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Düsseldorf: Schillings übernehmen Bewirtschaftung im Schauspielhaus

Schauspielhaus Düsseldorf : Darum haben die Schillings Appetit auf Theater

Veronika Schillings übernimmt mit ihrem Sohn André Schillings die gesamte Bewirtschaftung im Schauspielhaus. Das Restaurant eröffnet am 30. Dezember, die Kantine nimmt ihren Betrieb zur Mitarbeiter-Weihnachtsfeier am Mittwoch auf. Dazu kommt die Versorgung in den Foyers im Großen und Kleinen Haus. Und ab sofort sind auch Reservierungen für Silvester möglich. Eine große Aufgabe, auf die sich die Gastronomin freut.

Kurz vor Eröffnung des neuen Schauspielhaus-Restaurants „Schillings“ lässt sich durch die großen Fensterfronten bereits erahnen, wie es dort künftig aussehen wird. Flächendeckend gibt dunkles Anthrazit die Richtung vor, schlichte weiße Tische und schwarz-weißes Geschirr aus Steingut passen sich der von Architekt Christoph Ingenhoven vorgegebenen puristischen Linie an.

Noch fehlt der letzte Schliff, doch beim exklusiven Besuch unserer Redaktion duftet es schon verlockend aus der offenen Küche. „Wir kochen gerade unser Silvester-Menü vor“, sagt Veronika Schillings. „Da muss jedes Detail stimmen.“ Es ist die Feuertaufe der Gastronomin, die mit ihrem Sohn André Schillings die gesamte Bewirtschaftung im Schauspielhaus übernommen hat.

Das Restaurant eröffnet am 30. Dezember, die Kantine nimmt ihren Betrieb zur Mitarbeiter-Weihnachtsfeier am Mittwoch auf. Dazu kommt die Versorgung in den Foyers im Großen und Kleinen Haus, deren umfassende Sanierung bald abgeschlossen ist. Drei Stränge müssen gut geölt ineinander greifen und vielschichtige Bedürfnisse befriedigen. Veronika Schillings weiß um die nicht geringe Last, die sie sich aufgebürdet hat. „Ich bin seit 20 Jahren in der Düsseldorfer Gastronomie unterwegs und brauche immer mal wieder eine neue Herausforderung“, meint sie gelassen und fächert ihre Aktivitäten auf.

Die Liebe zur Kulinarik entdeckte sie beim Studium der Innenarchitektur, das sie durch Kochen und Catering finanzierte. Sie blieb schließlich bei dieser Passion und machte sich 2002 mit „Mayers Deli“ selbständig. „Ganz bescheiden in einer Lagerhalle mit Strohballen und Kamin, gekocht wurde in einer Garage“, erzählt sie.

Zum Markenzeichen des später zur Rethelstraße umgezogenen Bistros wurden die Themenabende am Mittwoch in familiärer Atmosphäre – mit Gerichten aus allen Küchen dieser Welt oder ausgerichtet nach Farben. 2009 kam das „Café Bernstein“ in der Lorettostraße dazu, 2011 die Bewirtschaftung der Kantine in der Staatskanzlei.

Ende März wird die Kantine geschlossen, Ministerpräsident Armin Laschet will die Räume für Repräsentationszwecke nutzen. Da passte es der umtriebigen Veronika Schillings gut ins Konzept, dass Intendant Wilfried Schulz neue Betreiber für die Schauspielhaus-Gastronomie suchte. Ihr Sohn André hatte Lust, sie dort zu unterstützen. Auch er ist ein Quereinsteiger, arbeitete nach seinem Maschinenbau-Studium zehn Jahre in der Autoindustrie und gründete die Modemarke „Neyo“.

Der Vater zweier Söhne wohnt in Aachen und wird täglich nach Düsseldorf pendeln: „Mit dem Elektroauto geht das prima.“ Irgendwann einmal will ihm Veronika Schillings die Geschäfte im Theater ganz übergeben. So verfuhr sie auch bei ihrer Tochter, die mit der zunächst gemeinsam übernommenen Mensa des Berufskollegs in Mettmann (2500 Schüler, 250 Lehrer) inzwischen auf eigenen Füßen steht.

Mit der Schauspielhaus-Bewirtschaftung kommt ein neuer Aspekt auf die Gastronomin zu: „Noch nie hatte ich ein Restaurant, das sieben Tage in der Woche in Betrieb ist.“ Vorerst hat das „Schillings“ mit 85 Plätzen erst ab 17 Uhr geöffnet. Sobald jedoch die Terrasse zum Hofgarten fertig ist, werden die Zeiten ausgedehnt. Anders die Kantine, dort läuft der Betrieb von sieben Uhr morgens bis Mitternacht.

„Bühnenarbeiter und Handwerker, die in aller Frühe beginnen, haben um 9 Uhr einen Bärenhunger“, sagt André Schillings. „Die Schauspieler wiederum sitzen nach Proben und Vorstellungen noch gerne beisammen.“ Bei der Foyer-Verköstigung mit Getränken und Fingerfood hat er aus Anfangsfehlern gelernt. „Die Bedienung war zu schleppend, doch allmählich haben wir das im Griff. Künftig kann man sein Pausengetränk vorher bestellen und bezahlen, bekommt einen Bon und holt es nur noch ab.“

Im Restaurant wird es neben der normalen eine Wochenkarte geben, regional, saisonal oder orientiert an bestimmten Theaterstücken. Eventuell sollen Gerichte, die schnell serviert werden können, besonders gekennzeichnet werden. Man spürt, Mutter und Sohn gehen pragmatisch und wohlüberlegt ans Werk.

„Jetzt freue mich darauf, dass der Kopf leerer wird und wir mit den Händen arbeiten können“, sagt Veronika Schillings – die kurz nach dem Start ihres neuen Restaurants direkt für einen ganz besonderen Anlass kochen kann: Das Schauspielhaus feiert im Januar den 50. Jahrestag seiner Eröffnung.