Porträt Tom Bauer: In 1x11 Tagen erwacht der Hoppeditz

Porträt Tom Bauer : In 1x11 Tagen erwacht der Hoppeditz

Ob er seine Rede schon fertig hat? Keine Antwort. Was denn drin steht? Keine Antwort. Tom Bauer ist verschwiegen. Seit 2007 ist der Immobilienmakler der Hoppeditz der Stadt Düsseldorf und stellt damit eine Figur dar, die bundesweit einmalig ist. Vorher über seine Rede sprechen will er aber nicht so richtig.

Ob er seine Rede schon fertig hat? Keine Antwort. Was denn drin steht? Keine Antwort. Tom Bauer ist verschwiegen. Seit 2007 ist der Immobilienmakler der Hoppeditz der Stadt Düsseldorf und stellt damit eine Figur dar, die bundesweit einmalig ist. Vorher über seine Rede sprechen will er aber nicht so richtig.

Der Hoppeditz am Hoppeditz: Tom Bauer freut sich auf seinen Einsatz am Montag, 11.11. um 11.11 Uhr. Foto: Bernd Schaller

Fest steht nur: Am Montag, 11.11. um 11.11 Uhr wird er wieder aus dem Senftopf springen und "Helau Düsseldorf" rufen. Rund 15 Minuten dauert seine pointierte Rede, die vieles aufspießen wird, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Vermutlich geht es um städtische Finanzen, ums Nichtrauchen, um den Veggie-Day, um einen Tunnel, den keiner benutzt, mit Sicherheit auch um die Abhöraffäre. "Ob unser OB auch abgehört wird? Ob das jemanden interessiert, was der da spricht?" Bauer, 42 Jahre alt und mit seiner Frau Beate seit elf Jahren verheiratet, hat die Spitzen schon parat. Er darf das: Denn der Hoppeditz hat Narrenfreiheit, soll der Obrigkeit den Spiegel vorhalten. "Dann darf das Volk genau darüber lachen."

Aber eines verrät er dann doch: dass er einen sogenannten Ghostwriter hat, einen, der ihm beim Redenschreiben hilft. Das war zweimal Mundart-Baas Mario Tranti, einmal der Kabarettist Frank Küster, dann drei Jahre lang Günther Vogel aus Ratingen. "Ein absoluter Reim-Experte." Wer in diesem Jahr schreibt und reimt: keine Antwort. "Wir arbeiten natürlich auch zusammen", so Tom Bauer. Einige Tage vor dem Hoppeditz-Erwachen erhält dann auch OB Dirk Elbers die Rede, damit er seine Gegenrede vorbereiten kann. Das maßgeschneiderte Ornat hängt zumindest schon bereit beim Hoppeditz in dessen Wohnung in Grafenberg. Jacke, Hose, Mütze, Strumpfhose und die rot-weißen Turnschuhe. Zum Glück hat er seine Figur gehalten — "es muss also nicht zum Schneider." Bauer macht viel Sport: Handball, Tennis und im Winter natürlich Skilauf. Er wurde zwar in Meerbusch geboren, sein Vater aber stammt aus Kaprun in Österreich. "Da stand ich mit vier Jahren schon auf den Skiern."

Hatte Bauer, seit vielen Jahren Mitglied der Schützengesellschaft Reserve, vor seinem Engagement keine Berührung mit dem Karneval, ist er jetzt im Winterbrauchtum angekommen: Er ist Mitglied in der Rheinischen Garde Blau-Weiß, in der KG Regenbogen, im AVDK und bald auch in der Großen Karnevalsgesellschaft. Außerdem sitzt er in der Jury zum Tuntenlauf, der Karnevalssamstag in der Nachtresidenz stattfindet. Dann trägt er ausnahmsweise auch sein Hoppeditz-Ornat, was — außer an Rosenmontag — im Schrank hängt und auf den Einsatz am 11.11. wartet. Also jetzt noch elfmal schlafen....

Anke Kronemeyer

(RP)
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