Schauspielerin Vivien Wulf aus Düsseldorf: Aufgewachsen vor der Kamera

Düsseldorfer Schauspielerin Vivien Wulf : Aufgewachsen vor der Kamera

Ihre Karriere begann im Kindergarten und führte Vivien Wulf zu diversen Auftritten in Filmen und TV-Serien. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten, wie die Düsseldorferin vor allem in ihrer Jugend erleben musste.

Ihr Debüt als Schauspielerin absolvierte Vivien Wulf in jungen Jahren: Bereits im Kindergarten spielte sie in der hauseigenen Inszenierung des „Kartoffelkönigs“ die Hauptrolle. Seit jeher brennt die gebürtige Düsseldorferin für die Schauspielerei. „Ständig habe ich als Kind meine Freunde dazu gezwungen, unseren Eltern irgendetwas vorzuspielen“, erinnert sie sich. So kam es dazu, dass die Mutter einer Freundin ihr Talent erkannte und ihr vorschlug, sich bei einer Schauspielagentur zu bewerben. Damals war Vivien Wulf gerade einmal zehn Jahre alt – und musste zunächst die harten Seiten im Leben einer Jungschauspielerin erleben. „Ein Jahr lang erhielt ich keine einzige Anfrage“, erzählt die 25-Jährige, „das war in meinen jungen Jahren sehr frustrierend für mich.“

Doch bald fand die Flaute ein jähes Ende: Nach einigen Werbedrehs und kleineren Nebenrollen spielte Wulf 2009 in der Verfilmung des Ken-Follett-Thrillers „Eisfieber“ an der Seite von Heiner Lauterbach und Tom Schilling eine der Hauptrollen. „Seitdem ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht gedreht habe“, stellt sie rückblickend fest. So war sie in den vergangenen zehn Jahren in diversen TV-Krimis, der Actionserie „Alarm für Cobra 11“ sowie in der ZDF-Produktion „Das Traumschiff“ zu sehen. An einem Tag neben den Stars des deutschen Fernsehens vor der Kamera stehen und am nächsten wieder zu Hause die Schulbank drücken – kein leichter Spagat für eine Teenagerin. „Mein gewöhnlicher Alltag abseits der Dreharbeiten hat mir immer geholfen, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Und bis heute haben die meisten meiner besten Freunde nichts mit Schauspielerei am Hut“, sagt Wulf, die in Flingern-Nord aufgewachsen ist.

Trotzdem hat die Arbeit vor der Kamera ihre Jugend geprägt. „Dadurch, dass ich schon früh mit Profis zusammengearbeitet habe, musste ich selbst schneller erwachsen werden“, weiß sie heute. Die Schauspielerei fordert nicht zuletzt ein großes Selbstbewusstsein. Doch als junges Mädchen sei sie kaum ungeschminkt aus dem Haus gegangen, wollte immer perfekt aussehen. In der Öffentlichkeit zu stehen, sei deshalb für sie nicht immer leicht gewesen. „Wenn ich irgendwo einen negativen Kommentar über mich gelesen habe, hat mich das tief getroffen und nicht selten zum Weinen gebracht.“

Heute weiß sie mit den gelegentlichen Hasskommentaren im Netz umzugehen: „Die meisten Menschen würden sich nie trauen, mir das, was sie bei Instagram schreiben, ins Gesicht zu sagen. Deshalb nehme ich solche Leute einfach nicht ernst“, sagt sie bestimmt. Auch den Druck, rund um die Uhr perfekt auszusehen, will sie nicht an sich heranlassen. „So kitschig es klingen mag – ich habe erkannt, dass Schönheit kommt und geht. Irgendwann sind wir alle alt und runzlig, was dann noch bleibt, ist das Zwischenmenschliche.“

Eine klassische Schauspielausbildung hat Vivien Wulf nie absolviert. Am Set versuche sie intuitiv das zu verkörpern, was sie bei einer Rolle fühlt. Und manchmal sind diese Gefühle so stark, dass sie sich sogar auf den Feierabend auswirken: „Als ich ein Mädchen gespielt habe, deren Vater verstorben ist, bin ich nach Drehschluss mit Magenkrämpfen auf das Hotelzimmer gegangen, weil mich die Rolle so bedrückt hat“, erinnert sie sich.

Am meisten Spaß macht es ihr jedoch, vor der Kamera die Oberzicke zu mimen. Diese Rolle kam Wulf auch in ihrem letzten großen Projekt zu, dem Kinofilm „Misfit“, der im März dieses Jahres anlief. Optisch erfüllt sie schließlich jedes Klischee der typischen Diva. Blonde Haare, zierliche Figur, und ein hübsches Gesicht – auch außerhalb vom Set wird sie auf Grund ihres Aussehens schnell in eine Schublade gesteckt. Aber gerade weil diese Rolle ihrem Charakter so fern sei, mache sie ihr so viel Spaß. „Wenn Menschen mich näher kennenlernen, sagen sie oft, ich sei ganz anders, als sie bei unserem ersten Treffen dachten“, erzählt sie.

Egal ob als Oberzicke oder nicht – schauspielern will Vivien Wulf am liebsten, bis sie 99 Jahre alt ist. Ein weiteres Ziel: „Irgendwann will ich eine Familie gründen, das ist für mich der Sinn des Lebens, und zwei Golden Retriever hätte ich dann auch gern.“ Ob das in Düsseldorf, der Antarktis oder doch in Timbuktu geschieht, spielt für sie keine Rolle: „Ich lasse keine Gelegenheit aus, auf Reisen zu gehen, denn das ist die beste Form der Bildung. Doch egal wo ich bin, Düsseldorf ist und bleibt meine Heimat.“ Johanna Porten