Düsseldorf: Swetlana Saam ist ein Akzent-Talent

Komödie : Swetlana Saam ist ein Akzent-Talent

In viele Rollen durfte Swetlana Saam schon schlüpfen. Aktuell gibt sie eine hinreißende Spanierin.

Zwei ausdrucksstarke Spanierinnen sind das Salz in der Suppe bei „Oscar & Felix – Ein seltsames Paar im 21. Jahrhundert“. Mit Charme und Herz mischen sie die pokernde Männerrunde in der „Komödie“ auf. Bei Kerstin Bruhn und Swetlana Saam wirkt der irgendwie niedliche Akzent erstaunlich echt. Vor einem Vierteljahr war Swetlana auf gleicher Bühne der Lichtblick in „Der grüne Affe“ – als gutmütige russische Perle. Das fiel ihr leicht, sie wurde in Kasachstan geboren. Aber wie eignete sie sich die spanische Variante an? „Dabei half mir meine Kollegin Kerstin, sie hatte das prima drauf“, berichtet Saam. „Ich brauchte etwas länger. Unser Regisseur Peter Millowitsch hat sich bei den Proben scheckig gelacht.“ Manchmal habe er ihren Auftritt kommentiert: „Swetlana, jetzt kommt bei dir wieder die Russin durch.“ Die Frauenrollen sind nicht allzu umfangreich, aber prägnant. „Wenn die Mädels auftauchen, beginnt noch mal eine neue Geschichte“, sagt die Schauspielerin. „Wir stehen vorher hinter den Kulissen und verfolgen das Geschehen. Manchmal verständigen wir uns darüber, etwas Überraschendes einzubauen. Oft muss ich mich zusammenreißen, dass ich dabei nicht in Gelächter ausbreche.“ Das Publikum findet Gefallen an dem schwungvollen Stück mit den Titelhelden Jens Hajek und Rolf Berg. „Das Schlimme ist nur, dass viele Leute anrufen und wissen wollen, ob es das Theater noch gibt“, bedauert Swetlana Saam – wo es doch jetzt gesichert sei. Sie bewundert, wie treu man in Düsseldorf dem Haus zur Seite stand und Geld für seinen Erhalt gesammelt hat. „Ich hatte das nicht erwartet. Aber dieses Theater durfte nicht den Bach runtergehen. Die familiäre Atmosphäre und der Zusammenhalt der Kollegen sind einmalig.“ An Silvester waren gleich drei Vorstellungen von „Oscar & Felix“ angesetzt. Ein für Boulevardbühnen üblicher Marathon. Swetlana Saam erlebte ihn in der „Komödie“ nach „Taxi Taxi“ schon zum zweiten Mal. „Man spürt mehr Adrenalin als sonst“, sagt sie. „In den Pausen wird gescherzt und gegessen. Am schönsten war wieder die letzte Runde mit der Unterbrechung um Mitternacht. Da gingen wir alle zusammen auf die Straße und begrüßten das neue Jahr. Danach spielten wir in sehr gelöster Stimmung weiter.“ Im Gespräch mit der temperamentvollen Swetlana Saam drängt sich der Begriff Vollblutschauspielerin auf. Lebhaft erzählt sie von ihrer Kindheit. Sie war vier Jahre alt, als ihre deutsch-russischen Eltern Kasachstan verließen. Die politische Lage war brisant, die Deutschen nicht länger wohlgelitten. Ein schwerer Neubeginn für die fünfköpfige Familie. „Wir lebten Monate im Auffanglager, später in einer Sozialwohnung in Bad Bentheim. Meine Eltern arbeiteten in der Fabrik“, berichtet Swetlana. Sie zog es früh auf die Bühne, egal auf welche. Über ihre Tanzschule kam sie in eine Showgruppe, brach die Schule ab und wurde Tanzlehrerin. Sieben Monate schlug sie sich zwischendurch als Rucksack-Touristin in der Dominikanischen Republik durch, jobbte für Kost und Logis. Wieder zurück, schloss sie ihr Schauspiel-Studium auf der Alanus-Hochschule (wo sie heute unterrichtet) und in St. Petersburg mit einem erstklassigen Diplom ab. Nach etlichen reisenden Jahren mit freien Theater- und Musical-Produktionen wurde die „Komödie“ zu ihrer ersten künstlerischen Heimat. Im April kehrt Swetlana Saam erneut dorthin zurück. Sie kichert: „Diesmal wieder als Russin.“

Regina Goldlücke

Mehr von RP ONLINE