Musical: Im Capitol geht es bald frivol zu

Musical : Im Capitol geht es bald frivol zu

Man kann viel Schlechtes über das Buch "Shades of Grey" sagen, und wahrscheinlich stimmt auch alles. Trivialliteratur, schlechter Stil, "Mommy Porn" nannten Rezensenten abschätzig das Genre, und doch muss es ja einen Grund geben, warum die Romanreihe mit mehr als 70 Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten Titeln der vergangenen Jahre zählt. Es gilt das Wort der israelischen Kultursoziologin Eva Illouz: "Lasst uns das Vergnügen ernst nehmen, das Menschen bei der Lektüre empfinden."

Man kann viel Schlechtes über das Buch "Shades of Grey" sagen, und wahrscheinlich stimmt auch alles. Trivialliteratur, schlechter Stil, "Mommy Porn" nannten Rezensenten abschätzig das Genre, und doch muss es ja einen Grund geben, warum die Romanreihe mit mehr als 70 Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten Titeln der vergangenen Jahre zählt. Es gilt das Wort der israelischen Kultursoziologin Eva Illouz: "Lasst uns das Vergnügen ernst nehmen, das Menschen bei der Lektüre empfinden."

Eine kluge Adaption des Buches sollte sich also Gedanken über das Phänomen machen, gerne kann es auch unterhaltsam, schlüpfrig werden. "50 Shades", die Musical-Parodie auf "Shades of Grey", versucht genau das; ohne allzu viele und vor allem: billige Spitzen gegen die Leserschaft des Romans auszuteilen, was wohl ein bisschen daran liegen mag, dass diese auch die Musical-Karten kaufen soll.

Das Stück, das vom 13. Februar an im Düsseldorfer Capitol Theater zu sehen sein wird, erzählt nicht die Geschichte des Buches, es spielt mit dem Thema und macht sich lustig. Über Frauen, Männer und das, was die so miteinander tun, wenn sie alleine sind. Über die Naivität der Jungen und die Abgeklärtheit der Alten. Mit großem Erfolg ist das Musical in den Vereinigten Staaten gelaufen, Gerburg Jahnke, die man als ein Teil des Frauenkabarettduos "Missfits" kennt, hat es adaptiert und führt Regie. Gestern gab das Ensemble einen Einblick in die Proben.

Es geht um drei Frauen, die ein wenig wie die Hausfrauen-Ausgaben der "Sex and the City"-Figuren wirken: Die vernachlässigte Sabine (Sabine Urig), die verklemmte Susanne (Kira Primke) und die versexte Jutta (Ines Martinez) treffen sich regelmäßig zu einem Buchclub und tauchen nun in die Welt der naiven Studentin Ana ein, die jungfräuliche Sehnsucht nach der großen Liebe verspürt, wobei ihre Freundin wohl der Meinung ist, dass sie sich endlich mal einen Mann nehmen sollte — Liebe hin oder her. Zwischendurch gibt es Tanz, Gesang und viele Dialoge, ein Stück, um es sich mit der besten Freundin anzusehen vielleicht. Männer traten zumindest in der öffentlichen Probe nur als tanzende Waschbrettbäuche auf, die an der Leine geführt werden oder an der Leine führen.

Natürlich lässt sich nach 20 Minuten Proben noch kein abschließendes Urteil fällen, aber zumindest gelingt es dem Ensemble zu unterhalten, durchaus derbe geht es zu, was aber auch naheliegt angesichts der zu beantwortetenden Frage, warum wir alle nur so wuschig sind. Das Problem des Musicals wird sein, ob es gelingt auch die Menschen ins Theater zu locken, die das Buch dämlich finden. Dabei hätten gerade diese Menschen wohl den meisten Spaß. Torsten Thissen

(RP)