Eine intelligente Kostümprobe mit Michael Szentei-Heise

Toleranzwagen : Eine intelligente Kostümprobe mit Michael Szentei-Heise

Michael Szentei-Heise hat ein großes und bedeutsames Projekt vor der Brust. Und dazu sucht er das ultimative Kostüm.

Dieser Rosenmontag wird ein besonderer: Zum ersten Mal wird ein gemeinsamer Wagen verschiedener Religionen über die Straße fahren. Juden, Protestanten, Katholiken und Muslime sind auf dem „Toleranz-Wagen!“.

Das große Mastermind dahinter ist Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde. Unsere Redaktion begleitete ihn exklusiv bei seiner Suche nach dem passenden Kostüm und erfuhr am Mittwoch Spannendes.

Mit der lilafarbenen Plüsch-Krake liebäugelte er deshalb, „weil sie warm hält, schließlich soll es Montag etwas frischer werden, und auch ein wenig den Prozess hin zum Toleranzwagen charakterisiert“. Er sei – im positiven Sinne – wie eine Krake auf Stimmenfang gegangen, um auch andere von dem historisch bedeutsamen Vorhaben zu überzeugen.

Auch an der lila Plüsch-Krake fand er Gefallen. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Das Kochkostüm fiel zunächst auch in die engere Wahl. „Ich bin Hobbykoch und bereite am liebsten Meeresfrüchte zu wie die kleinere Variante der Krake, den Tintenfisch.“

Die Kostümprobe ließ auch Zeit zum Erinnern: Ein Foto aus Kindertagen, da war der heute 64-Jährige drei Jahre alt, zeige ihn im Arztkostüm, das war in Ungarn, wo er geboren wurde und Fasching auch ein wichtiges Fest war. Seit 54 Jahren lebt er im Rheinland und schätzt dieses Brauchtum. „Es gab Jahre, in denen ich von Altweiber bis Veilchendienstag nur sechs Stunden geschlafen habe“, sagt er lächelnd.

Als Swat-Polizist ging er schon, als Dominikaner-Pater, Häftling. Dieses Jahr wird er wahrscheinlich im Weihnachtsmann-Kostüm auftreten. Auch hier: „Es ist wärmend, aber auch anarchistisch, schließlich war der Nikolaus auch mal Bischof in der Türkei, und das Kostüm ist eigentlich herrlich unpassend für unsere Jahreszeit und den Karneval.“

Dieser Gedanke macht ihm Freude. Ein großer Auftritt liegt vor ihm, im Moment überwiegt noch das Lampenfieber. „Ich sehe uns aber schon alle im Uerige sitzen, ein Bier trinken und höre uns sagen: Es war alles richtig gut.“