Gregor Gysi plaudert in Düsseldorf über seine sechs Leben

Talk im Düsseldorfer Restaurant Feinstil : Gregor Gysi plaudert über seine sechs Leben

Gregor Gysi ist bekannt für seinen Humor und seine Schlagfertigkeit. Beide Eigenschaften stellte er bei einem Talk im Restaurant Feinstil unter Beweis.

Gregor Gysi war der jüngste Rechtsanwalt in der DDR. „Jetzt nicht mehr“, ulkte der inzwischen 71-Jährige im Restaurant Feinstil. Damit war der rote Faden des Talk-Abends mit Wohnzimmeratmosphäre zwischen Hans-Dieter Schütt und dem wohl bekanntesten deutschen Linken-Politiker gesponnen. In wohl unnachahmlicher Art, eloquent, humorvoll, selbstbewusst, sich aber doch nicht zu ernst nehmend, meinungsstark und mit enormem Wissen ausgestattet beantwortete der langjährige Oppositionsführer im Bundestag alle Fragen, ohne wie sonst politikerüblich viel zu reden und nichts zu sagen.

Und ein gewisser Stolz auf das Erreichte kam auch durch. „Hätte ich Anfang des Jahrtausends gedacht, dass irgendwann mit Zustimmung der CDU ein Mindestlohn eingeführt würde, hätte ich mich freiwillig in die geschlossene Anstalt der Psychiatrie eingewiesen“, meinte Gysi. Dabei hielt er sich und der Linken zu Gute, den Zeitgeist im Laufe der Jahre so verändert zu haben, dass die Zeit für den Mindestlohn einfach reif war.

Der gebürtige Berliner ist viel mehr als ein cleverer Kopf mit vorgefertigten semi-sozialistischen Plattitüden. Im Laufe seines Lebens hat er sich und seine Einstellungen mehrfach gründlich durchdacht und hinterfragt. Dabei kamen alle Erfahrungen aus seinen bisherigen sechs Leben (1. Kindheit, Jugend, 2. Studium, 3. Anwalt, 4. Wendezeit, 5. angefeindeter Bürger in der BRD, 6. von einer Mehrheit akzeptiert) zusammen. „Mein siebtes Leben steht noch bevor, das ist das Alter“, so Gysi. „Ich rufe an, wenn es soweit ist.“

Aus jedem seiner Leben gab es Anekdoten, Familiäres auch Ernsthaftes und jede Menge Einblicke in die jüngere deutsche Geschichte. „Gregor Gysi war zum zweiten Mal bei uns“, verriet Nina Watzenberg von der Feinstil GmbH. „Seit März vergangenen Jahres habe ich gebaggert, dass er wiederkommt“, so Watzenberg.

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