Düsseldorf: Zwei Frauen mit Faible für die Kunstwelt

Galerie in Düsseldorf : Die Kunstfreundinnen

Das ist die Geschichte einer besonderen Verbindung unter Frauen: Beide mögen Kunst und haben eine große Liebe für die Fotografie. Da war es nur konsequent, dass sie eine gemeinsame Galerie eröffneten.

Kennengelernt haben sie sich vor mehr als 20 Jahren bei einem Fest im Freundeskreis. Man traf sich locker immer mal wieder, bis die Begeisterung für junge Kunst sie geschäftlich zusammenbrachte. Vor vier Jahren beschlossen die beiden Düsseldorferinnen, gemeinsam den Weg als Galeristinnen zu wagen. Nach 35 Jahren Düsseldorfer Malerschule und der Trennung von ihrem Mann Hans Paffrath wollte Ariane Schneider-Paffrath sich auf junge, internationale Kunst fokussieren. Das passte perfekt zu den Kontakten, die die kunstbegeisterte Betriebswirtin Claudia Gericke zur internationalen Fotoszene hatte.

Die 2016 gegründete Galerie Paffrath + Gericke hat sich in kurzer Zeit als Bühne einerseits für die lebendige, zeitgenössische, lateinamerikanische Kunstszene in Europa und andererseits für zeitlose moderne und zeitgenössische Foto-Kunst einen Namen gemacht. „Kein leichtes Unterfangen in einer Stadt wie Düsseldorf mit so vielen namhaften Galerien“, sagen die beiden.

Vor allem der Umzug aus den ersten Räumen an der Karl-Anton-Straße in die Carlstadt hat das Geschäft beflügelt. Die neue Galerie mit den hohen weißen Wänden und dem imposanten schwarz-goldenen Kellergewölbe an der Bilker Straße mitten im lebendigen Kunstviertel gilt als Hotspot für innovative Ausstellungskonzepte.

Die Quereinsteigerinnen überraschen mit eigenwilligen Inszenierungen. Sie konzentrieren sich auf lateinamerikanische Künstler und auf die Fotografie – das ermöglicht ein spannendes Spektrum. Weil Foto-Kunst mehr ist als bloße Realitätsproduktion, wollen die Galeristinnen den Blick auf solche fotografischen Arbeiten richten, die sich im Zeitalter digitaler visueller Vermüllung von der alltäglichen Ästhetik abheben. So stellen sie mit der Ausstellung ikonischer Aufnahmen von Horst P. Horst, dem Magier des Mode-Lichts, auch mit der aktuellen Ausstellung unter Beweis, dass solche Fotos eine besondere Aura haben – im Gegensatz zur Bilderflut auf Social Media.

Er habe Schönheit eingefangen, Models neu modelliert, Begegnungen in dem für ihn typischen Hell-Dunkel und dramatischen Schatten arrangiert, Kulissen geschaffen in einer Zeit, als die ersten Mannequins der Welt laufen lernten für Magazine wie die Vogue und als Diven wie Marlene Dietrich, Rita Hayworth und Coco Chanel sich in Szene zu setzen wussten, wie Paffrath unterstreicht. Horst P. Horst war ein Star der Schönen und Reichen. Er hatte sie alle vor der Kamera: Chanel, Yves Saint Laurent, die Rothschild’s, Bühnen- und Leinwandstars wie Vivien Leigh, Steve McQueen, Katherine Hepburn, Olivia de Havilland, Bette Davis. Sogar Salvador Dalí entwarf für ihn Sets für seine Aufnahmen.

Auch in der Paffrath + Gericke Galerie – die einzige deutschlandweit, die Horst vertritt – sind diese Aufnahmen zu sehen. Wie die Ausstellung von 25 limitierten Fotos aus der Privat-Sammlung von Gert Elfering, darunter die berühmtesten Schwarz-Weiß-Klassiker sowie die ersten farbigen. Sie alle zeigen: Horst war mehr als der „König der Modefotografie“, er war auch ein Chronist seiner Zeit. Nach der Retrospektive „Horst: Photographer of Style“ im NRW-Forum 2016, die vom Londoner Victoria and Albert Museum kuratiert worden war und 250 fotografische Werke aus 60 Jahren Schaffenszeit zeigte, ist dies nun die zweite Ausstellung in der für Kunst-Fotografie und Mode bekannten NRW-Landeshauptstadt.

Sonst schätzt Ariane Schneider-Paffrath, die auch Mutter von zwei Kindern ist, die Kunst von David Hockney, Tony Cragg, Cindy Sherman und Olafur Eliason. Auch Claudia Gericke, die Mutter von drei Kindern ist, hat Favoriten: Sie mag besonders Fotografie und ist ein Fan der Maler Peter Doig, Neo Rauch und von Superstar Gerhard Richter.

Dagmar Haas-Pilwat

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