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Düsseldorfer Rainer Goernemann trotzt Parkinson

Schauspieler

Parkinson kann Rainer Goernemann nicht stoppen

Tapfer und stark geht Schauspieler Rainer Goernemann mit seiner Parkinson-Erkrankung um und macht anderen Mut. FOTO: Anne Orthen (ort)

Düsseldorf Der Kampf gehört dazu: Schauspieler Rainer Goernemann lässt sich nicht von Parkinson stoppen. Er weiß nur eins: Er will und wird wieder auf die Bühne gehen.

Es gibt nicht viel, was Rainer Goernemann noch nicht spielte. In „Die Buddenbrooks“ wirkte der 67-Jährige schon 1979 mit, dann „Trotzkopf“ 1983, „Tatorte“ kamen, „Das Traumschiff“, „Balko“, „Soko“, „Alarm für Cobra 11“ und diverse Soaps. Einen starken Charakter gab er auch als Staatsanwalt in „Frau Böhm sagt Nein“ an der Seite von Senta Berger ab oder in dem aufsehenerregende Streifen „Contergan“ von Michael Souvignier. Der Schauspieler war auch Ensemblemitglied in Berlin, Bochum, Zürich und Düsseldorf – hier lebt der Hamburger Jung seit gut 30 Jahren, und jetzt steht er vor einer gewaltigen Herausforderung.

Vor vier Jahren wurde bei dem Künstler die Krankheit Parkinson diagnostiziert. Lange hat er überlegt, ob er die Krankheit zum Thema machen will, dann hat er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Goernemann zu diesem Schritt entschlossen. Das sei kein leichter Schritt gewesen, schließlich gingen auch berufliche Einschränkungen damit einher. „Parki“ nennt der Künstler die Krankheit fast liebevoll und meint: „Mit Parki werde ich den Rest meines Lebens verbringen müssen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich diese Medikamente einnehmen muss. Das war nicht in meinem Lebensplan vorgesehen.“

Stolz schreitet Rainer Goernemann dennoch durchs Leben, lässt sich nicht unterkriegen, bedächtig erzählt er von den Auswirkungen von Parkinson – das Zittern ist irgendwann unübersehbar. Sanft lächelnd scheint er in sich selbst zu ruhen und sagt klar: „Ein Programm von zwei, drei Stunden auf der Bühne, das wäre schwierig für mich, aber ich habe meinen Lebensmut nicht verloren, im Gegenteil. Ich bin Schauspieler, ich liebe meinen Beruf, ich muss auf die Bühne.“

Eine Lesung könne er sich vorstellen, über Heinrich Heine als Mensch, „viele wissen gar nicht, wie interessant der auch im wahren Leben war“. Dostojewski würde er wählen für sein Publikum, „Die Sanfte“. Vielleicht mit einem Pianisten. „Seitdem ich Parki akzeptiert habe, fasse ich auch wieder Mut, wieder ein Programm zu machen.“ Man müsse was tun, das sei ganz wichtig. Und so ist Goernemann etwa regelmäßig anzutreffen bei Physiofit in den Münsterthermen in Pempelfort, wo er Muskeln aufbaut. „Ich weiß, ich muss sportlich aktiv sein, um der Versteifung entgegen zu wirken.“ Seit seiner Kindheit treibt er Sport. Das half schon immer in Vorbereitung auf bestimmte Rollen, „jetzt muss ich mich bewegen, es ist überlebenswichtig“. Sein Glaube gibt ihm Kraft – und Positivbeispiele.

„Der Mann einer Bekannten lebte 36 Jahre mit dieser Krankheit, die Forschung ist vorangeschritten, und heute ist durch gute Medikamente schon einiges möglich.“ Wichtig für ihn sei es, Transparenz beizubehalten. „Mich treibt das Gefühl an, dass man mit der einen oder anderen Aktion anderen Menschen Mut machen kann.“ Für den Charity Video Award etwa setzt er sich ein, – der Preis dreht sich um die Krankheit Parkinson und wird jedes Jahr im Theater an der Kö vergeben. Und er wünscht sich nichts sehnlicher, als bald sein Programm aufführen zu können, vielleicht auch im Kö-Theater oder im Regierungsschlösschen? „Und vielleicht findet sich ja ein Autor, der mal ein Stück fürs TV oder Theater schreiben will über Parkinson“, sagt er, und seine blau-grauen Augen blitzen auf. Aber noch mal kurz zurück zu Heine, warum er? „Es ist seine Intensität“, meint Goernemann. „Er schrieb auf seinen Reisen wunderbare Liebesbriefe, er war ungestüm, ein Freigeist, das ist sehr inspirierend fürs Leben, auch fürs Leben mit Parkinson.“