Porträt: Ein Karnevalspräsident fährt den Messechef

Porträt : Ein Karnevalspräsident fährt den Messechef

Wenn Düsseldorfs Messechef Werner Dornscheidt in seinem Mercedes zum nächsten Termin kutschiert wird, dann kann er sich so sicher fühlen, wie wohl nur ganz wenige Menschen in der Stadt. Nein, der Wagen hat keine gepanzerten Scheiben, und er ist auch nicht kugelsicher. Was die Fahrt so sicher macht, ist der Fahrer. Denn der hat ein solches Bündel an außergewöhnlichen Qualifikationen, dass einem schwindelig werden kann.

Wenn Düsseldorfs Messechef Werner Dornscheidt in seinem Mercedes zum nächsten Termin kutschiert wird, dann kann er sich so sicher fühlen, wie wohl nur ganz wenige Menschen in der Stadt. Nein, der Wagen hat keine gepanzerten Scheiben, und er ist auch nicht kugelsicher. Was die Fahrt so sicher macht, ist der Fahrer. Denn der hat ein solches Bündel an außergewöhnlichen Qualifikationen, dass einem schwindelig werden kann.

Als Dornscheidt (vorne) zum Geburtstag ein indisches "Tuk-Tuk" geschenkt wurde, tauschten beide ihre Rollen, Wendler nahm auf der Rückbank Platz. Foto: priv

Frank Wendler heißt der Mann, der seit 2008 Dornscheidts Wagen steuert. Bevor er Fahrer wurde, arbeitete er in der Sicherheitszentrale der Düsseldorfer Messe. Und davor war er Berufsfeuerwehrmann. Wenn es also brennt, ist mit dem Wendler der richtige Mann direkt vor Ort. Noch heute ist er als Hauptbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr in Mönchengladbach aktiv, ist Träger des silbernen Feuerwehrehrenzeichens. Und wenn ein tätlicher Angriff droht? Auch kein Problem für Herrn Wendler. "Ich betreibe seit 30 Jahren den asiatischen Kampfsport Ju-Jutsu", sagt der Chef-Chauffeur.

Doch braucht ein Messechef diese Sicherheitsstufe? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist Frank Wendler wohl der bestgeeignete Mann auf dem Fahrersessel des Dienst-Benz. Denn in das im Rheinland so wichtigen Brauchtum ist Wendler fest involviert. Und zwar gleich doppelt. Zum einen ist der Dornscheidt-Chauffeur natürlich Schütze. Und wenn in seinem Heimatort Gladbach Schützenfest ist? "Dann hab ich natürlich frei", sagt Frank Wendler. Sein Chef habe volles Verständnis. "Dann fährt Herr Dornscheidt selbst. Denn Brauchtum ist auch ihm wichtig." Das gilt im Übrigen noch viel mehr für das Winterbrauchtum. Denn darin hat Wendler den wohl herausragendsten Posten in seiner langen Freizeit-Ämter-Liste: Er ist Sitzungspräsident der Gladbacher Prinzengarde. Ein normaler Tag: "Um 6.30 Uhr stehe ich mit dem Wagen bei Herrn Dornscheidt vor der Tür, wir sind beide Frühaufsteher", sagt Wendler. Spätestens um halb acht sind dann beide in ihrem Büro. Dornscheidts ist im obersten Stock des Messeturms, Wendlers gleich neben dem Eingang. Es ist gespickt mit Fotos von Menschen, die mal in seinem Wagen sitzen. Und wenn der Messechef Termine hat, dann heißt es für Wendler warten. Ein Problem? "Keineswegs, das ist ein guter Moment, sich zum Beispiel um die anderen Fahrer unserer Kunden im Gelände zu kümmern", sagt Wendler. Der Junggeselle kennt seine Kollegen alle. Und natürlich seinen Chef. "Irgendwie sind wir wie ein altes Ehepaar. Schließlich sehe ich ihn manchmal öfter als seine Frau, und ich merke gleich, wie seine Stimmung ist. Aber die ist fast immer gut", sagt Wendler, der wohl vielseitigste Chauffeur von ganz Düsseldorf. Thorsten Breitkopf

(RP)
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