Düsseldorf: Maike Vahrenhost ist Chefin der Werkfeuerwehr von Mercedes Benz

Chefin der Mercedes Werkfeuerwehr in Düsseldorf : Maike Vahrenhorst ist Feuerwehr-Chefin bei Mercedes

Maike Vahrenhorst leitet die Werkfeuerwehr von Mercedes Benz in Derendorf – als einzige Frau unter den Einsatzkräften. Das empfindet sie aber nicht als Nachteil, obwohl sie gerne mehr weibliche Einsatzkräfte in ihrer Einheit hätte.

Wenn es im Mercedes-Werk brennt, rückt ihr Team zum Einsatz aus: Maike Vahrenhorst ist Leiterin der Werkfeuerwehr der Derendorfer Mercedes-Produktionsstätte. In der Garage vor ihrem Büro parken die großen roten Löschfahrzeuge, neben denen sogar die Chefin selbst klein aussieht. Die Schlüssel stecken zu jeder Zeit in der Zündung der Feuerwehrautos, damit ihre Mannschaft im Notfall keine wichtigen Sekunden verliert. Lückenlose Ortskenntnisse in dem Werk, das mit seinem Straßennetz und den vielen verschiedenen Hallen einem eigenen Stadtteil gleicht, sind unverzichtbar. Doch Vahrenhorst bewahrt auch bei brenzligen Einsätzen einen kühlen Kopf. „Wenn ich schnell nervös werden würde, dann wäre dieser Job nichts für mich“, weiß die 49-Jährige. „Ich mache mir dann klar, dass ich für Notfälle ausgebildet worden bin und arbeite die Situation so professionell wie möglich ab.“

Im Einsatz ist die Werkfeuerwehr täglich, auch wenn nicht jedes Mal ein Großbrand zu löschen ist. Denn anders als die öffentliche Feuerwehr hat Vahrenhorsts Mannschaft noch eine weitere Aufgabe, nämlich die Produktion im Werk zu unterstützen. „Mal muss eine Ölspur auf der Straße beseitigt werden, mal unterstützen wir die Dachdecker mit unserem Teleskopgelenkmast“, so Vahrenhorst. Als Leiterin der Werkfeuerwehr muss sie dafür sorgen, dass für jede Art von Einsatz genügend Personal und ausreichend funktionstüchtiges Equipment zur Verfügung steht.

Die Mannschaft, die sie dabei unterstützt, besteht aus 40 Mitarbeitern – und ist eine reine Männertruppe. Denn in der Feuerwehr sind weibliche Kräfte nach wie vor in der Unterzahl. „Inzwischen haben wir zwar viele Frauen in der Führungsriege der Feuerwehr“, stellt Vahrenhorst fest, „aber natürlich ermuntern wir weiterhin viele Frauen, auch in die Mannschaft zu kommen.“ Gerne würde sie mehr weibliche Einsatzkräfte in ihrem Team einstellen, doch auf die bisherigen Ausschreibungen haben sich jedes Mal ausschließlich männliche Bewerber gemeldet. Und auch in ihrer eigenen Ausbildung war Vahrenhorst stets allein unter Männern. „Natürlich begegnete man auch mal dem einen oder anderen, der noch nicht an Kolleginnen in der Feuerwehr gewohnt war“, erinnert sie sich, „doch ich sehe mein Geschlecht nicht als Nachteil. Eher habe ich davon profitiert, dass ich als Frau den meisten auf Anhieb im Gedächtnis blieb.“

Eine weit größere Herausforderung sei während der Ausbildung hingegen ihr Alter gewesen. Denn Maike Vahrenhorst ist eine spätberufene Quereinsteigerin: Erst mit 39 fand sie zur Feuerwehr. Nach ihrem Abitur studierte die gebürtige Münsterländerin zunächst Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Braunschweig. Danach arbeitete sie als Sachverständige bei Daimler. Dort bekam sie die Chance, zur Leiterin der Werkfeuerwehr aufzusteigen. Doch wer diesen Job machen will, kommt um die zweijährige Feuerwehr-Ausbildung nicht herum. „Die Ausbildung verlangt einem einiges ab“, erinnert sich Vahrenhorst, „ich hatte zwar immer eine gute Grundfitness, aber im Vergleich zu meinen 20-jährigen Mitstreitern hatte ich zu kämpfen.“

Dass sie größer ist als die meisten Frauen, habe ihr diesen Kampf erleichtert. Trotzdem ist sie strikt dagegen, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu machen und den zukünftigen Feuerwehrfrauen im sportlichen Teil der Ausbildung weniger abzuverlangen als ihren männlichen Kollegen: „Im Einsatz werden an jeden die selben Anforderungen gestellt“, meint Vahrenhorst, „denn die Personen, die gerettet werden müssen, können keine Rücksicht auf so etwas nehmen.“

Dafür versuchen Vahrenhorst und ihr Team in anderen Bereichen, die tradierten Strukturen der Feuerwehr zu durchbrechen: Wer sich zum Brandschutzhelfer ausbilden lassen möchte, kann neuerdings den praktischen Teil der Schulung mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille erledigen. Diese innovative Denkweise ist auch ein Vorteil ihrer späten Umschulung. „Durch meine bisherige Berufserfahrung habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf die Feuerwehr als jemand, der nur diesen Beruf kennt“, weiß Vahrenhorst.

Für Frauen, die ebenfalls in eine Männerdomäne einsteigen wollen, hat Maike Vahrenhorst nur einen einfachen Tipp: mutig sein. „Traut euch! Habt keine Berührungsängste, sondern probiert einfach genau das aus, worauf ihr Lust habt – ich habe dabei auch nie negative Erfahrungen gemacht.“

Johanna Porten

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