Savoy-Theater in Düsseldorf: Thorsten Havener ist der Mann der Geheimnisse

Mentalist Thorsten Havener kommt nach Düsseldorf : Warum Menschen voreinander Geheimnisse haben sollten

Thorsten Havener verblüfft mit seiner Fähigkeit des Gedankenlesens regelmäßig sein Publikum. Alles eine Frage der Technik – und des Geheimnisses, sagt er. Am Samstag (14. Dezember) tritt er im Savoy-Theater auf.

Der Weg von Thorsten Havener zur Zauberei hatte wenig Magisches. 13 Jahre war er alt, als sein sechs Jahre älterer Bruder bei einem Fallschirmsprung starb. Zu Lebzeiten war die Zauberei eine besondere Verbindung zwischen den beiden Brüdern gewesen. „Mein Bruder beherrschte unglaublich tolle Tricks“, erinnert sich Havener. Und so ging er nach dem Tod seines Bruders in dessen Zimmer und nahm seinen Zauberkasten an sich. „Durch die Zauberei blieb mir mein Bruder nah.“

Aus kleinen Tricks im Kinderzimmer sind über die Jahre große Shows geworden. Mit seiner Fähigkeit, die Gedanken anderer Menschen zu lesen, verblüfft er sein Publikum. Am Samstag ist er mit seinem neuen Programm „Feuerproben“ zu Gast im Savoy-Theater. Begriffe wie Magie oder Tricks meidet Thorsten Havener jedoch, stattdessen spricht er von Illusionen. Ebenso wenig inszeniert er sich als übersinnlicher Mentalist, wie es manche seiner Kollegen tun. Was er mache, sei psychologische Unterhaltung.

Seine Auftritte leben vor allem von seinen zahlreichen Live-Experimenten. „In meinen Shows geht es mehr um mein Publikum und weniger um mich“, sagt er. Denn er beweist, dass auch der selbstsicherste Zuschauer nicht vor ihm und seinen Fähigkeiten sicher ist. Dabei ist es vor allem die Körpersprache, die Havener die Gedanken seines Publikums verrät. Diese zu lesen sei eine Mischung aus Begabung, aber auch ein zu erlernendes Handwerk, das er über die Jahre perfektioniert habe. Welche Mimik oder Gestik konkret die Gedanken seines Gegenübers preisgeben, verrät er natürlich nicht. Dieses Geheimnis ist schließlich auch einer der Hauptgründe für seinen Erfolg. Denn einerseits weckt es die Neugier der Zuschauer und hält andererseits die Illusion am Leben.

Doch Geheimnisse spielen nicht nur in der Welt der Illusionen eine wichtige Rolle, davon ist Havener überzeugt. In seinem in diesem Jahr erschienenen Buch „Sag es keinem weiter: Warum wir Geheimnisse brauchen“ widmet er sich der Bedeutung von Geheimnissen im Alltag. „Ein Geheimnis zu haben ist nicht automatisch etwas Schlechtes.“ Vielmehr würde es eine Person frei machen. „Man müsste sich einmal eine Welt vorstellen, in der es keine Geheimnisse geben würde.“ Entsprechend kritisch beobachtet er auch den Trend, immer mehr Informationen von sich in sozialen Netzwerken zu offenbaren. Denn erst durch Geheimnisse würde – wie bei den Illusionen in seinen Shows – die Neugier und Fantasie eines Menschen geweckt werden. Das sorge zum Beispiel bei einem Date dafür, dass man für sein Gegenüber interessanter wird. Voraussetzung dafür ist jedoch immer, dass einerseits eine Information nicht geteilt wird und andererseits die andere Person weiß, dass es ein Geheimnis gibt. Aber Geheimnisse seien darüber hinaus auch eine wichtige Währung für Freundschaften. Denn wer einem Freund etwas erzählt, was sonst niemand weiß, beweist damit großes Vertrauen.

Dass Thorsten Havener Gedanken lesen kann, heißt nicht, dass er alle Geheimnisse herausfinden kann. „Man kann jeden Menschen belügen, auch mich.“ Und: Wenn er zu Hause seinem Sohn auf die Schliche komme, lasse er ihm so manches kleine Geheimnis auch durchgehen. Er müsse nicht alles wissen. Daniel Schrader