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Düsseldorfer Frank Henschke will einen Oscar 2016 gewinnen

Frank Henschke : Düsseldorfer will einen Oscar gewinnen

Am Ende warten sie alle auf diesen weltberühmten Satz: "And the Oscar goes to. . ." Denn der Name, der nun folgt, geht binnen Sekunden ein in die legendären Reihen von Schauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren oder Musikern, denen die höchste Ehre der Filmbranche zuteilwird.

Dieses Mal wird ein Düsseldorfer besonders intensiv zuhören, gespannt wie eine Feder: Frank Henschke (53) von der Düsseldorfer Filmproduktion Vistamar ist live dabei, wenn am Sonntag in Los Angeles diese goldigen Jungs verteilt werden.

Henschke war maßgeblich an einem Streifen beteiligt, der nominiert ist und eine reelle Chance hat, die goldene Figur mit nach Hause zu nehmen. "Mustang" heißt der Film. Er erzählt die Story von fünf türkischen Mädchen, nach dem Tod der Eltern bei einem Onkel lebend und eines Tages brutal mit der archaischen Kultur ihres Landes beim Umgang mit jungen Frauen konfrontiert: Weil sie allzu offen am Strand herumgetollt haben und auch junge Männer dabei waren, fürchtet der Onkel um ihre Ehre und sperrt sie ein. "Mustang" erzählt, wie sie versuchen, ihrem Gefängnis zu entkommen, um frei zu leben - vergleichbar jenen wilden Pferden, nach denen die türkisch-französische Regisseurin Deniz Gamze Ergüven den Film benannte.

Henschke lernte Deniz bereits 2012 kennen und hörte von ihrer Idee. Das Drehbuch überzeugte ihn und er machte mit bei dem schwierigen Projekt, den Film zu finanzieren. Am Ende schafften er und eine französische Produktionsfirma es mit einem Etat von 1,5 Millionen, "Mustang" zu drehen. Vier der fünf Hauptdarstellerinnen waren vorher Laien, eine hatte die Regisseurin an einem Flughafen gesehen und angesprochen.

Heute sind die fünf bei einer US-Agentur für Schauspieler unter Vertrag. Denn der Streifen machte schnell Furore, erzählt Henschke: Mehrere Festivals, unter anderem die in Cannes und Sarajewo, bejubelten ihn, andere Preise kamen hinzu. Am Ende gelang es, die Verantwortlichen in Frankreich zu überzeugen, den Film für die Oscar-Verleihung anzumelden. Das kann jedes Land tun für die Rubrik "fremdsprachliche Filme". Also ging "Mustang" ins Rennen, wurde beim ersten Ranking mit acht weiteren Filmen in die engere Wahl genommen und schließlich mit vier weiteren für den Oscar nominiert - was bereits eine hohe Auszeichnung ist.

Also fliegt Henschke am Donnerstag nach Kalifornien, geht in ein Hotel nicht weit von der Verleihung und trifft dort eine Reihe Filmschaffender anderer Länder.

Dass er im Dunstkreis Hollywoods unterwegs ist, kennt er bereits - aber noch nie war er so nahe an einem eigenen Oscar. Und wo wird die Trophäe am Ende dann im Regal stehen? Bei der Regisseurin, sagt er - aber für ihn als Co-Produzenten werde es eine Kopie geben. Am Donnerstag läuft der Film in Deutschland an - in Düsseldorf im UCI im Hafen und im Bambi an der Klosterstraße. Im Gespräch sind zudem Vorführungen an Düsseldorfer Schulen.

(RP)