Tv-Kritik : Ein Nagellack tut's auch

Wunderbar, diese Kö-Klischees, und natürlich ist es mit ihnen wie mit allen Klischees: Ein bisschen was ist immer dran. Die Kö ist Traumfabrik, haucht mit all ihrem Flair Versprechungen der großen Welt und des Wohllebens. "Hier lässt man sich das Selbstbewusstsein etwas kosten", doziert eine TV-Sendung in den sechziger Jahren, und dazu passt, dass die aktuelle WDR-Doku über die Königsallee gleich zu Beginn die beiden Mode-Bloggerinnen Constance Simon und Katharina Bansemer die Sehnsüchte junger Fashion-Victims zelebrieren lässt.

Wunderbar, diese Kö-Klischees, und natürlich ist es mit ihnen wie mit allen Klischees: Ein bisschen was ist immer dran. Die Kö ist Traumfabrik, haucht mit all ihrem Flair Versprechungen der großen Welt und des Wohllebens. "Hier lässt man sich das Selbstbewusstsein etwas kosten", doziert eine TV-Sendung in den sechziger Jahren, und dazu passt, dass die aktuelle WDR-Doku über die Königsallee gleich zu Beginn die beiden Mode-Bloggerinnen Constance Simon und Katharina Bansemer die Sehnsüchte junger Fashion-Victims zelebrieren lässt.

Die beiden Studentinnen laufen durch das Kaufhaus Breuninger und disziplinieren ihre Konsumlust am Ende aufs Taschengeldformat: "Ein Nagellack tut's auch, dann hat man auch ein bisschen Luxus." Da halten sie es wie Tausende andere Düsseldorfer auch, für die die Kö eine Einladung zur schönen Schaufenstertour ist.

Wer gerne Stadtszenen aus dem vergangenen Jahrhundert mag, sollte die Dokumentation in der Mediathek des Senders unbedingt anschauen, denn die Filmemacher haben vor allem hervorragende Arbeit im Archiv geleistet und blenden alte und aktuelle Filmaufnahmen immer wieder übereinander. Das ist sehr schön anzusehen. Die Kö in den zwanziger Jahren, als es dort schon 130 Geschäfte gab, hatte wunderschöne Altbauten, viel davon ist im Bombenkrieg untergegangen.

Der Seele der Straße spüren Hermann Franzen, der auf der Kö groß wurde, ebenso nach wie Monika Gottlieb, Frank Schnitzler und Dieter Blome. Und gut ist, dass Hildegard Jakobs von der Mahn- und Gedenkstätte auch der Nazi-Opfer Tietz (zum Kaufhof arisiert) und Hulda Hornstein, an die ein Stolperstein erinnert, gedenkt.

Unter dem Strich bleibt ein Kritikpunkt an der Sendung: Die Lust aufs Schwelgen in Erinnerung an Eickhoffs Champagner-Pyramide und Modenschauen ist wie der Titel "Champs-Élysées vom Rhein" ein Tick Kö-Seligkeit zu viel. Aktuelle Entwicklungen der Straße blendet der Film bis auf den Hinweis auf die Filialisierung aus. Noch immer ist bei ihm die Westseite der Königsallee die Banken-Seite, wo dort doch auch inzwischen der Handel marschiert (beispielsweise mit Hermès, Versace) und Banken Rückszugspläne schmieden.

Und ein Seitenblick auf Anlagebetrüger und andere Hallodris mit Kö-Adresse hätten der Doku ebenfalls gut getan.

(ujr)