Karneval 2019 in Düsseldorf: Hoppeditz Tom Bauer über Humor und seine Rede

Interview mit dem Düsseldorfer Hoppeditz Tom Bauer : „Ich habe noch nicht die perfekte Rede gehalten“

Am Montag schlüpft Tom Bauer zum 13. Mal in die Rolle des Hoppeditz. Vorab hat er uns erzählt, welche Themen in seiner diesjährigen Rede vorkommen werden, wo Humor seine Grenzen hat und ob er bereits ans Aufhören denkt.

Durch Zufall wurde Tom Bauer vor 13 Jahren vom damaligen CC-Präsidenten Engelbert Oxenfort bei einer Satire-Show auf der Rheinkirmes entdeckt. Dieser wusste damals noch gar nicht, was ein „Hoppeditz“ überhaupt ist. Doch in der Zwischenzeit hat sich der 47-Jährige in dieser Rolle zu einer Institution im Düsseldorfer Karneval entwickelt. Am Montag kommt sein großer Auftritt beim Hoppeditz-Erwachen. Doch er mischt auch noch an anderer Stelle im Karneval mit: als Kreateur des Prinzenpaarweines, den er mit dem Winzer Peter Michael vertreibt.

Trinken Sie privat lieber Wein oder Altbier?

Tom Bauer Privat trinke ich tatsächlich nur Wein, das liegt aber daran, dass ich eine Altbierunverträglichkeit habe. Das ist natürlich sehr schade, weil ich geschmacklich das Bier unserer Hausbrauereien wirklich sehr schätze. Aber am 11.11. werde ich natürlich trotzdem ein oder zwei Alt trinken.

Ein gutes Stichwort: Inwieweit steht eigentlich schon Ihre Rede, die Sie am Montag halten werden?

Bauer Die Themen habe ich mit meinem Redenschreiber Jürgen Hilgers bereits abgesprochen, aber die finale Rede wird erst am Wochenende stehen. Wir haben auch schon mal montags noch um sieben Uhr an der Rede gearbeitet. Das wird also eine punktgenaue Landung. Aber ich bin da entspannt, weil ich weiß, dass das Ergebnis gut wird.

Können Sie schon ein paar Themen verraten, um die es gehen wird?

Bauer Natürlich wird es um die Umweltspur gehen (lacht). Da sind wir auch dankbar, dass wir in den vergangenen Tagen noch so viel Input bekommen haben, zum Beispiel durch die Frage, ob denn auch ein Toter als Mitfahrer gilt. Wobei das Thema auch schwierig ist, weil man schnell das Gefühl bekommt, Düsseldorf hätte aktuell nur ein Problem. Wir wollen uns auch nicht dem Mainstream unterwerfen und da draufhauen, wo ohnehin schon jeder draufhaut, sondern das Ganze auch hintergründig beleuchten. Da kann es auch mal passieren, dass es jemanden trifft, der aktuell noch gar nicht damit rechnet. Weitere Themen werden der Klimaschutz und auch Fortuna Düsseldorf sein.

Es gehört zu Ihrer Rolle, anderen auf die Füße zu treten. War Ihnen schon einmal jemand nachtragend?

Bauer Ich bin, glaube ich, noch niemandem ernsthaft auf die Füße getreten, denn der Hoppeditz hat eine klare Aufgabe als Vertreter des Volks gegen die Obrigkeit. Wir haben dabei durchaus schon einmal etwas angestupst, zum Beispiel als sich Dirk Elbers seine Zufahrt mit einem Dach bis zum Auto hat zubauen lassen, was danach Wellen geschlagen hat. Aber ich verstehe mich nach wie vor mit Dirk Elbers sehr gut und ich verstehe mich auch mit Thomas Geisel sehr gut.

Gibt es Themen, die Sie aus Sorge vor den Reaktionen lieber aussparen?

Bauer Entweder nimmt man die Rolle ernst oder nicht. Wir machen uns Gedanken darüber, ob ein Thema dem Zweck gerecht wird, aber wir würden nichts aussparen. Es bleibt aber der Düsseldorfer Hoppeditz, also eine regionale Figur. Das heißt, wir müssen manche überregionale Themen nicht ansprechen, weil sie einfach nicht zu Düsseldorf gehören. Es gibt auch Fälle, in denen wir sagen, das gehört nicht hier rein, weil wir nicht genügend Zeit haben, um es allumfassend zu beleuchten. Wenn du einen Gag raushaust und danach noch 20 Pressekonferenzen brauchst, um zu erklären, warum du das getan hast, dann ist das für die Hoppeditz-Rede falsch. Aber wir bremsen beispielsweise nicht vor Themen wie Kirche oder Sexualitäten. Jedoch immer in Maßen und mit Respekt davor, dass es andersdenkende Menschen gibt.

Sie treten zum 13. Mal als Hoppeditz auf, länger als jeder ihrer Vorgänger. Macht Sie das stolz?

Bauer Stolz ist ein großes Wort, mit dem ich mich schwer identifizieren kann. Da war sicher auch Glück dabei, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Es macht mich aber glücklich, dass man mich so lange hören wollte und immer noch hören will.

Denken Sie hin und wieder ans Aufhören oder ist das noch kein Thema für Sie?

Bauer Im Moment habe ich das Ende nicht vor Augen. Ich habe bis heute noch nicht die perfekte Rede für mich gehalten. Ich möchte, bevor ich aufhöre, aus dem Senftöpfchen gehen und sagen: ‚Besser als heute hätte ich die Aufgabe nicht bewältigen können‘. Da bin ich noch nicht, weil ich sehr selbstkritisch bin, in dem, was ich tue. Aber letztendlich bin ich nicht der Einzige, der das entscheidet. Vom Alter will ich das aber nicht abhängig machen. Ich denke, ich bin noch ein ganz fideles Kerlchen, auch wenn das meine Visagistin mitunter etwas anders sieht (lacht).

Daniel Schrader

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