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Grill Royal in Berlin: Düsseldorfer bewirtet Berlinale-Stars

Grill Royal in Berlin : Düsseldorfer bewirtet Berlinale-Stars

Boris Radczun kann etwas, das wenige Menschen bewerkstelligen. Schweigen. Und das unter erschwerten Bedingungen. Denn in seinen Berliner Lokalen treffen sich viele prominente Gäste.

Boris Radczun kann etwas, das wenige Menschen bewerkstelligen. Schweigen. Und das unter erschwerten Bedingungen. Denn in seinen Berliner Lokalen treffen sich viele prominente Gäste.

Nein, damit ist nicht der Regierende Bürgermeister von Berlin gemeint, sondern die Hollywood-Liga. George Clooney. Matt Damon. Scarlett Johansson. Dass sie da waren, weiß man dank weniger diskreten Methoden. Clooney im grauen Strickpullover umarmt Damon im schwarzen Pullover, sah ein Paparazzo. Im Grill Royal oder im Pauly Saal, zwei der vier Restaurants, die Radczun mitbetreibt, hängen keine Fotos mit den Stars an der Wand. "Das ist nichts für uns." Reden will er auch nicht über die berühmten Besucher, die sich vor allem in Zeiten der Berlinale, die am Sonntag zu Ende geht, bei ihm treffen. "Wir sprechen nicht über Gäste", sagt der 44-Jährige knapp. Punkt.

Vielleicht ist es Teil dessen, was die Stars so anzieht. "Viele Prominente wollen bei uns einfach ihre Ruhe haben." Außerdem vermutet Radczun, dass sein Restaurant für viele Filmcrews den richtigen Rahmen biete, um sich zu treffen. "Es ist ein sehr großes Lokal, man kann sich gut präsentieren. Viel spannender als die Prominenten sind aber die anderen Filmschaffenden, Regisseure, Produzenten, Drehbuchautoren, die beim Essen Projekte aushandeln."

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Radczun hatte schon früh eine gastronomische Ader. Mit 17 zog er von Erkrath nach Düsseldorf, wohnte in Gerresheim, kellnerte nebenbei im Ratinger Hof. "Die Ratinger Straße, wie sie früher war, die vermisse ich manchmal", sagt er. "Da gab es bestimmte Uhrzeiten, zu denen man in die Uel ging, ins Einhorn, in den Ratinger Hof. Alle Kellner und Inhaber kannten sich untereinander, viele Leute hatten nette Macken."

Radczun zog dann fort, nicht, weil er Mitte der 90er unbedingt nach Berlin gewollt hätte, als es noch weniger berührt war von Zugezogenen aus der ganzen Republik, sondern der Liebe wegen. "Es war damals schon sehr schwer, eine gute Wohnung zu finden, ich wohnte also erst einmal im Wedding. Das hat sich mittlerweile völlig verändert. Berlin ist von Stadtteil zu Stadtteil verschieden." Später zog er nach Schöneberg. In Düsseldorf bleiben, das wäre aber für ihn keine Alternative gewesen. Weg sollte man schon einmal, findet er. Er begann Architektur zu studieren, merkte aber einige Jahre später, dass "es eine mentale Blase gab, viele wussten einfach nicht, wohin in der Architektur". Zu dem Zeitpunkt kannte er das Berliner Nachtleben schon aus verschiedenen Perspektiven: als Feiernder, Barmann, Türsteher. Er eröffnete die Undergrounddisko Pogo. "Dort hat man gerne alles verloren, was man hatte, das Geld, die Freundin, die Schlüssel." Mit Geschäftspartner Stephan Landwehr eröffnete er später das Lokal Grill Royal, das Sterne-Restaurant Pauly Saal, das Dóttir mit nordischer Küche. Mittlerweile gibt es ein Le Petit Royal, und ein fünftes Restaurant wird in Kürze eröffnet.

Von der heutigen Düsseldorfer Gastronomieszene ist der 44-Jährige weniger überzeugt. "Jahrzehnte lang ist ja gar nichts passiert und immer noch versuchen viele, internationale Trends einfach nachzumachen, wie zum Beispiel mit den ganzen Burger-Läden." Was ihm gefällt: die Bar Olio an der Schirmerstraße und das Phoenix. Und als er seine Patenkinder in der Landeshauptstadt besuchte, hat ihn Laura's Deli am Carlsplatz überzeugt. "Das ist gut gemacht. Es nimmt die Stimmung der Kunden am Carlsplatz auf."

(RP)