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Düsseldorf: Walid El Sheikh vom "Sir Walter" eröffnet "Boston Sportsbar"

Gastroszene : Der Barkönig Walid El Sheikh

Manche nennen ihn den Barkönig von Düsseldorf. Der angesehene Szeneclub „Sir Walter“, die „Elephant Bar“ und das „Baby Anna“ gehören ihm, und diesen Monat möchte er an der Hunsrückenstraße die „Boston Sportsbar“ eröffnen.

Eigentlich sei ja der Januar als Eröffnungstermin geplant gewesen, sagt Walid El Sheikh. Aber wie das so ist bei großen Umbau- und Sanierungsarbeiten, der Teufel steckt manchmal im Detail. Oder der Denkmalschutz hat Bedenken, oder die Feuerwehr.

Und da El Sheikh ein absoluter Perfektionist ist, will er seine Boston Bar erst eröffnen, wenn alles stimmig ist. Beeindruckend ist die lange Theke, grandiose Lichtinstallationen, hochwertige Spiegelfliesen an den Wänden, Fliesen von Gaudi auf dem Boden und jede Menge Fernseher. Stolz zeigt er auf die Arena im hinteren Bereich – hier sollen Großleinwände hinkommen. Idealer Ort für die Fußball-Europameisterschaft im Sommer – und alles ganz im amerikanischen Stil. Wen wundert’s, der 41-Jährige ist sportbegeistert, liebt American Football, hat bei den Düsseldorfer Panthern gespielt und es sogar in die U21-Nationalmannschaft gebracht und engagiert sich bei den Panthern ehrenamtlich.

Auch heute hält er sich noch fit – eine Stunde Sport täglich muss sein. „Das ist gut für meine Seele“, sagt er, der schon mit 18 als Türsteher in der Altstadt stand. Vor der Anaconda – dem heutigen Baby Anna. Nach und nach hat er dort Anteile gekauft, bis ihm das Lokal gehörte. Schon mit 16 hatte der gebürtige Düsseldorfer, dessen Eltern aus Ägypten stammen, erste Kontakte mit der Gastronomie. „Als Gläsersammler im Malkasten-Club von Hülder und Wengenroth“, sagt er. Die Gastronomie, das war für ihn anfangs nur ein Nebenverdienst, ein Hobby. Denn nach dem Abitur studierte der Vater einer kleinen Tochter in Essen an der Folkwang Universität der Künste Darstellende Kunst. Mit Schwerpunkt Schauspiel. Das Studium hat er 2007 mit Diplom abgeschlossen und anschließend auf zahlreichen Bühnen gestanden. Vor allem in Nordrhein-Westfalen. Als dann Angebote aus Hamburg, München und Berlin kamen, da geriet er ins Grübeln. Er hätte reisen müssen. Deutschland oder Düsseldorf. Er entschied sich für seine Heimatstadt und gegen die Schauspielerei. „Alles andere wäre eine Entwurzelung gewesen“, sagt er.

Aber sein Faible für Schönheit und Architektur ist geblieben. Er interessiert sich für Kunst, das spiegelt sich in seinen Bars wider. Neben der Kunst sind es die Kleinigkeiten wie der üppige Blumenstrauß, der im Sir Walter jede Woche frisch auf den Tisch kommt. Und er hat ein weiteres Projekt in der Mache, nahezu in der Vollendung. Diesmal allerdings nicht in der Altstadt, sondern im Medienhafen. Und es ist auch keine Bar, sondern ein Restaurant. Oder besser ein Paradies, wie das Restaurant heißen soll, bei dem El Sheikh an einem besonderen Konzept gearbeitet hat. Die Räumlichkeiten befinden sich im „H27“ an der Hammer Straße.

„Zu viele Konzepte werden kopiert und vervielfältigt, was schnell zu einer Übersättigung führt. Man denke an die Burger- und Poke-Bowl-Welle“, sagt El Sheik und ergänzt: „Bei vielen Konzepten habe ich das Gefühl, sie entstehen im Copy-Shop. Es fehle oft an Persönlichkeit und Wärme.“ Das soll im „Paradies Now“ anders sein. Auf rund 1000 Quadratmetern erstrecken sich Restaurant und, was bei El Sheik nicht fehlen darf, ein Barbereich. Das neue Projekt ist für ihn eine Herausforderung. Dabei will er mit Riten brechen, „und ich habe jeden Punkt durchdacht. Das ganze ist eine Inszenierung“, da spricht der Schauspieler und Regisseur. Rund 180 Gäste will er künftig verwöhnen. Kulinarisch sorgt dafür Steffen Laurisch, der unter anderem Chef de Partie bei Drei-Sterne-Koch Joachim Wissler war. Dabei soll es nicht nur um Fine Dining gehen, „sondern um das Bedienen einer kulinarischen Sehnsucht, die erschwinglich ist“.

El Sheikh hofft, sein Paradies im Frühjahr zu eröffnen. Aber er hat bereits weitere Pläne. Das nächste Projekt sei schon mehr als angedacht, sagt er und schweigt. Eines steht aber fest. Auch dieses findet auf jeden Fall in Düsseldorf statt.

Birgit Wanninger