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Mirja Boes: Fürs Theater langsames Sprechen gelernt

Mirja Boes : Fürs Theater langsames Sprechen gelernt

Schauspieler könnten ein Publikum schneller zum Weinen bringen als zum Lachen, behauptet Mirja Boes. Und hat dafür ihre eigene Theorie: "Die Tränen kullern oben. Das Lachen aber muss aus dem Zwerchfell herausgekitzelt werden, und das sitzt ganz tief unten. Also muss jeder Witz erstmal seinen Weg an der Seele vorbei nehmen." Sie kichert in sich hinein. "Klingt ein bisschen verrückt. Aber ich glaube daran." Wenn das stimmt, vollbringt die Komödiantin wahre Wunder.

Schauspieler könnten ein Publikum schneller zum Weinen bringen als zum Lachen, behauptet Mirja Boes. Und hat dafür ihre eigene Theorie: "Die Tränen kullern oben. Das Lachen aber muss aus dem Zwerchfell herausgekitzelt werden, und das sitzt ganz tief unten. Also muss jeder Witz erstmal seinen Weg an der Seele vorbei nehmen." Sie kichert in sich hinein. "Klingt ein bisschen verrückt. Aber ich glaube daran." Wenn das stimmt, vollbringt die Komödiantin wahre Wunder.

Wo immer sie auftritt, ob bei ihren eigenen und anderen Shows im Fernsehen oder auf Tour mit ihren Solo-Programmen — bei Mirja Boes wird die Lachgarantie automatisch mitgeliefert. Dass die quirlige Zweifach-Mama auch die leiseren Töne beherrscht, beweist sie derzeit auf der Bühne der "Komödie" an der Steinstraße im heiter-besinnlichen Stück "Doppelfehler" des australischen Autors Barry Creyton. Ihr erstes Theater-Engagement und gleich eine Riesenherausforderung. Sie und ihr Kollege Jörg Schüttauf müssen die verzwickte Beziehungsgeschichte eines geschiedenen Paares ganz alleine stemmen. "Eine völlig neue Erfahrung, die anfangs von Ängsten begleitet wurde", erzählt Mirja Boes. "Wie würde das werden, wenn ich nicht wie üblich improvisieren kann, weil die präzisen Dialoge sonst nicht funktionieren? Doch alles lief glatt. Und jetzt ist es ganz toll."

Was hat sie dabei gelernt? "Langsames Sprechen vor allem. Das war ein schmerzhafter Prozess! Und eine bestimmte Art von Disziplin. Ich bin von Natur aus hysterisch pünktlich, mich muss keiner in letzter Minute aus der Garderobe fischen. Aber dieses akribische Arbeiten über Monate war erst ungewohnt für mich." Der frühere Komödien-Intendant und jetzige Regisseur Helmuth Fuschl hatte ihr Mut dazu gemacht. "Er wollte mich schon lange haben, zwei Mal kam ein Kind dazwischen. Jetzt habe ich endlich einen Fuß in der Tür dieses Theaters. Und ich gedenke nicht, den so bald wieder herauszuziehen." Dankbar für das entspannte Klima, hat sie ein Ritual entwickelt: "Ich bewerfe Jörg Schüttauf jeden Abend mit einem Glückskeks." Mirja Boes wird in diesem Jahr noch eine weitere neue Erfahrung machen. "Ich habe gerade ein Album aufgenommen und gehe erstmals mit einer sechsköpfigen Band auf Tour", berichtet sie. "Das Leben ist kein Ponyschlecken" heißen Platte und Programm, die von ihr und einem Ko-Autor verfassten Texte nennt sie "Frauenlieder".

Unbekanntes Terrain konnte sie noch nie einschüchtern, Lampenfieber kennt sie kaum. "Mittlerweile bin ich abgebrüht. Jedem Menschen zu gefallen und allen Erwartungen zu genügen, das schafft sowieso keiner. Ich bin auch nicht andauernd witzig. Aber immer fröhlich."

Wie keine andere hält die 1971 in Viersen geborene Schauspielerin und Musikerin ihr Privatleben unter Verschluss. Selbst den Namen ihres Mannes gibt sie öffentlich nicht preis. Nur dass sich der Papi um die Söhne Michel (3) und Matti (1) kümmert, wenn sie abends von Köln nach Düsseldorf braust. "Ich wollte unbedingt beides, Familie und Beruf. Klar habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen", gibt sie zu. "Aber sobald ich Bühnenluft schnuppere, ist es weg."

Das Stück "Der Doppelfehler" wird noch bis zum Monatsende an der Steinstraße gespielt. Danach geht es prominent weiter, wenn neben anderenSchauspielerinnen Marijke Amado, Andrea Spatzek und Antje Lewald vom 7. Mai bis zum 22. Juni als "Kalendergirls" auf der Bühne stehen. Regina Goldlücke

(RP)