Düsseldorf: Sonja Oberems Leben für die Langstrecke

Meisterin des Marathon : Sonja Oberems Leben für die Langstrecke

Der Metro Marathon steht zum 17. Mal in Düsseldorf an. Vor fast eine Jahr übernahm Sonja Oberem das Zepter. Stark und selbstbewusst geht sie mit an den Start.

Sie ist manchmal anders als „normale“ Menschen. Wenn andere sich fürs Wochenende einen strahlend blauen Himmel, Temperaturen möglichst jenseits der 25-Grad-Marke und eine leichte Brise wünschen, ist Sonja Oberem eher für wolkenverhangenen Himmel und Temperaturen von maximal 18 Grad zu haben. Jedenfalls einmal im Jahr, genau dann, wenn der Metro Marathon Düsseldorf ansteht. Am Sonntag (28. April) ist es zum 17. Mal so weit, dass mehrere tausend Laufenthusiasten die Sportschuhe schnüren, um kreuz und quer durch Düsseldorf zu joggen. „Es darf eben nicht zu heiß sein, um auf der 42,195-Kilometer-Distanz eine gute Leistung zu bringen. Wenn man läuft, wird einem automatisch warm“, sagt Oberem.

Seit August 2018 ist die ehemalige Triathletin und Marathonläuferin Geschäftsführerin der Rhein-Marathon GmbH, die den Metro Marathon, den Brückenlauf, den Stadtwerke Düsseldorf Kö-Lauf und den Urban Trail organisiert. Beim Marathon ist sie in Personalunion auch Renndirektorin. Die Doppelfunktion macht sie nicht immer glücklich. „Als Geschäftsführerin muss ich das Geld zusammenhalten. Als Renndirektorin müsste ich Geld ausgeben, um möglichst leistungsstarke und damit attraktive Läufer zu verpflichten. Das ist keine einfache Aufgabe“, gesteht Oberem. „Für dieses Jahr haben wir uns auf die Deutsche Marathonmeisterschaft konzentriert.“

Top-Athletenverpflichtung sieht sie auch nicht als ihre Hauptaufgabe. „Der Marathon ist für alle offen. Wir bemühen uns, allen Hobbyläufern eine hohe Qualität zu bieten. Die Hobbyläufer, die ihr Startgeld bezahlen, sind für uns der wesentliche Faktor“, erläutert Oberem.

Dank ihrer eigenen sportlichen Karriere und Organisationserfahrungen bei vielen Sportveranstaltungen kann ihr so schnell niemand etwas vormachen. Fünf Europameisterschaften im Triathlon, Deutsche Meisterschaften, Marathon-Bronze bei der EM 2002 und die Olympia-Teilnahme 1996 über die längste olympische Laufdistanz und drei Starts beim Metro Marathon stehen in ihrer Vita.

Als Funktionärin leitete die gebürtige Mönchengladbacherin die NRW-Triathlon-Union und war als Organisatorin unter anderem im namhaften Ausrichterteam des T3-Triathlon im und rund um den Düsseldorfer Hafen tätig. „Ich bin nicht ganz unvorbereitet an die Marathon-Organisation herangegangen. Ich wusste, dass mich viel Arbeit erwartet, und bis jetzt war keine Überraschung dabei“, so die Marathon-Cheforganisatorin. „Und man muss ja auch nicht jedes Mal das Rad neu erfinden und von Grund auf alles neu machen. Der Marathon funktioniert ja.“

Und doch gibt es unter ihrer Ägide eine entscheidende Neuerung. Beim 17. Düsseldorf-Marathon steht erstmals ein Halbmarathon auf dem Programm. „Der Halbmarathon ist mit 4000 Teilnehmern ausgebucht“, sagt Sonja Oberem, die sich über die Resonanz freut. In der Woche vor ihrer Marathon-Organisationspremiere hatte die Mutter eines Sohnes Zeit, ein wenig durchzuschnaufen.

Denn Oberem weiß aus Erfahrung: „Eine Woche vorher noch etwas Wesentliches auf den Weg zu bringen, ist illusorisch. Was man bis dahin nicht initiiert hat, hat kaum noch eine Chance auf eine Umsetzung“, so die Lauf-Chefin. Morgen aber wird sie mit als Erste auf der Strecke sein und mit als Letzte Feierabend machen, denn da steht ja sozusagen ihre Marathon-Organisationsmeisterprüfung an. Tino Hermanns

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