Düsseldorf: Martin und Sabine sind das neue Traumpaar der Jecken

Prinzenpaar : Martin und Sabine sind das neue Traumpaar der Jecken

Am Donnerstag stellte sich das neue Prinzenpaar im Rathaus dem Prinzenclub der Ex-Tollitäten vor. Oberbürgermeister Thomas Geisel bemerkte: „Ihr könnt jetzt richtig eine lange Session auskosten.“ was der OB vielleicht noch nicht weiß: Die beiden haben eine spannende Karnevals-Historie.

Den traditionellen Empfang des Düsseldorfer Prinzenclubs im Rathaus haben die Tollitäten Sabine Ilbertz und Martin Meyer schon mit Bravour gemeistert. Heute Abend findet die Prinzenpaarkürung statt. Und schon jetzt ist klar: Mit Ilbertz und Meyer hat die Stadt ein Paar an der Spitze, das spannende Geschichten zu erzählen hat.

Sabine Ilbertz (l.) als Prinzessin mit Schwester Stephanie. Foto: Sabine Ilbertz

An ein Haus voller Narren erinnert sich die Venetia sehr genau. Ihr Elternhaus steht direkt gegenüber dem Rathaus. „Ich war damals noch so ein Rotzig – mein Papa lud immer Dutzende Gäste ein, von unseren Fenstern aus den Rosenmontagszug zu erleben. Auch mein Opa und meine Oma waren dabei und feierten mit. Eine eigene Musikbox wurde extra im Schlafzimmer aufgebaut. Natürlich bekam ich als Kind den besten Platz am Fenster. Und da flogen die Kamelle zu mir hoch. Ein Heidenspaß für mich.“

Martin Meyer als Clown (l.) mit Schwester Claudia Merks. Foto: Martin Meyer

Karneval gefeiert hat Venetia Sabine schon immer gern. „Im Kindergarten, später auch in der Schule. Meistens habe ich mich als Prinzessin, Cowboy oder auch schon mal als Ente verkleidet. Ich als Altstädtermädchen fand den Karneval einfach toll. Habe ich vielleicht von meinem Papa geerbt. Nach dem 11.11. ist der ja immer total jeck.“

Vater Josef Ilbertz führt seit Jahrzehnten mit seiner Frau das Blumenhaus Böhmann und Ilbertz an der Marktstraße. Sonderbar: Trotz aller Freude an der Jeckerei – Venetia zu werden, das stand auf ihrer Wunschliste als Kind und Teenager überhaupt nicht oben. „Nö, eher nicht. Statt dessen – Bundeskanzlerin. Das war auf jeden Fall der Wunsch meiner Großmutter.“

Als Kind hat Sabine sich auch an Radschlägerwettbewerben beteiligt. Und sie war gut. Einmal führte sie sogar vor Kardinal Meisner ihre Kunststückchen auf. Papa Josef erinnert sich. „Sabine konnte damals sogar Radschlagen mit einem Glas Bier in der Hand.“ Das trinkt sie auch gerne: „Schon als junges Mädchen. Bis heute gehe ich gelegentlich allein ins Uerige. Das liegt ja direkt gegenüber meiner Wohnung. Was mich damals schon faszinierte: Man kommt da direkt in Kontakt mit anderen Gästen, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Berufen.“

Bundeskanzlerin oder auch nur Politikerin wurde Sabine Ilbertz nicht. Statt dessen Polizistin, genauer: Sie arbeitet beim als Beamtin beim Landeskriminalamt. Eins ist seit ihrer Kindheit geblieben: Ihre Liebe zu Pferden. Sabine besitzt ein eigenes Pferd, ist auch im Sommerbrauchtum engagiert als Vorsitzende der St. Sebastianus Reitervereinigung und zweite Rittmeisterin des Reitercorps Wilhelm Marx.

Prinz Martin ist karnevalistisch weniger vorbelastet als seine Venetia. Seine Mutter Ursula sagt: „Wir waren überhaupt keine jecke Familie.“ Aber der kleine Martin nutzte um die tollen Tage herum jede Gelegenheit, sich zu kostümieren. „Als Clown, Cowboy, Indianer, Matrose.“ Sein 2012 verstorbener Vater Karl-Heinz „Charly“ Meyer, in Düsseldorf sehr bekannt als Vorstand bei Fortuna und BV 04 (er richtete dort die bekannten internationalen Nachwuchsturniere aus) spielte seinem Sohn zu Liebe doch schon mal mit. So verkleidete er sich einmal als Japaner und ging mit seinem Sohn sonntags zum bunten Treiben auf die Kö. Ursula Meyer: „Nicht nur unser Martin bewunderte ihn, sondern auch viele Karnevalisten. Sie hatten noch nie einen so großen Japaner gesehen.“ Martin Meyer: „Die bunten Wagen, die fröhliche Stimmung, natürlich auch die Kamelle, das hat mich sehr beeindruckt.“ So war es kein Wunder, das er schon als Fünfjähriger Karnevalsprinz werden wollte. „Und dieser Wunsch hat mich nie mehr losgelassen. Als Uly Trappe, ein Bekannter von mir, 1994 Prinz wurde, dachte ich mir: Was der kann, das kann ich auch.“ Seine Mutter war zunächst skeptisch, sagte „Da musst du dich aber anstrengen.“ Jetzt sagt sie: „Ich wünschte mir, dass mein Mann seinen Sohn noch als Prinz hätte erleben könnte. Er wäre stolz.“

Immer schon machte Martin Meyer sich einen Heidenspaß daraus, Freunde im Karneval mit Konfetti zu bewerfen. Die rächten sich. Nach einer Geburtstagsfeier hatten sie seine Wohnungstüre so zugeklebt, dass beim Öffnen eine Riesenmenge Konfettischnipsel in seine Wohnung wehte. Martin Meyer: „Die waren dann überall. Noch ein halbes Jahr später habe ich die letzten Reste weg gesaugt.“ Bei einem Mann mit einem solch intensiven Wunsch „emol Prinz zu sinn“ ist klar, das Karneval neben dem Sport zu seinen Hobbys gehört, so weit er als selbständiger Allianz-Generalvertreter dafür Zeit hat: Er ist im Elferrat der Weissfräcke und Mitglied bei Tills Freunden.

Schon vor zwei Jahren hatte er sich als Prinz beworben. Ohne Venetia. „Sabine habe ich dann vor einigen Monaten bei Bekannten kennen gelernt. Da das CC mittlerweile nur Bewerbungen von Paaren annimmt, habe ich nach mehreren Begegnungen ganz offen gefragt: Spielst du mit als Venetia? Und sie war sofort Feuer und Flamme.“

Wolfgang Berney