Roncalli Akrobatin: Lili Paul in Düsseldorf

Ein Star im Apollo: Lili Paul: Eine Künstlerin zwischen Bühne und Abitur

Lili Paul ist die Tochter des berühmten Roncalli-Zirkusdirektoren Bernhard Paul. Seit ihrer Kindheit ist die Akrobatin ständig auf Achse: Zuletzt stand sie im Apollo Variete auf der Bühne und begeisterte das Publikum. Die Landeshauptstadt wurde für einige Monate ihr fester Wohnsitz.

Trotz ihres jungen Alters von 20 Jahren ist Lili Paul schon ein alter Hase in der Manege. Seit ihrer Kindheit ist die Tochter von Zirkusdirektor Bernhard Paul Teil des berühmten Roncalli-Universums. Dort hat sich die junge Dame einen Namen als Kontorsionsakrobatin gemacht – im Volksmund auch Schlangenfrau genannt. Doch ab Herbst steht erst einmal ein anderes Projekt auf ihrer Liste: das Abitur.

Seit April war Lili Paul Teil der Show „Saint Tropez“, die am Sonntag zum letzten Mal im Apollo Variete zu sehen war. Arbeitstechnisch war die Show für sie eine Umstellung. Denn während sie sonst mit dem Zirkustross ständig auf Achse ist, hatte sie nun im Rahmen ihrer Show-Auftritte für ein paar Monate eine Heimat in Düsseldorf gefunden. Auch die Arbeitszeiten sind vergleichsweise entspannt. „Es ist fast so, als hätte ich einen Bürojob“, scherzt sie. Für ihre Auftritte musste sie sich aber erst einmal umgewöhnen. So stand sie aktuell auf einer Bühne statt in der Manege, was einen großen Unterschied macht. „In der Manege sitzt das Publikum um mich herum, hier sitzen die Zuschauer nur auf einer Seite“, sagt sie.

Davon ab hat sich die Artistin in der Landeshauptstadt sichtlich wohlgefühlt. Nach ihren Auftritten ging sie besonders gerne in den Medienhafen, um ein wenig abzuschalten oder in einer der zahlreichen Bars zu verweilen. Gerne auch mit ihrem Bruder Adrian, der dort in der Nähe wohnt.

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Auch wenn es ihr in Düsseldorf gut gefallen hat, freut sie sich, dass es nun bald wieder auf Reisen geht. Denn dieses Leben ist sie von Kindesbeinen an gewöhnt. Aufgewachsen im rund hundertköpfigen Zirkusdorf waren die Pauls stets auf Achse. Was für Außenstehende nach Horror klingt, hat sie nie gestört. „Für uns war dieses Leben die Norm“, sagt sie. So fing sie auch schon früh an, selbst in das Geschehen einzugreifen. Nicht auf Druck ihres Vaters, der seinen Kindern alle Freiheiten ließ, sondern weil sie es so wollte. Mit sechs Jahren begann sie mit rhythmischer Sportgymnastik, womit sie die Grundlagen für ihre schier unbegrenzte Beweglichkeit legte, die ihre Auftritte prägen. Doch trotz ihrer 20 Jahre, fordert der Körper langsam seinen Tribut. Mit steigendem Alter lässt die Beweglichkeit nach. Das ist zwar bei Lili Paul aktuell noch kein Problem, doch so unbeschwert wie in der Vergangenheit verlaufen ihre Auftritte auch nicht mehr. „Ich brauche jetzt mehr Zeit zur körperlichen Vorbereitung“, erzählt sie. Dazu kommen regelmäßiges Training und Besuche beim Physiotherapeuten.

 Doch langfristig warten ohnehin neue Aufgaben. Zusammen mit ihren Geschwistern Vivian und Adrian will sie irgendwann die Geschäfte ihres Vaters übernehmen. Nach und nach übernehmen die drei organisatorischen Aufgaben ihres Vaters, der ihnen dabei sein Wissen vermittelt. Denn das Zirkusgeschäft ist ein Zuckerschlecken. Talent in Organisation und Verwaltung sowie Kreativität sind gefordert.

Zunächst steht für Lili Paul aber der Schulabschluss auf dem Programm. Im kommenden Jahr finden die Abiturprüfungen statt. Deshalb zieht sie sich ab Herbst erst einmal aus dem Zirkusgeschäft zurück, um sich in Ruhe vorzubereiten. Danach will sie sich ein wenig Auszeit nehmen, um zu reisen und Freunde in den verschiedensten Ländern zu besuchen. Doch dieser Abschied wird nur auf Zeit sein, so viel steht fest. Denn Ruhe und Entspannung sind nicht Lili Pauls Ding. „Ich bin immer froh, etwas zu tun zu haben.“