Singendes Prinzenpaar: Schiefe Töne - Oper bietet Nachhilfe an

Singendes Prinzenpaar : Schiefe Töne - Oper bietet Nachhilfe an

Troubadix, der Barde im gallischen Dorf der Helden Asterix und Obelix, hat ein Problem: Er kann nicht singen, tut es aber trotzdem. Daher hindern ihn die Gallier, wenn möglich, per Schmiedehammer oder mit Knebel und Fesseln daran, seine Mitmenschen atonal zu quälen.

Soweit werden Düsseldorfs Narren wohl nicht gehen, wiewohl sie eine ähnliche Sorge plagt: Das amtierende Prinzenpaar singt gern und tut es auch, die Qualität dieser Darbietung scheint aber mit dem Urteil "ausbaufähig" noch höflich umschrieben zu sein.

Andere mögen gar nicht mehr hinhören, angeblich ist das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) schon hellhörig geworden und hat ein Sangesverbot erlassen. Zuzutrauen ist das den Herren, denn Humor nehmen sie äußerst ernst, schräge Musik, die womöglich durchaus kurios sein könnte, passt da nicht rein.

Also: Maulkorb fürs Prinzenpaar, jedenfalls jenseits gesprochener Sprache. Aber vielleicht kann die Oper helfen: Als die Rheinische Post das Problem schilderte und um Hilfe bat, war man sofort bereit, einen Crash-Kurs anzubieten. Aber mit einer Einschränkung: "Wir können keine Erfolgsgarantie geben!"

Verlangt auch keiner, aber den beiden Laien einige Tipps zu geben, kann nicht schaden. Intern wird längst kritisiert, dass man dies schon vorher hätte tun müssen — schließlich gebe es ja auch Nachhilfe in Sachen Bühnenpräsenz, Tanz und freier Rede. Der Start von Prinz Michael und Venetia Pia in die Session hat jedenfalls bereits einige Misstöne verursacht: Als die Zwei versuchten, auf der Bühne das lächelnde D buchstäblich nachzustellen, hat die eine Hälfte des Publikums nicht verstanden — und die andere fand es offenbar wenig originell.

Auch ein Video, das die Zwei überraschend präsentierten, war offenbar fürs jecke Fußvolk zu sehr um die Ecke gedacht — und ließ die etablierten Pappnasen die Augen verdrehen. Es zeigt Karneval in Mainz, Bonn, Köln, und überall nur leere Straßen und Tristesse. Danach als Gegensatz Karneval in Düsseldorf: bunt kostümierte fröhliche Figuren, Musik, Hochstimmung. Die Gäste bei der Kürung waren da etwas ratlos.

Und danach hagelte es Kritik. "Wir sind doch nicht der Nabel der Welt", sagte ein Präsident. "Gerade jetzt, wo wir alle im Rheinland uns gemeinsam darum bemühen, mit unserem Brauchtum ins ideelle Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden, sollte man solche Filme nicht produzieren."

Auch beim CC ist man nicht gerade glücklich über das Band. Der Vorstand, so ist zu hören, wusste vorher überhaupt nichts davon. Einer der Oberjecken: "Wir wollen versuchen, dass der Videoclip nicht online gestellt wird. Das gibt sonst böses Blut bei unseren Kölner Freunden." Prinz Michael ist da ganz anderer Meinung: "Die Flachserei, das Sich-gegenseitig-auf-den-Armnehmen zwischen Köln und Düsseldorf — es gehört nun einmal zum Karneval. Das sollte man alles überhaupt nicht ernst nehmen." Hans Onkelbach/Wolfgang Berney

(RP)