Weihnachtsessen in Düsseldorf : Saltimbocca im Gefängnis

Seit vielen Jahren gibt es in NRW Gastronomen, die inhaftierten Italienern ein Weihnachtsessen spendieren. In Düsseldorf ist das der quirlige Enrico De Angelis (79). Als der italienische Generalkonsul Pierluigi Giuseppe Ferraro während seiner Tour durch die NRW-Städte am Mittwochmittag Stopp machte in der Landeshauptstadt, tischte der Gastronom Wildragout und Saltimbocca auf.

Seine Augen schweiften bedächtig in die Ferne, als er an seine Kindheitserinnerungen zu Weihnachten zurückdachte. Der klassische Christbaum war nicht Sitte in Süditalien, wo der italienische Generalkonsul Pierluigi Giuseppe Ferraro herkommt. „Das war etwas für den Norden. Wir hatten es eher mit der Krippe, das war wunderschön, wenn sie aufgebaut war, dann war wirklich Weihnachten.“ Aus Kalabrien stammt Ferraro, am Mittwoch kam er aus Köln in die Düsseldorfer JVA gefahren, wo zurzeit gut 800 Häftlinge einsitzen. Hier fielen ihm bei einem sehr ungewöhnlichen Mittagessen sofort die verschiedenen Dialekte auf, wie er unserer Redaktion erzählte. „Denn der kalabrische ist eher soft.“

Zwölf Gefangene italienischer Herkunft leisteten Ferraro und seiner kleinen Delegation Gesellschaft, die Stimmung war heiter in einem der Gruppenräume im Gefängnis, in dem seit 2012 verurteilte Straftäter einsitzen und Menschen in Untersuchungshaft untergebracht werden. Der ganz offensichtlich nicht müde werdende Gastronom Enrico De Angelis (79) vom Restaurant Saltimbocca und sein „Chefkoch-Bruder“ Mario De Angelis hatten Nudeln mit Wildragout vorbereitet und Saltimbocca (so heißt auch Enricos Restaurant), dazu Tiramisu. Seit vielen Jahren gibt es in NRW italienische Gastronomen, die in der Vorweihnachtszeit inhaftierten Italienern ein landestypisches Weihnachtsessen spendieren. Enrico De Angelis ist bekannt in Düsseldorf, auch was Charity-Aktionen anbetrifft. Erst vor einer Woche erhielt er von Oberbürgermeister Thomas Geisel die Bundesverdienstmedaille – Ferraro war auch im Rathaus und applaudierte. De Angelis’ Knie macht ihm gerade zwar zu schaffen, aber sonst ist er bestens gelaunt und versprühte in der JVA italienische Leichtigkeit. „Ich kam als Gastarbeiter, habe mich in Deutschland aber nie als solcher gefühlt“, sagte der Gastronom. „Ich möchte von meinem Glück etwas zurückgeben – zum Beispiel mit Aktionen wie dieser, einmalig.“ Ähnlich sieht das die JVA-Leiterin Beate Peters, die erstmals dabei war und damit von ihren Vorgängern übernahm, denn schon seit mehreren Jahren findet dieses Weihnachtsessen in der JVA statt. Eine „bedeutsame Geste der Menschlichkeit“ nannte sie dieses Mittagessen. Die Häftlinge jedenfalls hauten ordentlich rein, die Stimmen waren – typisch italienisch – etwas lauter, und der Konsul ließ sich sein schönstes Weihnachtsgeschenk entlocken: „Es waren Lego-Bausteine, die ich als Kind bekam.“ De Angelis plauderte kess sein kuriosestes Erlebnis in der JVA aus. „Als ich vor Jahren das erste Mal hierher kam und meinen Bus unabgeschlossen ließ, ermahnte mich ein Wärter“, sagte er lachend. Das sollte er nicht tun, wurde ihm gesagt. Warum? Und dann die für ihn sehr verblüffende Antwort: Er würde das jetzt sicher nicht glauben, aber auch im Innenhof der JVA könnten Autos geklaut werden. Brigitte Pavetic