Bio-Bier aus der Domstadt: Kölner brauen jetzt auch Alt-Bier

Bio-Bier aus der Domstadt : Kölner brauen jetzt auch Alt-Bier

Kölsch wird schon gebraut, Pils auch, zwei Bockbiere und ein Weizen ebenfalls. Irgendwie fehlte da was. Genau: ein Altbier. Und das gibt es jetzt auch "made in Köln".

Anna Heller ist Inhaberin der Brauerei Hellers an der Roonstraße im "Kwartier Latäng" in Köln und wollte einfach mal das Angebot erweitern. Dabei entschied sie sich — gemeinsam mit ihrem Braumeister Gregor Scharek — für ein besonderes Altbier: eines ausschließlich aus biologischen Zutaten. Gerste und Hopfen wurden ohne Pestizide angebaut. "Jetzt haben schon ganz viele Bio-Läden aus der Region angerufen und bestellt — palettenweise sogar." So ist das Kölner Alt schon in Neuss oder Krefeld in einigen Läden zu haben.

Die 28-Jährige hat vor drei Jahren die Brauerei übernommen, die ihr Vater 1991 aufgebaut hat. Von der Rivalität zwischen Düsseldorf und Köln hält sie gar nichts. "Ist doch alles Quatsch und taugt höchstens was für den Fußballplatz." Auf den zieht sie es selbst regelmäßig: Der FC-Köln-Fan hat sogar schon Karten für das Zweitliga-Derby am Sonntag in Düsseldorf. Mit wem sie hingeht? Anna Heller lacht. "Mit einem Düsseldorfer."

Schließlich stammt ihr Vertriebsleiter Harald Schamber aus Düsseldorf, fährt jeden Tag die Route Düsseldorf-Köln zur Arbeit und abends wieder zurück. Er ist Fortuna-Fan mit Dauerkarte für die Arena, Braumeister Schareck übrigens Fan von Borussia Mönchengladbach. In Düsseldorf ist die Kölner Brauhaus-Chefin regelmäßig. "Ist doch echt eine schicke Stadt, ich war letztens noch auf der Königsallee zum Einkaufen. Und zur Kirmes sind wir auch von Köln nach Düsseldorf gefahren."

Dass das Altbier aus Köln kein Angriff auf die Düsseldorfer Brauhäuser ist, versteht sich von selbst. "Das Alt soll eine Alternative zu den bereits bestehenden Altbieren sein", so Heller.

Die Reaktion in der Landeshauptstadt ist entspannt und humorvoll. Peter König aus der Füchschen-Brauerei: "Der Kölner kauft ja lieber ein Kölsch, bevor er sich ein Alt schenken lässt." Und Michael Schnitzler aus der Uerige-Brauerei erinnert sich: "Vor 15 Jahren haben wir auch mal versucht, Kölsch zu brauen. Das wollte aber keiner trinken." Für Nina-Thea Ungermann aus der Brauerei Schumacher ist die Lage klar: "Kölsch gehört nach Köln und Altbier nach Düsseldorf. Jede Stadt sollte ihre Markenzeichen pflegen."

Ausgeschenkt wird das Kölner Altbier in der Halbliter-Flasche mit Bügelverschluss. Die Brauerei-Chefin hat zunächst 5600 Liter von dem obergärigen Altbier (Alkoholgehalt 4,7 %, Stammwürze 11,7%) brauen lassen. Wenn diese Menge verkauft ist, wird weiter gebraut. Heller: "Die Nachfrage entscheidet."

Anke Kronemeyer

(RP)
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