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Theater: Letzter Vorhang fürs Flin in Flingern

Theater : Letzter Vorhang fürs Flin in Flingern

Sie haben sich der festlichen Beerdigung angemessen gekleidet", begrüßt Philipp Kohlen-Priebe die Gäste in Schwarz. Wie immer in den vergangenen zehn Jahren steht der Theaterchef selbst an der Tür, empfängt sein Publikum und kümmert sich auch persönlich um die Garderobe ("Hängen Sie den schwarzen Steppmantel bloß mit der hellen Jacke zusammen, den find ich sonst nicht wieder").

Sie haben sich der festlichen Beerdigung angemessen gekleidet", begrüßt Philipp Kohlen-Priebe die Gäste in Schwarz. Wie immer in den vergangenen zehn Jahren steht der Theaterchef selbst an der Tür, empfängt sein Publikum und kümmert sich auch persönlich um die Garderobe ("Hängen Sie den schwarzen Steppmantel bloß mit der hellen Jacke zusammen, den find ich sonst nicht wieder").

Hinter der freundlichen Flapsigkeit steckt auch eine gehörige Portion Wehmut. Der letzte Vorhang an diesem Silvesterabend, an dem zum zweiten Mal das "Best of flin" auf dem Spielplan stand, wird der letzte in Flingern sein. "Das ist schon traurig", sagt Kohlen-Priebe. "Wir hatten's uns hier so schön gemacht."

Sie sind gewissermaßen Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Als Rudolf und Claudia Porsche das Flin als blaugestrichenes Ein-Raum-Theater 1999 eröffneten, war der Stadtteil drumherum weit entfernt von hip. Das kleine Theater, das seinerzeit vor allem mit seiner Inszenierung von Süßkinds Kontrabass von sich reden machte, lockte so manchen Gast, der von der Ackerstraße vorher nie gehört hatte. Und als Philipp Kohlen und Oliver Priebe die Bühne zwei Jahre später übernahmen, das Theater vergrößerten (von 50 auf 90 Plätze) und mit einer geschickten Programm-Mischung einen festen Platz in Düsseldorfs freier Theaterlandschaft behaupteten, wurde das Flin schnell zum Szene-Treff. Die Flingeraner Goethe-Adaption "Fast Faust oder des Pudels Kern" wurde so etwas wie ein Markenzeichen, lief über Jahre vor ausverkauftem Haus.

Die Gäste - die Chefs, die auch privat das Duo Ko Pri sind, mögen das Wort "Zuschauer" nicht - kommen immer wieder. Und rund ums Flin entwickelt sich der Stadtteil hin zum trendigen Szeneviertel, das er heute ist. Und für's Theater war da plötzlich kein Platz mehr, nach dem Verkauf des Hauses kam die Kündigung des Mietvertrags. Nun, zum Abschied, gibt das Flin noch einmal alles.

Für das "Best off"-Potpourri gibt es bei den Schlussvorstellungen Ovationen. "Das hat uns sehr gerührt", sagt Kohlen-Priebe und zeigt die kleinen Geschenke, die die Gäste mitgebracht haben. Eine Juwelierin, die seit Jahren ins Flin geht und vom Theatermann stets rheinisch-fröhlich nach einem "Pröbchen" gefragt worden ist, hat sogar einen winzigen Glitzerstein geschenkt, verbunden mit guten Wünschen für den Neustart. Der soll im März an der Ludenberger Straße beginnen, dann auch unter neuem Namen: KaBARett Flin.

Dem Team Ko Pri ist davor spätestens seit den Abschiedsvorstellungen in Flingern nicht mehr bange: "Wer von seinen treuesten Theatergästen mit Ovationen und Tränen in den Augen verabschiedet wird, muss sich um die Zukunft nicht allzu große Sorgen machen." Zumal ihm jeder einzelne Gast in die Hand versprochen hat: "Wir kommen auch zu Euch zum Staufenplatz."

(sg)