1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtgespräch

Rosenmontag 2020 in Düsseldorf: Gottes Segen für den Zoch

Karneval in Düsseldorf : Gottes Segen für den Zoch

Kurz vor dem Rosenmontagszug wurden die Wagen für ihre große Reise durch Düsseldorf gesegnet. Bei der sonst recht feierlichen Veranstaltung war aber auch der Anschlag in Hanau ein Thema.

Es war eine ungewöhnliche Bühne für den kommissarischen Stadtdechanten Frank Heidkamp. Statt wie gewohnt von der Kanzel predigte er am Freitagnachmittag von der Ladefläche eines Transporters. Doch davon ließ sich der Pfarrer nicht beirren und betrat mit einem „Helau zusammen“ selbstbewusst die provisorische Bühne. Denn nicht nur der Ort, auch der Grund für seinen Auftritt war ein besonderer: Kurz vor Rosenmontag sprach Heidkamp in Anwesenheit zahlreicher Jecken in der Wagenbauhalle in Bilk den Segen für den Zoch und alle seine Teilnehmer, verbunden mit dem eindringlichen Wunsch nach gutem Wetter. Schließlich drohen den Karnevalisten zum Höhepunkt der Session Sturm und Regen.

Doch auch der Anschlag von Hanau war bei der Veranstaltung ein Thema. „Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen, was in den vergangenen Tagen geschehen ist“, sagte Heidkamp. Man müsse etwas gegen Rassismus und Hass tun. „Wir wollen am Montag Gemeinschaft leben.“

Bis dahin hat auch noch Jacques Tilly viel Arbeit vor sich, schließlich will er noch einen aktuellen Mottowagen zu den Ereignissen in Hanau bauen, und auch so gibt es noch einiges zu tun. „Es wird wie immer knapp“, prognostizierte er beim Richtfest. Aber davon lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. So habe er schonmal an einem Sonntagabend einen Wagen wegen aktueller Ereignisse umgebaut, einmal habe sich ein Wagen noch mit nasser Farbe auf den Weg zum Zoch gemacht.

Doch ein großer Teil der Gefährte ist bereits startklar und konnte beim Richtfest begutachtet werden. Vom Süßigkeitenland bis zum bunten Kämpfer gegen den tristen Alltag ist die Vielfalt groß. Darunter befinden sich aber auch politische Wagen wie von der KG Knaasköpp. Sie setzen beim Rosenmontagszug ein Statement gegen die AfD, die sie als Wegbereiter für Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus sehen.

Ein besonderes Augenmerk von Jacques Tilly lag natürlich auf dem Wagen für das Prinzenpaar. „Wir haben es ihm nicht leicht gemacht“, gestand Prinz Axel I. in Hinblick auf zahlreiche Entwürfe, die Tilly anfertigen musste. „Aber das Ergebnis ist grandios“, sagte Venetia Jula. Beide fiebern bereits ihrem wichtigsten Auftritt in der Session entgegen. Von Müdigkeit fehlt trotz unzähliger arbeitsreicher Wochen jede Spur. „Wir hatten ein wenig gehofft, dass wir wie in der Schule sitzen bleiben und nächstes Jahr noch einmal das Prinzenpaar sein können“, scherzte Axel.