Gefängnis-Krimi: Kölner "Tatort" aus der Ulmer Höh'

Gefängnis-Krimi : Kölner "Tatort" aus der Ulmer Höh'

In einem Kölner Gefängnis erleben die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk am Sonntag ihren härtesten Fall – gedreht wurde die Episode mit dem Titel "Franziska", die wegen des Jugendschutzes erst um 22 Uhr gesendet wird, aber in Düsseldorf: im leerstehenden Gefängnis Ulmer Höh' in Derendorf.

In einem Kölner Gefängnis erleben die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk am Sonntag ihren härtesten Fall — gedreht wurde die Episode mit dem Titel "Franziska", die wegen des Jugendschutzes erst um 22 Uhr gesendet wird, aber in Düsseldorf: im leerstehenden Gefängnis Ulmer Höh' in Derendorf.

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, M.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r. mit Holger Handtke) ermitteln im Gefängnis. Gedreht wurde der Film in der Ulmer Höh'. Foto: ARD

Wo noch acht Monate zuvor echte Strafgefangene einsaßen, filmte das "Tatort"-Team im Herbst 2012 den beklemmenden Krimi, in dem die langjährige Assistentin Franziska (Tessa Mittelstaedt) ihren letzten Auftritt hat — und als Bewährungshelferin in die Hände eines Strafgefangenen gerät, der sich durch eine Geiselnahme in Freiheit bringen will.

Für Regisseur Dror Zahavi hatte das alte Düsseldorfer Gefängnis einen großen Einfluss auf den Film. "Es herrschte dort eine sehr merkwürdige Atmosphäre, und wir haben alle das ganz besondere Karma gespürt", erinnert er sich. "Der Fakt, dass bis vor kurzem dort Menschen inhaftiert waren, hat die Stimmung beeinflusst." Der Dreh in der Ulmer Höh' sei "unangenehm, kalt und bedrückend" gewesen. "Aber es hatte vielleicht auch einen Vorteil, weil dadurch die Schauspieler und das Team sich besser in die Situation hineinversetzen konnten."

Auch die Schauspieler Klaus J. Behrendt (Ballauf) und Dietmar Bär (Schenk) fanden die Arbeit in der stillgelegten JVA sehr anstrengend. "Die Drehbedingungen waren extrem unangenehm", erinnert sich Bär. "Die Kälte und die Feuchtigkeit machten uns allen sehr zu schaffen." Klaus J. Behrendt empfand die Atmosphäre als sehr düster. "Wenn du in den Umbauphasen beim Dreh mal in die Zellen gehst und siehst die Kritzeleien an den Wänden — auf Deutsch, Englisch, Russisch ... Da kommt schon eine große Trostlosigkeit rüber." Gedreht wurde der Film im Männerhaus, dem größten und ältesten Bautrakt der JVA, die bis zu 529 Gefangene aufnehmen konnte und nach knapp 100 Jahren von einem Neubau in Ratingen abgelöst wurde.

Die beiden Kommissare stehen diesmal nicht im Mittelpunkt der Handlung: Schauspielerin Tessa Mittelstaedt hatte sich zum Abschied gewünscht, dass ihre Figur Franziska stärker im Fokus steht. Mittelstadt hatte die Rolle vor 13 Jahren als Schauspielschülerin übernommen. Nun erklärte die 39-Jährige ihren Abschied auf eigenen Wunsch. Sie will sich anderen Projekten widmen — unter anderem der Rolle als Staatsanwältin in der ARD-Serie "Heiter bis tödlich — Morden im Norden".

Trotz oder gerade wegen der unangenehmen Atmosphäre in dem leeren Gefängnis fand nicht nur der WDR Gefallen an der Ulmer Höh'; RTL drehte dort im Sommer 2013 sechs Folgen der neuen Serie "Der Knastarzt", die im Frühjahr ausgestrahlt werden sollen. Wie lange die Filmkarriere der leeren JVA noch dauert, ist allerdings ungewiss — sie soll in den kommenden Jahren Wohnungen weichen.

(RP)
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