Rolf Maier Bode: Vom verschuldeten Techno-Star zum Filmmusiker

Neuanfang : Vom verschuldeten Techno-Star zum erfolgreichen Filmmusiker

In den 90ern war Rolf Maier Bode ein erfolgreicher Techno-Musiker. Dann ließ der Erfolg nach und Schulden häuften sich an. Doch statt der alten Karriere nachzutrauern, hat sich der Düsseldorfer neu erfunden.

Zwanzig Jahre war Rolf Maier Bode alt, als er 1994 vor tausenden Techno-Fans beim Dortmunder Festival Mayday auftrat. Es folgten Charterfolge und viele weitere große Auftritte, bis in den späten 90ern die Karriere ins Stocken geriet. „Mit 25 war ich D-Mark-Millionär, mit 30 hatte ich einen großen Schuldenberg.“ Doch anders als viele andere Prominente tingelte er nicht durch Reality- oder Comeback-Shows, sondern entwickelte sich weiter. Statt auf Festivals aufzulegen, komponiert er heute in seinem Wohnzimmer in Flingern Musik für Werbe- oder Animationsfilme. An seine frühere Karriere erinnert nur noch eine Goldene Schallplatte, die fort an der Wand hängt.

Zum Techno kam Rolf Maier Bode in seiner Jugend. „Ich wollte eine andere Musik machen, als damals im Radio lief.“ Zwar gefielen ihm die Melodien damaliger Künstler wie beispielsweise Vangelis, doch wollte er diese mit einem härteren Sound kombinieren. So experimentierte er an seinem Computer sowie Synthesizer und Sampler, die er sich von seinem Taschengeld gekauft hatte. Nach ersten kleineren Auftritten und Veröffentlichungen vermittelte ihm schließlich sein Bekannter Farid Gharadjedaghi einen Plattenvertrag bei einem großen Plattenlabel und bildete fortan mit ihm zusammen das Duo RMB, das sich aus den Initialen Rolf Maier Bodes ableitete. Während Maier Bode den musikalischen Part übernahm, kümmerte sich sein Partner um das Management. Die erste Single „Redemption“ landete direkt auf Platz 19 in den Charts. Zwei Jahre später hatte die Formation mit „Spring“ ihren größten Hit. 250.000 mal verkaufte sich die CD und bescherte RMB die besagte Goldene Schallplatte. Produziert wurde alles in einem Haus in Gruiten, das sich die beiden zum Wohnen und Arbeiten gemietet hatten. „Ab und zu haben Leute bei uns geklingelt und wollten Autogramme“, erinnert sich Maier Bode an den Höhepunkt seiner Popularität.

Doch zu dieser Zeit stand der Haussegen zwischen den beiden Partnern bereits schief. „Wir sind sehr unterschiedliche Personen“, so Maier Bode. Hinzu kam eine kreative Schaffenskrise. „Mit ‚Spring‘ hatten ich meinen künstlerischen Zenit erreicht.“ Das zeigte sich auch anhand der Verkaufszahlen, die immer weiter zurückgingen. Nicht zuletzt wegen des nachlassenden Techno-Booms. Hinzu kamen einige Fehlinvestitionen wie beispielsweise die Gründung eines eigenen Musikverlags. „Irgendwann haben die Zahlen das Projekt für uns beendet.“ Das war um die Jahrtausendwende.

Für Rolf Maier Bode eine schwere Zeit. Nicht nur wegen der hohen Schulden. Denn im Alter von 30 Jahren fehlte ihm plötzlich jegliche berufliche Perspektive. Über den Kontakt von Freunden kam er jedoch zufällig mit der Werbebranche in Berührung und komponierte seinen ersten Song für einen Werbespot. Aus diesem Experiment entwickelte sich seine neue Profession. Heute vertont er Filme verschiedenster Auftraggeber, beispielsweise Werbung für Automobilfirmen oder Animationsfilme für die Europäische Weltraumorganisation ESA. Viele davon im gewohnten elektronischen Stil, obwohl dieser nicht mehr mit seinen Techno-Songs von damals vergleichbar ist. Oft arbeitet er aber auch mit einem virtuellen Orchester. Eine kreative Einschränkung im Vergleich zu seiner ersten Karriere empfindet er nicht, im Gegenteil: Ihn reizt die Herausforderung, die Wünsche seiner Kunden musikalisch umzusetzen. Sein Ziel ist es, irgendwann auch große Spielfilme oder Serien zu vertonen.

Anfragen aus der Technoszene gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. 2016 trat Rolf Maier Bode schließlich noch einmal beim Festival Mayday auf, wo seine Techno-Karriere einst ihren Lauf genommen hatte. „Der Auftritt hat viel Spaß gemacht.“ Doch als er eine Woche später als Zuschauer bei einem Konzert des Filmkomponisten Hans Zimmer war, merkte er, dass Techno nicht mehr sein Metier ist. „Ich bin künstlerisch ein anderer Mensch geworden.“ Und schließlich hat er in seiner zweiten Karriere noch viel vor.

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