WM-Sieg. Dank gilt dann Till Hausmann, dem Künstler, und Kunstgießer Rolf Kayser.

Den größten Applaus erntet schließlich Initiator Björn Borgerding, der bei den Fortuna-Ultras ebenso aktiv ist wie bei den Düsseldorfer Jonges. Fortuna-Manager Helmut Schulte und Trainer Oliver Reck schauen fasziniert zu, wie die Fortuna-Familie in Schwung kommt bis hin zu Sprechchören. Reck erzählt, dass er als Torwart von Turek gelernt hat. "Mein Vater hat mir empfohlen, Bilder von ihm anzuschauen. Turek war reaktionsschnell, stark auf der Linie." Ein Fußball-Gott eben, wie es an der Arena auf vielen T-Shirts zu lesen ist. Uwe-Jens Ruhnau

(RP)
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