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Düsseldorf: Trauer-Palaver und tröstende Getränke für den Hoppeditz

Karneval mit Beerdigung in Düsseldorf : Trauer-Palaver und tröstende Getränke für den Hoppeditz

Jammern und Wehklagen nützten nichts. Am Ende des Tages – am Aschermittwoch – wurde „dä leve Jong“, der Hoppeditz verbrannt. Aber wie immer ging das nicht ohne ein großes Spektakel über die Bühne, das tatsächlich urkomisch ist und ein wenig verrückt.

Die Vorsitzende des Heimatvereins „Düsseldorfer Weiter“ Helga Hesemann konnte sich nur mit Mühe beruhigen: „Der arme Lümmel! Wenigstens hat er ein hübsches neues Hemd an.“ Mit den Spiesratze und dem Düsseldorfer Narrencollegium organisierte ihr Verein wieder die Beerdigung des Hoppeditz’, und wie immer geriet dieses Prozedere im Ibach-Saal des Stadtmuseums zur witzig-bizarren Heul-Veranstaltung mit interaktiven Einlagen des Publikums à la Rocky-Horror-Show.

Stadtmuseums-Direktorin Susanne Anna und der „echte“ Hoppeditz Tom Bauer. Foto: Brigitte Pavetic

Die Karnevalisten sangen zu den Blasorchester-Klängen der Band Ardo „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ oder „Die Sterne funkele“. Hesemann hatte ihr weißes Taschentuch immer herrlich theatralisch griffbereit. Das große Trauer-Palaver ging natürlich nicht ohne tröstende Getränke über die Bühne. Während oben alberne Reden geschwungen wurden und der Hoppeditz (eine lebensgroße Puppe mit Pulle Bier in der Hand) vor schunkelnden Ober-Narren wie dem echten Hoppeditz Tom Bauer aufgebahrt war, wurden Schnäpse und Alt serviert. Und immer wieder ertönte es im Saal: „Oh, wir sind so traurig. Oh.“ Tom Bauers launiger Kommentar zur Beerdigung seines Doppelgängers aus Styropor: „Niemals geht man so ganz. Ich komme wieder, keine Frage.“ Dann wurde noch „Heidewitzka, Herr Kapitän!“ angestimmt und „Wo bleibt unser Altbier?“ gesungen.

Künstler Bert Gerresheim (r.) und Francisco Hernandez waren erstmals bei der Verbrennung dabei. Foto: Brigitte Pavetic

Stadtmuseums-Direktorin Susanne Anna versprach, die Beerdigung in ihrem Haus stattfinden zu lassen, „bis ich 100 Jahre alt bin“. Die Todesursache des Hoppeditz’ lüftete die „Weiter“-Chefin auch noch: „Nach ein paar Bierchen in der Kneipe ist der einfach umgekippt.“ Pastörken Ursula Verhofen war erstmals im Einsatz, beträufelte den „armen Kerl“ mit Weihwasser unter Mithilfe einer Klobürste  und sprach ebenfalls Abschiedsworte in Form eines abgewandelten Vater-Unser-Gebets: „Führe uns nicht in die Milchbar, sondern gib uns die Kraft zum Weitertrinken.“ Künstler Bert Gerresheim kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Er war zum ersten Mal zu der Hoppeditz-Beerdigung gekommen. Unter dem Singen trauriger Lieder zog die jecke Gemeinde durch die Citadell-, Schul- und Orangeriestraße bis in den Park des Stadtmuseums, wo „dä leve Jong“ dann endgültig verabschiedet wurde.

Helga Hesemann ist die Vorsitzende des Heimatvereins „Düsseldorfer Weiter“. Foto: Brigitte Pavetic

Ein Gesprächsthema war übrigens das neue Motto, dass das Comitee Düsseldorfer Carneval ab sofort sucht. Es soll kurz, knackig, witzig und prägnant sein. Alle Freunde des Düsseldorfer Karnevals sind herzlich eingeladen, sich an der Suche zu beteiligen. Vorschläge können bis 22. März unter dem Stichwort „Sessionsmotto 2021“ per E-Mail an vorstand@helau.cc eingereicht werden. Der Styropor-Hoppeditz ist da freilich raus. Dafür wurde der Herr im schicken Anzug ins Nirwana befördert – mit noch mehr Wehklagen. Das Blumengebinde von seiner Bahre wird seine letzte Ruhe in der Maxkirche finden, wie Helga Hesemann verriet. Hoppeditz’ Asche wurde am Ende zusammengekehrt und landete ganz umweltfreundlich, aber auch leicht herzlos in der Mülltonne. B. Pavetic