Radsport: Köln-Düsseldorfer Gemeinschaftswerk

Radsport : Köln-Düsseldorfer Gemeinschaftswerk

Fahrradfahren macht nicht immer Spaß. Radeln kann auch sehr weh tun, sagt Philipp Hympendahl. Der Düsseldorfer Fotograf hat zusammen mit dem Kölner Texter Tim Farin einen Bildband herausgebracht, der durch zahlreiche Fotos und Texte die Vielseitigkeit des Radsports zeigt. "Beyond the finish Line" heißt das Werk.

Fahrradfahren macht nicht immer Spaß. Radeln kann auch sehr weh tun, sagt Philipp Hympendahl. Der Düsseldorfer Fotograf hat zusammen mit dem Kölner Texter Tim Farin einen Bildband herausgebracht, der durch zahlreiche Fotos und Texte die Vielseitigkeit des Radsports zeigt. "Beyond the finish Line" heißt das Werk.

In Belgien etwa fotografierte Hympendahl den Radsportler Tom Boonen, wie er bei der Paris-Roubaix-Tour über Kopfsteinpflaster holpert. Das sei eines der Lieblingsbilder von Tim Farin. "Wer bei solchen Touren auf dem Rad sitzt, merkt das Leben erst durch Schmerz", sagt er, der selbst oft im Sattel sitzt. Er hat zu Hympendahls Fotos die Beiträge geschrieben. Kennengelernt haben sich Hympendahl und Farin bei der Arbeit für das Radsportfachblatt "Tour Magazin" und wurden durch den Radsport Freunde. Für das Buch nun holten sie den Grafiker Marcus Weyerke in ihr kleines Team. Eines der Fotos im Buch zeigt Ex-Radrennsuperstar Jan Ullrich. Für einen Auftrag wollte Hympendahl den Sportler 2006 beim Training in Italien fotografieren - aber der Sportler lehnte einen Fototermin rigoros ab. So legte sich Hympendahl auf die Lauer und fotografierte Jan Ullrich schließlich aus dem fahrenden Auto heraus bei einer Tour. Erst viel später verstand der Düsseldorfer die Wut des Radlers. "Er war zu dieser Zeit ja über beide Ohren mit Doping-Mitteln vollgepumpt", sagt Hympendahl. Trotz des damaligen Doping-Skandals bewundert er den Ex-Radrennprofi. "Er ist ein feiner Kerl und ist das größte Radsport-Talent gewesen", sagt er und überlegt, Ullrich eines seiner Bücher als Geste der Freundschaft zu schicken.

Große Bewunderung hingegen erntet Philipp Hympendahl von seinem Freund und Texter Tim Farin. "Philipp hat großartige Bilder für das Buch geschaffen", sagt er. "Die Fotos sind nicht ausschließlich für Radsportler wie uns interessant, sondern für jeden, der sich für gute Fotografie interessiert." Einfach hat es sich Hympendahl bei der Arbeit nicht gemacht. Statt mit modernen Digitalkameras zu arbeiten, griff er oft zu seiner 20 Jahren alten Rollfilmkamera, die eigentlich nur für unbewegliche Objekte und Landschaften eingesetzt wird - beim schnellen Radsport eine Herausforderung, die Hympendahl absichtlich auf sich genommen hat. Als Ort der Buchpremiere hat sich das Trio das Radcafé "Schicke Mütze" ausgesucht. Mit-Inhaber Carsten Wien ist begeistert von "Beyond the finish Line". "Das Buch vereint die Gegensätze des schnellen Radsports und die langsame Fotografie wie auch Düsseldorf und Köln", sagt Wien.

Holger Lodahl

(RP)
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