"Star Trek“-Legende Dan Curry spricht im Filmmuseum in Düsseldorf

Science-Fiction in Düsseldorf : „Star Trek“-Trickser Dan Curry spricht im Filmmuseum

Anlässlich einer Ausstellung zu Science Fiction im Filmmuseum findet am Samstag das Symposium „Space Travel & Science Fiction“ statt, wo unter anderem Dan Curry zu Gast ist. Er war 17 Jahre für die Spezialeffekte bei „Star Trek“ verantwortlich.

Sein Name dürfte selbst vielen treuen „Star Trek“-Fans nichts sagen, dabei hat Dan Curry (72) den Look des fiktiven Universums fast zwei Jahrzehnte lang maßgeblich geprägt. 19 Mal wurde der Experte für Spezialeffekte und Titelsequenzen für den Emmy nominiert, sieben der massiven Pokale stehen tatsächlich auf dem Kaminofen seines Hauses in Los Angeles.

Nach Düsseldorf gelotst hat ihn Bernd Desinger, Chef des Filmmuseums. Beim dortigen, hochkarätig besetzten Symposium „Space Travel & Science Fiction“ (heute ab 10 Uhr, Eintritt frei) referiert Curry um 14.30 Uhr über die Entwicklung der analogen und digitalen Effekt-Technik.

Der Mann, der Raumschlachten und aggressive Aliens ins beste Licht rückt, ist privat strikter Pazifist: Nach der Uni ging Curry zur US-Friedenstruppe „Peace Corps“, baute in Thailand Brücken und Deiche, gestaltete die Bühnen für den königlichen Ball – und lernte die Frau kennen, mit der er seit inzwischen 43 Jahren verheiratet ist.

Zu „Star Trek“ kam Curry in dessen goldenem Zeitalter – zwischen 1988 und 2005 gestaltete er nicht weniger als vier verschiedene TV-Serien in dem fiktiven utopischen Universum, in dem die Menschheit in schnittigen Raumschiffen zu den Sternen fliegt und sich auf fremde Planeten „beamen“ lässt, stets im Dienste von Forschung und Frieden. Zunächst malte er Hintergrundbilder, dann fuchste er sich in die Welt der Spezialeffekte ein. „Zwischendurch bastelte ich Planetenoberflächen aus Hundefutter und Raumschiffmodelle aus Löffeln und Shampooflaschen“, erinnert er sich.

Den andauernden Erfolg der „Star Trek“-Serien führt der bescheidene Curry nicht etwa auf seine Arbeit zurück – im Gegenteil: Spezialeffekte dürften niemals Selbstzweck sein, betont er. „Sie haben nur eine einzige Existenzberechtigung: Sie sollen eine überzeugende Welt erschaffen, in der sich die Geschichte entfalten kann.“ Und diese Story ist in „Star Trek“ der Sieg über Rassismus, Sexismus, Egoismus, Krankheiten und Krieg, den die Menschheit dem einen oder anderen Alien-Volk voraus hat.

Für Kampfsport interessiert sich Curry aber trotzdem, und so erfand er die vielleicht berühmteste fiktive Waffe nach dem legendären Lichtschwert aus „Star Wars“: In akuter Sorge, dass die Kult-Bösewichte der Klingonen mit kläglichen Macheten ausgestattet würden, schuf er das „Bat’leth“ – ein gebogenes, anderthalb Meter langes Schwert, das quer vor dem Körper herumgewirbelt wird, samt dazugehörigem Kampfstil, dessen Bewegungen an Tai Chi erinnern.

Über seine Arbeit für die Superheldenstreifen-Schmiede Marvel Studios spricht Film-Professor Michael Coldewey (11 Uhr). Mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Wissenschaft und Science-Fiction beschäftigen sich zwei weitere Fachleute: Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt spricht über die Beziehung von Visionären und Forschern (13.30 Uhr), Physikprofessor Metin Tolan referiert über die Wissenschaft in „Star Trek“ (17 Uhr).

Die „symbiotische Beziehung zwischen heutiger Wissenschaft und Science-Fiction“ betont auch Curry: „Wir Träumer inspirieren die Forscher – und deren Entdeckungen inspirieren wiederum uns.“ Ein Trostpreis für Sci-Fi-Fans, die es heute nicht zum Symposium schaffen:

Noch bis zum 30. Juni läuft im Filmmuseum die Sonderausstellung „Fantastische Welten, perfekte Illusionen“. Zu sehen sind Modelle aus „Star Trek“, „Alien“, „Independence Day“ oder auch „Die unendliche Geschichte“. Simulatoren erlauben Ausflüge in virtuelle Realitäten. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro (ermäßigt 2,50 Euro), Jugendliche und Schulklassen gratis.

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