Stefan Siepmann ist Düsseldorfer Männer-Yogalehrer

Lebensaufgabe : Stefan Siepmann lehrt Yoga für Männer

Von wegen Yoga ist vor allem Frauensache! Stefan Siepmann macht’s explizit für Männer und krempelte dafür sein Leben komplett um, denn er „mutierte“ vom Pumper zum Männer-Yogalehrer mit Studio in Derendorf und einer Mission.

Wer an einen Yoga-Kursus denkt, hat meist klischeehaft erst einmal einen Kursus voller Frauen vor Augen, die sich entspannen – auch gerade bei Männern herrscht dieses Bild von Yoga ja gerne mal vor. Der Düsseldorfer Yogalehrer Stefan Siepmann versucht auf wortwörtlich eigene Weise, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen: Seit einigen Jahren bietet er Kurse nur für Männer an – und das obwohl er ursprünglich selbst nichts mit Yoga am Hut hatte.

„Ich habe zwölf Jahre Body-Building betrieben – und das sehr exzessiv“, erinnert sich Siepmann. Sechs Tage die Woche ging er nach seinem Job als Bürokaufmann ins Fitnessstudio. Auf seine Beweglichkeit habe er dabei kaum geachtet. „Ich war der typische Pumper, bis mich meine Freunde irgendwann gefragt haben, wie ich mir denn mit 50 Jahren die Schuhe zubinden wolle.“ Ab dem Zeitpunkt sei klar gewesen, dass es für ihn nicht mehr wie bisher weitergehen könne – die Entscheidung für Yoga war gefallen.

„Anfangs ging bei mir gar nichts. Als einziger Mann in der Runde habe ich kaum eine Übung hinbekommen“, gesteht er. Doch mit den Fortschritten in den folgenden Monaten sei bei ihm auch die Begeisterung für die die neue Sportart gewachsen. Das Fitnessstudio dagegen besuchte Siepmann immer seltener. „2009 habe ich dann ganz mit dem Bodybuilding aufgehört und ein Jahr später meine Ausbildung zum Yoga-Lehrer begonnen.“

Auf die Idee, Yoga-Kurse nur für Männer anzubieten, kam Siepmann dann einige Jahre später durch einen glücklichen Zufall: “Vor fünf Jahren sollte ich einen Kollegen vertreten, der einen Kurs hatte, in den nur Männer kamen.“ Dabei sei ihm erst bewusst geworden, wie viele Männer in derselben Situation sind wie er vor wenigen Jahren. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Männer fühlen, die im Beruf viel sitzen.“ Dazu komme, dass Yoga noch immer als Frauen-Gymnastik wahrgenommen werde. Die meisten Männer würden nie einen normalen Yoga-Kurs besuchen, so Siepmann - die Idee zur Männerrunde war geboren.

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Doch der Kampf gegen die Vorurteile erwies sich als ein schwieriger. Viele Monate dauerte es bis Siepmann Leute für die Kurse zusammen hatte. Eine Aktion ist ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: „In voller Euphorie habe ich für die Männerrunden viele tausende Flyer mit den Eckdaten gedruckt. Für die Männer war es zunächst unlogisch, weshalb Yoga hilfreich ist“, erzählt Siepmann. Also habe er für jeden Flyer einen kleinen Notizzettel mit zusätzlichen Infos gebastelt. „Das war ein teurer Spaß und mühsamer Weg, der mich viele Stunden gekostet hat“, sagt Siepmann, der heute über die Aktion lachen kann.

Mittlerweile hat Siepmann nicht nur viele Männer von 18 bis 70 Jahren für Yoga begeistern können, sondern sein Konzept für die Männerrunden auch weiter ausgefeilt: „Ich unterrichte sehr fordernd, weil Männer den Moment brauchen, in dem sie anfangen zu schwitzen – und das tut bei mir jeder“, erzählt er lachend. Die Erleuchtung suche bei ihm keiner, stattdessen gehe es darum, etwas für die körperliche Rente zu tun.

Dass er selbst einmal bis zur Rente Yoga als Beruf machen würde, hätte sich Siepmann nie erträumen lassen. „Ich bin so fasziniert, dass ich sechsmal die Woche morgens für mich selbst Yoga mache und abends unterrichte“ sagt Siepmann. Und auch für die Zukunft hat er schon weitere Pläne: „Mein Traum ist ein eigenes Yogastudio – natürlich mit Kursen für Männer.“

⇥Robin Hetzel

(het)
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