Lesung: Lars Amend liest für todkranke Kinder

Lesung : Lars Amend liest für todkranke Kinder

Was er in den Favelas von Rio suchte, fand Lars Amend im Tageshospiz in Hamburg. Die Begegnung mit Daniel Meyer verändert sein Leben. Seit Herbst 2012 ist er quasi dessen "großer Bruder".

Was er in den Favelas von Rio suchte, fand Lars Amend im Tageshospiz in Hamburg. Die Begegnung mit Daniel Meyer verändert sein Leben. Seit Herbst 2012 ist er quasi dessen "großer Bruder".

Daniel Meyer ist 16 Jahre alt, seit seiner Geburt schwer herzkrank und verbrachte seine ersten fünf Lebensjahre fast ausschließlich in einem Krankenhaus. Keine Aussicht auf Heilung, denn "das bescheuerte Herz" macht nicht mit.

Jetzt hat er Autogrammkarten, Abenteuer erlebt und einen großen Bruder, aber er weiß, dass er sterben muss. "Das erste, was er zu mir sagte, war: Endlich bist du da", beschreibt Amend ihr Kennenlernen. "Ich habe mich in ihm gesehen und dachte, das hättest auch du sein können". Beide sehen sich tatsächlich verblüffend ähnlich. Fortan blieb der Berliner Autor in Hamburg. Ein dreiviertel Jahr lang verbrachte er vier Tage die Woche mit dem schwerkranken Jungen.

Gemeinsam haben die beiden ein Buch geschrieben: "Dieses bescheuerte Herz". Im Kinderhospiz Regenbogenland stellte Lars Amend es im Gespräch mit Matthias Killing, Moderator des SAT1-Frühstücksfernsehens, vor. Der hatte als Botschafter des Hospizes den Kontakt hergestellt. "Ich bin nicht morgens aufgewacht und habe gedacht, ich schreibe mal ein Buch über einen kranken Jungen", sagt Lars Amend. Der lebte ein bequemes Leben in Berlin, hatte eine Biographie über den Rapper Bushido geschrieben und über das behinderte Model Mario Galla.

Sein Leben kam ihm aber sinnlos vor. Zwei Monate verbringt er in Rio und lebt in Slums. Zurück in Deutschland ist es der damals 15-jährige Daniel: "Da ist ein Junge, der ist 15, hat keine Freunde und wartet auf den Tod", sagt Lars Amend. Er habe ein schlechtes Gewissen bekommen. Er wird zum Freund und Wunscherfüller. "Wir machen alles, was Spaß macht", sagt er. "Ich habe von ihm gelernt im Jetzt zu leben." Das Buch erzählt von großen und kleinen Abenteuern, die Amend und er erleben: Ein fremdes Mädchen küssen, einen Liebesbrief schreiben und abschicken oder mit einem coolen Sportwagen durch die Gegend fahren.

Über all das wollte Daniel auch ein Buch schreiben, für seine Mutter, damit etwas von ihm bleibt. "Ich möchte, dass meine Mutter etwas hat, was sie an mich erinnert", sagt Daniel in seinem Vorwort. Ob er den Tod des Jungen fürchte, möchte aus dem Publikum jemand wissen: "Ich beschäftige mich mit dem Tod, wenn es soweit ist. Jetzt beschäftige mich mit dem Leben", sagt er. Aus dem Leben von Daniel Meyer gebe es für ihn kein Zurück.

(sime)