Neujahr: Neujahrsschwimmen: 316 Schwimmer baden im Rhein

Neujahr: Neujahrsschwimmen: 316 Schwimmer baden im Rhein

Die Wassertemperatur betrug knapp sieben Grad, an Land war es kaum wärmer, und es regnete. Nicht gerade das, was man unter Freibadwetter versteht.

316 Menschen, darunter SPD-Oberbürgermeisterkandidat Thomas Geisel, die 13-jährige Antonia Schult und der 78-jährige Franz Krüppel, war das aber egal. Sie sprangen oder besser schlichen wegen der Flossen rückwärts in Höhe der Kniebrücke in den Rhein, legten fünfeinhalb Kilometer zurück und krabbelten im Löricker Paradieshafen wieder aus dem Wasser. Dabei nutzten sie nicht nur ihre Neoprenanzüge, meistens zwei übereinander, als Auftriebshilfe, sondern "spielten" mit aufblasbaren Delfinen, Haien, Krokodilen und sogar einer "Insel mit Palme".

"Einer hatte eine Thermoskanne mit einem Heißgetränk dabei. Ich bin auch von ihm versorgt worden", erzählt Martina Sperlich. Sie hatte sich zum 49. Neujahrsschwimmen des DLRG Bezirks Düsseldorf einen rosa Fisch auf den Kopf gesetzt, eine Plastik-Blütenkette umgelegt und einen rot-weißen Einteiler über den Taucheranzug gezogen. "Am liebsten würde ich im Bikini schwimmen. Ein bisschen verrückt muss man eben sein", scherzte die Leverkusenerin. Für sie gehört das Neujahrsschwimmen zu den festen Jahresterminen.

Bei Thomas Geisel war das bisher anders. Für den SPD-OB-Kandidaten war es eine Premiere. "Ich hatte etwas Bammel, aber es war völlig unnötig. Es gab keinen Moment, wo ich mich unwohl gefühlt habe. Es war eine Riesengaudi", resümierte Geisel. Er war auf Einladung von DLRG-Landesvizepräsident und Mitgründer des Neujahrsschwimmens Axel Warden in den Rhein gesprungen. Geisel musste wie alle anderen Neujahrsschwimmer nachweisen, dass er schwimmen kann. Das war kein Problem, ist er doch Mitglied in der DLRG. Geisel kletterte als einer Ersten ersten aus dem Wasser.

Doch beim Neujahrsschwimmen geht es nicht darum. Vielmehr sollen die Teilnehmer zusammenbleiben, was den Sicherungskräften den Überblick und damit die Arbeit erleichtert. "Es ist eine Spaßveranstaltung mit ernstem Hintergrund. Wir wollen die Verbundenheit der Taucher stärken und die Einsatzbereitschaft von Wasserrettung bei DLRG, Feuerwehr und Polizei auch im Winter demonstrieren", erläuterte Gerd Brinksma aus dem Neujahrsschwimmen-Orga-Team. Das ist mit hohem Aufwand verbunden: "Wir veranstalten so etwas wie einen Volkswandertag auf einer Autobahn. Wir haben eine Sondergenehmigung und müssen viele Auflagen erfüllen." Er atmete auf, als alle 316 Neujahrsschwimmer an Land waren. Die Insassen der acht DLRG-Boote sowie Wasserschutzpolizei und Feuerwehr sowie die Fahrzeugführer der acht DLRG-Landfahrzeuge blieben zum Glück arbeitslos. Tino Hermanns

(RP)