Stahlwerk in Düsseldorf Großer Erfolg für die Schallplattenbörse

Düsseldorf · Zur ersten Düsseldorfer Schallplatten- und CD-Börse in diesem Jahr kamen die Menschen in Strömen ins Stahlwerk. Die gute alte Scheibe ist nicht nur heiß begehrt, sie ist wieder in.

Mit einem markanten „Klack-Klack-Klack“ durchsuchten die Besucher mit flinken Fingern Kartons mit eng eingeordneten CDs.

Mit einem markanten „Klack-Klack-Klack“ durchsuchten die Besucher mit flinken Fingern Kartons mit eng eingeordneten CDs.

Foto: Endermann, Andreas (end)

Schon vor 11 Uhr, dem offiziellen Start der ersten Düsseldorfer Schallplatten- und CD-Börse in diesem Jahr, strömten am Sonntag die Jäger verlorener Vinyl-Schätze in das Stahlwerk in Lierenfeld. Nach vielen Jahren im Weiterbildungszentrum hinter dem Hauptbahnhof hat die gigantische Fundgrube für Platten-Sammler seit 2022 in der Konzert- und Event-Halle an der Ronsdorfer Straße 134 eine neue Heimat gefunden. An zahlreichen Ständen präsentierten Hobby-Sammler sowie professionelle Händler unterschiedliche Schallplatten, darunter wertvolle Sammler-Boxen, Alben, Maxis und Singles mit alten Schlagern.

Mit einem markanten „Klack-Klack-Klack“ durchsuchten flinke Finger Kartons mit eng eingeordneten CDs, immer auf der Suche nach Musik von den persönlichen Favoriten, die sich in den unsortierten Reihen verstecken könnte. Für zwei Euro das Stück nahmen die Besucher auch die schlechte Beleuchtung in Kauf. Ungleich strukturierter ging es hingegen bei den Händlern für Schallplatten zu.

Die sorgfältig in Kunststoffhüllen verpackten Platten waren sowohl nach Genres wie beispielsweise Rock, Metal, Pop, Soul, Hip-Hop, Dance, Jazz oder Elektronische Musik oder auch alphabetisch nach Interpreten geordnet. Die Preise begannen bei zwei Euro pro LP mit mehr oder weniger knisternden Gebrauchsspuren und endeten bei 300 Euro für eine Böhse-Onkelz-Box zum 40. Band-Bestehen.

Wer keine absoluten Raritäten suchte, wurde bei der Plattenbörse, bei der Händler zwischen Hamburg und Frankfurt vertreten sind, fündig. Eine Besucherin war Sunna, die immer schon Schallplatten gekauft und sich nie von ihrem Plattenspieler getrennt hat. „Ich stehe auf EBM und Düster-Rock, etwa von Sisters of Mercy oder The Cult“, sagt die Düsseldorferin.

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Foto: dpa/Christoph Reichwein

Eher harte Rocksounds mag Constantin, hat jedoch den eher soften Al-Stewart-Klassiker „The Year of the Cat“ aus einer Kiste gefischt. „Die Musik ist sehr harmonisch, sehr melodisch“, weiß der Ukrainer. „Ich suche nichts Konkretes, habe aber in der Tat noch einen Plattenspieler, den ich von meinen Großeltern geerbt habe“, sagt Tobias, der mit Freundin aus Rheinfelden gekommen ist und per Zufall die Plattenbörse entdeckt hat.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagte der Düsseldorfer Veranstalter Ulrich Lauber, der 1984 mit den Plattenbörsen begonnen hatte, die er mittlerweile zwischen Oldenburg und Saarbrücken veranstaltet. „Ende der 80er-Jahre war es mit Schallplatten schlagartig vorbei, alle kauften CDs, und Platten wurden zum Spottpreis verkauft“, so Lauber, der jetzt wieder eine Rückkehr der Schallplatte beobachtet. „Und die ist nicht nur bei den ‚alten Säcken‘, die immer schon Vinyl hörten, auszumachen, sondern auch beim jungen Publikum unter 30, das bis zu einem Drittel der Besucher ausmacht“, weiß Lauber. In der Tat erscheinen auch viele Neuveröffentlichungen nicht nur bei Streaming-Diensten und als CD, sondern wieder vermehrt auch als Vinyl-Schallplatte.

Dass Schallplatte und Plattenspieler mittlerweile als Lifestyle-Accessoires eine Renaissance erfahren haben, da ist sich auch Sammler und Hobby-Händler Andreas aus Münster sicher. „In Werbespots und in Filmen tauchen immer häufiger Plattenspieler auf, und viele junge Menschen schätzen das Plattenhören als Ritual, finden auf entschleunigte Weise ein intensiveres Verhältnis zur Musik“, sagt der Lehrer, der regelmäßig seine eigene Sammlung durchforstet und dann überlegt, was er verkaufen könnte.

„Stilistisch habe ich keine Vorlieben, einzelne Alben wie Michael Jacksons „Thriller“ oder „Rumours“ von Fleetwood Mac habe ich mehrfach, aber das ist Musik, die immer bleibt, die immer verlangt wird, weil sie einfach generationenübergreifend ist“, erklärt Andreas.

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