Carlstadt: Seit 30 Jahren handelt Markus Weller mit Antiquitäten und Kunst

Carlstadt: Seit 30 Jahren handelt Markus Weller mit Antiquitäten und Kunst

Er erkennt ein Original auf den ersten Blick und muss deshalb die junge Frau, die mit ihrer geerbten Ikone in seinen Laden gekommen ist, enttäuschen.

Das gute Stück ist nicht echt, die Darstellung der Muttergottes nicht mehr als eine gekonnte Kopie. Auch für das Porzellan, das ihm weniger Minuten später jemand anbietet, hat er keine Verwendung. Sehr freundlich, aber bestimmt erklärt Markus Weller, dass er nur Figuren von Meissen an- und verkauft.

Der Mann, der sich vor 30 Jahren mit 19 als Kunsthändler in der Carlstadt niedergelassen hat, ist spezialisiert auf Kunst, hochwertige Antiquitäten und kostbare Juwelen. Barockmöbel aus dem 18. Jahrhundert, Tabernakel aus dem Schloß Pillnitz, Sessel aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, Kunstkammerobjekte des 17. Jahrhunderts, Gemälde Alter Meister, silberne Teekannen aus dem englischen Königshaus oder kostbare japanische Miniaturschnitzereien — ganz gleich wie kostbar und oft mehrere Hunderttausend Euro teuer die Objekte auch sind, alles darf angefasst werden: "Bei mir ist jeder in meinen beiden Geschäften willkommen, jeder wird beraten und gleich behandelt."

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Und damit auch jedermann was finden kann, gibt es ein Silberdöschen für 40 Euro genauso wie einen 300 Jahre alten Tabernakel aus Schloss Pillnitz für 80 000. Weller, der als Ikonen-Kenner seine Karriere startete, ist in aller Welt auf Auktionen unterwegs oder kauft Teile aus privaten Sammlungen, stets auf der Suche nach Unikaten und Kostbarkeiten. Stolz ist er darauf, in den Weltverband Cinoa gewählt worden zu sein, dem 5000 Kunsthändler aus 22 Ländern angehören. Als er vor 20 Jahren in Brasilien war, entdeckte der gebürtige Kölner seine Leidenschaft für Edelsteine. Seitdem zählt Schmuck wie besonders eingefasste Smaragde, gelbe Saphire oder sein erklärter Lieblingsstein Aquamarin zu seinen Schwerpunkten.

Nicht nur Banker und Industrielle auch zahlreiche Herrschaften aus Adelsfamilien gehen bei ihm ein und aus: "In den Kreisen wird sowohl die Tischkultur noch geschätzt, als auch die Einzigartigkeit der Stücke, das handwerkliche Können und die erlesenen Materialien." Denn die Zeiten haben sich geändert. Massenware sei das Zeichen der Wegwerfgesellschaft. Wer in Restaurants und Pizzerien zum Essen geht, braucht daheim kein Porzellan oder Silberbesteck mehr. Augenfällig ist der Wandel allein im Galerien- und Kunstviertel in der Carlstadt. Von den 60 Kunsthändlern, die einst dort ihre Geschäfte hatten, haben drei "überlebt".

(dh)
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