Düsseldorf: Für Lothar Hörning ist Blau-Weiss ein Diamant

Neuer Präsident für Blau-Weiss in Düsseldorf : Für Lothar Hörning ist Blau-Weiss ein Diamant

Bei der Blau-Weiss-Führungspitze hat es in den vergangenen Jahren Aufsehen erregende Wechsel gegeben. Offenbar ist es eine große Kunst, den Verein zu führen. Mit unserer redaktion sprachen die Protagonisten über die Hintergründe.

Die Nachricht ist jetzt in der Welt: Thomas Adam, der Präsident der Prinzengarde Blau-Weiss, stellt sich bei der Jahreshauptversammlung im September nicht mehr zu Wahl. Die renommierte Garde ist eine der beiden größten Karnevalsvereine in Düsseldorf, hat über 400 Mitglieder, darunter viele Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur.

Nach nur zwei Jahren im Amt wirft Adam jetzt also das Handtuch. Bisher einziger Kandidat als Nachfolger ist Ex-Prinz Lothar Hörning, der vor 19 Jahren die schwul-lesbische Gesellschaft KG Regenbogen gründete und lange deren Präsident war. Wird er gewählt, wäre er in wenigen Jahren der vierte Präsident der Blau-Weissen. Einer der Ex-Präsidenten ist der ehemalige Prinz Michael Schweers. Er sagt: „Das ist mit den Wechseln an der Spitze bei uns ist ja jetzt so wie bei der SPD.“

Es gibt gute Gründe für den Rückzug von Thomas Adam, und er spricht mit unserer Redaktion offen darüber: „Ich hatte von Anfang ganz klare Vorstellungen, wie die Garde sich in der Zukunft weiter entwickeln kann. Aber das Problem bei Blau-Weiss sind die vielen Unterabteilungen, die aus alter Tradition alle sehr eigenständig sind, ihre eigenen Vorstellungen und Interessen haben. Da ist es schwierig, einen gemeinsamen Nenner zu finden.“ Er listet auf: Senat, aktive Korps, Korps a la suite, Korps de Jeunesse, Reservekorps, Venetienabteilung, Tanzgarde, Reiter, Clowngruppe. Adam diplomatisch: „Da gibt es oft widerstrebende Impulse, die dann zu Reibereien führen. Es ist nicht immer möglich, alles und alle unter einen Hut zu bringen. Dazu brauchst du viel Kraft.“ Er, der mit großem Engagement angetreten war, wollte sich das nicht länger antun. Die Vorbereitungen für die Session 2020 hat er aber bereits weitgehend abgeschlossen. „Mein Nachfolger muss also nicht ins kalte Wasser springen.“

Die unterschiedlichen Strömungen in der Garde waren letztlich auch der Grund für den Rücktritt seines Vorgängers Michael Schweers. Er sagt: „Auch ich habe versucht, im übergeordneten Interesse des Vereins eine gemeinsame Richtung vorzugeben und zu erreichen, dass die einzelnen Gruppen ihre Eigenständigkeit etwas zurückfahren. Aber das Zusammenwachsen ist schwierig.“

Ex-CC-Präsident Josef Hinkel kennt ebenfalls die Probleme der Blau-Weiss-Garde. Er sagt aber auch: „An der Spitze eines Karnevalvereins oder auch des CC stehst du ständig unter Druck, zumal dann, wenn du, wie Thomas Adam, ehrgeizige Ziele hast. Allein die zeitliche Beanspruchung ist enorm. Bei mir waren das in der Session bis zu zehn Stunden am Tag. Da bleibt oft kaum Zeit für die Familie. Bei anderen Präsidenten – vor allem der großen Vereine – ist das nicht anders.“

Adams potenzieller Nachfolger Lothar Hörning weiß seit Dienstagnachmittag endgültig, was auf ihn zukommt wird, wenn er denn gewählt wird. Denn er traf sich mit Thomas Adam zu einem längeren Gespräch. Der Ex-Prinz ist gut vorbereitet und freut sich. „Ich habe bereits Gespräche mit einzelnen Gremien der Garde geführt. Es waren angenehme Treffen“, sagt Hörning positiv gestimmt, er hat – wie Adam, als der das Amt übernahm – klare Vorstellungen, in welche Richtung die Garde sich weiter entwickeln könnte. „Darüber habe ich offen gesprochen.“ Als Geschäftsführer an seiner Seite würde er gern den Senator Michael Schmitz sehen. „Nur einen Schatzmeister haben wir noch nicht.“ Und dann vergleicht er die Garde mit einem Diamanten, der in der Schublade liegt: „Man muss ihn herausholen, ein bisschen polieren und, wo nötig, auch nachschleifen.“

Wolfgang Berney

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