Künstlerin Claudia Seidensticker leitet Verein Krass

Künstlerin aus Düsseldorf : Ein Karnevalswagen für Kinderrechte

(wber) Claudia Seidensticker hat einen Albtraum erlebt. Einen Urlaub am Meer, der sie fast das Leben gekostet hätte. Und trotzdem kümmert sich die Düsseldorfer Künstlerin intensiv um die Rechte von Kindern.

Das neueste Projekt des von ihr gegründeten Verein Krass: Ein Rosenmontagswagen, gestaltet von Jacques Tilly

Über das dramatische Geschehen im griechischen Küstenort Kineta redet sie nicht mehr gern. „Ich habe immer noch Schlafstörungen. Das Trauma von damals ist nicht überwunden.“ In Kineta war ein Großbrand ausgebrochen. Viele Urlauber flüchteten mit dem Taxi. Die Flammen rückten näher. Auf den Rat ihres Mannes flüchtete sie nicht mit dem Auto, sondern rannte ins Meer, weil sie nur so sicher sein konnte, zu überleben. Mehrere Stunden blieb sie im Wasser. Ihre Sachen verbrannten im Hotel.

„Man muss nach vorn schauen“, sagt die resolute Düsseldorferin. Und so widmet sie sich jetzt mit ganzer Kraft dem Projekt Rosenmontagswagen. „Ich habe von Anfang an Wert darauf gelegt, dass auch Kinder von Geflüchteten im Alter von 12 bis 16 Jahren mitmachen können. Unser Motto heißt ja ,Gemeinsam jeck.’ In Workshops haben wir sie seit Dezember darauf vorbereitet, was Karneval ist. Im Arabischen gibt es ja noch nicht einmal eine Übersetzung für den Begriff. Die Kinder haben begeistert mitgemacht.“

In den letzten Monaten war jeder Sonntagnachmittag im Krass-Atelier in Oberbilk Elefantenohren, Tigertatzen und Giraffenschwänzen gewidmet. Dabei arbeiteten Geflüchtete und Düsseldorfer Hand in Hand. Seidensticker freut sich besonders darüber, „dass sprachliche Barrieren durch Zusammenarbeit überwunden wurden und so das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wurde. Ein wichtiger Beitrag zur Integration.“ 25 Kinder dürfen auf dem Wagen mitfahren. Bunt und laut soll es dabei zugehen. Finanziell unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch die Metro.