Buchpräsentation: Ingrid Steeger: "Prügeln war bei uns an der Tagesordnung"

Buchpräsentation : Ingrid Steeger: "Prügeln war bei uns an der Tagesordnung"

Ingrid Steegers Finger zittern. Von unten schaut die wahnsinnig kleine Frau über das viel zu große Mikrofon auf ihr Publikum in der Mayerschen Droste Buchhandlung an der Kö.

Ingrid Steegers Finger zittern. Von unten schaut die wahnsinnig kleine Frau über das viel zu große Mikrofon auf ihr Publikum in der Mayerschen Droste Buchhandlung an der Kö.

Die Augen weit aufgerissen, die Mütze tief in die Stirn gezogen, ganz in schwarz. Yorkshire-Terrier "Eliza Doolittle" sitzt an ihrer Seite, er kennt das schon.

So erschien die Schauspielerin zu ihrer Lesung. Dort präsentierte die Berlinerin, die heute in München lebt, gemeinsam mit der Moderatorin des Abends, Anke Kronemeyer, ihre Autobiografie: "Und find es wunderbar — mein Leben". Dass sich die 66-Jährige wieder so strahlend auf einer Bühne präsentiert, war lange nicht selbstverständlich. Über Jahre litt die Schauspielerin an Depressionen, hatte Angstzustände und stand kurz vor dem Ruin. Doch nun gehe es ihr wieder gut.

"Das habe ich zu einem großen Teil meinen Publikum zu verdanken", sagte sie in die doch überschaubare Runde. Nach ihrem Abrutschen in Hartz IV, die von der Öffentlichkeit begleitet wurde, habe sie sich mit ihrer Situation auseinandersetzen müssen. "Das hat mich wachgerüttelt", sagte sie. Und so habe sie dann diese trüben Tage hinter sich gelassen. Ihre Schulden seien beglichen. "Freunden habe ich das Geld zwar nicht zurückbezahlt, doch dafür gehöre ich ihnen nun halb", sagte die Schauspielerin, die zurzeit mit dem Stück "Der Kurschattenmann" von René Heinersdorff im Theater an der Kö auf der Bühne steht.

So saßen auch ihre Kollegen Volker Brandt und Simone Rethel versteckt im Publikum und lauschten den zum Teil erschreckenden Ausführungen ihrer Kollegin. Die Steeger hat tatsächlich viel mitgemacht. Ihr Drama fing schon zu Kindheitstagen an, wie sie in ihrem Buch schreibt. "Bei uns zu Hause war Prügeln an der Tagesordnung", berichtete Steeger. Und so ging es weiter: "Ich bin mehrfach vergewaltigt worden", erzählte sie gestern nüchtern. "Mein Leben steckt in diesem Buch. Das hilft mir, alles zu verarbeiten."

(cwo)