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Düsseldorf: René Heinersdorff hatet mal Bammel vor der Büttenrede

Klinzing-Plakette in Düsseldorf : René Heinersdorff hatte mal Bammel vor der Büttenrede

Die Mostertpöttches, die Gilde der Büttenredner, Sänger und Parodisten, verlieh dem Kulturmanager René Heinersdorff die Karl-Klinzing-Plakette.

Die Mosterpöttches-Gilde der Düsseldorfer Karnevalskünstler verleiht das begehrte Metall nur einmal im Jahr. Am Montagabend erhielt der Theaterchef, Schauspieler und Regisseur René Heinersdorff die Klinzing-Plakette. „Natürlich habe ich früher auch gern Karneval gefeiert, ich bin schließlich Düsseldorfer. Aber dann musste ich eine überraschend negative Erfahrung machen“, sagte Heinersdorff unserer Redaktion. Der damalige CC-Präsident Günther Pagalies hatte ihn überredet, bei der Prinzenpaarkürung in die Bütt zu gehen. „Ich habe mir das alles ziemlich leicht vorgestellt. Aber auf der Bühne bin ich dann mit meiner Rede total untergegangen. Der Applaus war jämmerlich. Es ist eben eine ganz andere Sache, Theater zu spielen und als Büttenredner erfolgreich zu sein. Die Erfahrung machen übrigens auch Kollegen. Kabarettisten und Komödianten, die mittlerweile im Karneval auftreten, haben trotz großer Bühnenerfahrung regelrecht Bammel vor der Büttenrede. Das Karnevalspublikum ist eben anders als das Theaterpublikum.“ Heinersdorff war sogar mal im Gespräch als Düsseldorfer Karnevalsprinz. Aber das scheiterte an seinem vollen Terminkalender. Vielleicht hatte ihn seine Erfahrung auf der Karnevalsbühne ja auch dazu veranlasst, die Mostertpöttches zu bitten, die Verleihung der Klinzing-Plakette in sein Theater an der Kö zu verlegen.

Dort hatte er am Montagabend vor rund 350 Gästen ein Heimspiel. Eigentlich sollte die Laudatio auf ihn wie üblich einer seiner beiden Vorgänger als Plakettenträger halten. Aber Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel hat derzeit andere Sorgen und sagte ab. Und vom Ex-Vereinsboss Robert Schäfer, im vergangenen Jahr der andere Plakettenträger, kam ebenfalls eine Absage. Und so sprang als Laudator Jochen Busse ein, der derzeit mit Heinersdorff zusammen in der Komödie „Komplexe Väter“ auf der Bühne steht. Einen besseren Lobredner hätte sich Heinersdorff kaum wünschen können. Die beiden kennen sich gut. Und so plauderte Busse amüsant über Details aus dem Leben des Theaterchefs, die keiner kannte. Ebenso geistreich und witzig fielen dessen Dankesworte aus. Und dann ging das Theater im Theater los. Kein vorher lange geprobtes Bühnenstück, sondern halb improvisierte kleine Szenen, in denen die Mostertpöttches Heinersdorff durch den Kakao zogen, was der mit einem freundlichen Lächeln quittierte: „Na ja, damit musste ich ja rechnen.“ Zum ersten Mal moderierte Hildegard Dahmen als neuer Baas (Vorsitzende) der Mosterpöttches den Abend. Kompliment: Sie machte das hervorragend, auch als redselige Mitarbeiterin an der (auf der Bühne aufgebauten) Theaterkasse, gemeinsam mit ihrem Partner Manfred Castor. Hans Unger schauspielerte sehr überzeugend einen von sich selbst überzeugten Schauspieler. Und Ex-Baas Winfried Ketzer haute in seiner Paraderolle als Hausmeister einen Kracher nach dem anderen raus – das war ein amüsanter Abend mit den Jecken im Theater.