Düsseldorfer Schauspielhaus: Eine Spurensuche zum Thema Heimat

Inszenierung am Düsseldorfer Schauspielhaus : Theaterpaar mit ganz persönlicher Premiere

Die Schauspieler Hanna Werth und Philipp Alfons Heitmann versuchen in ihrer Aufführung im Schauspielhaus das Thema Heimat zu ergründen – im Positiven und Negativen.

Wenn man jung ist, will man weg, und wenn man alt ist, wieder hin. Könnte man Heimat so definieren? Schon möglich, sagen Hanna Werth und Philipp Alfons Heitmann. Aber es wäre nicht mehr als eine von vielen Facetten. Für „Heimat ist da, wo der Pfeffer wächst“ gingen die Schauspieler auf Spurensuche und kreisten ein, was uns für immer an die Stätte unserer Kindheit bindet. Oder warum wir von ihr geflohen sind, sobald es nur ging. Das Ergebnis ist am heutigen Freitag um 20.30 Uhr auf der Unterhausbühne des Schauspielhauses zu erleben: „musikalische Leuchtfeuer und Irrlichter“, beflügelt von den unterschiedlichen Biografien des Künstler-Ehepaares.

Philipp Alfons Heitmann, geboren in Bergisch-Gladbach, bezeichnet sich als wurzellos. Das habe er als Jugendlicher deutlich gespürt. Die Familie zog früh nach Stuttgart, dann nach Südafrika und wieder zurück nach Schwaben. Er studierte in Leipzig, war am Theater in Stuttgart engagiert und kam von dort nach Düsseldorf. „Heimat ist für mich ein beweglicher Begriff“, sagt er. „Ich kann ihn nicht an einem Ort festmachen. Nach Südafrika habe ich mich erst recht gefragt, wer ich eigentlich bin.“

Ganz anders Hanna Werth. „19 Jahre meines Lebens verbrachte ich in einer hessischen Kleinstadt“, erzählt die Schauspielerin aus dem Düsseldorfer Ensemble. „Hanau war schon auch meine Heimat. Ich schöpfte alles aus, was geboten wurde. Aber dann wurde es Zeit, zu gehen. Ich hatte immer mehr Fernweh als Heimweh. Gleich nach dem Abitur reiste ich ein halbes Jahr nach Indien.“ Zu Hessen habe sie keine große Beziehung, weder zu Gerichten noch Getränken und schon gar nicht zu dem Dialekt. Den hat sie sich für ein Lied im „Heimat“-Programm widerwillig antrainiert, „aber eigentlich ist es mir peinlich.“ Philipp Alfons Heitmann singt einen südafrikanischen Song, weitere musikalische Beiträge liefern Freddy Quinn, die Ärzte, Sandra Kreisler oder Gerhard Gundermann, eine ambivalente Figur mit Stasi-Vergangenheit. Roland Miosga am Piano begleitet das Paar. Unter den Literaten, die zu Wort kommen, sind Max Frisch, Hilde Domin und der besondere Heimat-Hasser Thomas Bernhard.

Die Schauspieler treten erstmals mit einem so umfangreichen Gemeinschaftprojekt auf. „Unsere Herangehensweise ist ganz unterschiedlich“, beschreibt Hanna Werth. „Deshalb war es sinnvoll, die Rollen von vornherein festzulegen.“ Sie lacht. „Besser, nur einer hat jeweils das Kommando. Oft gab es leidenschaftliche Diskussionen, weil wir sehr überzeugt von unseren Meinungen sind.“ Dennoch versichert Philipp Alfons Heitmann: „Wir können gut miteinander arbeiten, haben denselben Humor. Auf der Bühne sind wir immer sehr nah beieinander.“ Hanna ergänzt, Philipp sei dabei eher für die ironischen, lustigen Nummern zuständig, sie dagegen für Balladen und „Abrechnungsdinger“.

Könnte Düsseldorf nach fünf Jahren eine Heimat für sie werden? „Ist es doch schon längst“, antwortet Hanna Werth. „Mit dieser Stadt verbinden mich intensive emotionale Erlebnisse, beruflich wie privat. Müsste ich meine Koffer packen, würde es mir schwerfallen.“ Im Theater ist sie derzeit als Zicke in „Linda“ zu sehen, ab Januar an der Bürgerbühne bei „Blick zurück nach vorn“ und beim Liederabend „I Built My Time“ zum 50. Schauspielhaus-Geburtstag. Für Philipp Alfons Heitmann, der nach einigen Jahren am Rheinischen Landestheater Neuss jetzt frei arbeitet und am 14. Dezember in Essen mit „After Midnight“ Premiere hat, ist das Heimatgefühl durch den gemeinsamen kleinen Sohn neu besetzt: „Wo meine Familie ist, ist mein Ankerplatz.“ Kommt Hanna Werth heute nach Hanau, denkt sie: „Schön, wieder hier zu sein. Aber nur, weil ich den weiten Weg mit viel Kraft und jugendlichem Zorn gegangen bin.“

Regina Goldlücke