Düsseldorf: Ein Remis für Staatssekretärin Andrea Milz

Schachduell : Ein Remis für Staatssekretärin Milz

Zu einem besonderen Duell traf sich Staatssekretärin Andrea Mild mit einem Schachgroßmeister.

Großmeister Anatoly Vaisser bleibt stehen, beugt sich vor, stützt die Hände auf die Tischplatte. Der Schach-Großmeister aus Frankreich legt die Stirn in Falten, denkt nach. Offensichtlich hat ihn der letzte Zug von Andrea Milz überrascht. Schließlich zieht Vaisser den Läufer nach vorne und setzt so die NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt unter Druck. Sie sitzt genauso wie 18 weitere Spieler im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde St. Adolfus und spielt gegen den Franzosen eine Partie Simultanschach. Vaisser hat bei jeder seiner 19 Partien nur ein paar Sekunden Zeit, um sich erneut auf die jeweilige Figurenkonstellation einzustellen. Milz, die ehemalige NRW-Schachmeisterin Dorota Weclawski, der 13-Jährige Paul Wiedenbruch oder die erst neunjährige Arina Sazonova haben im Vergleich 19 mal mehr Zeit, sich den nächsten Zug zu überlegen. „Ich habe gehört, dass eine NRW-Staatssekretärin hier ist und spielt“, meint Vaisser lächelnd. „Aber mir ist es egal, ob ein Minister oder ein Schulkind am Brett sitzt. Für mich sind es alles Schachspieler, Punkt.“ Bei Wiedenbruch muss sich Vaisser mehr Zeit nehmen. Der Youngster hat spielerisch schon einiges drauf. „Paul gehört zu unseren talentiertesten Nachwuchsspielern“, erklärt Schachklub-Düsseldorf-Vorstandsmitglied Andreas Herrmann. Vaisser ist mehrfacher Seniorenweltmeister, spielte bei Schach-Olympiaden und Mannschaftseuropameisterschaften, gewann die französische Meisterschaft und spielt für den Düsseldorfer Schachklub in der ersten Bundesliga. Dagegen nehmen sich Milz‘ Meriten im „Spiel der Könige“ vergleichsweise bescheiden aus. „Ich habe früher mal in der Verbandsliga gespielt und war einmal Vierte bei der NRW-Mädchenmeisterschaft“, erläutert die Staatssekretärin. Viel schwerwiegender ist aber, dass sie seit 19 Jahren kein Schach mehr gespielt hat. „Ich habe mit 14 angefangen und bis Mitte 30 regelmäßig und intensiv auch in Ligen und bei Turnieren und offenen Meisterschaften gespielt. Als ich 2000 in den Landtag gewählt wurde, war es damit aber vorbei“, so Milz. „Früher konnte ich bei jeder Eröffnung zehn, zwölf Züge im Voraus planen. Jetzt denke ich über alles nach, und in der Hektik übersehe ich etwas.“ Um sich aber vor den Bundesligisten vom Schachklub, den neun Jugendlichen im Simultankreis und dem Großmeister sportlich nicht bis auf die Knochen zu blamieren, nutzte sie das Flughafenchaos am Mittwoch in Köln, um zu trainieren. „Eigentlich hätte ich nach Berlin gemusst. Ich saß aber eineinhalb Stunden am Flughafen und nichts ging. Da habe ich mit dem Schachcomputer auf dem untersten Level gespielt und verloren. Das stimmt mich besonders hoffnungsfroh für meine Partie Simultanschach“, so Milz sarkastisch. Am Anfang hält sie gut mit. Nach jeweils 14 Zügen steht ein schwarzer und ein weißer Bauer neben dem Brett mit den 64 Feldern. Bis dahin sieht es nach einem Remis, also Unentschieden aus. Der Besuch beim Erstliga-Aufsteiger gehörte zu ihrer selbst-gewählten Ochsentour. Sie versucht, jeden Sportverein, jeden Stadt- und Kreissportbund in NRW zu besuchen. „Ich schaffe im Jahr 300 bis 400 dieser Termine. Normalerweise bin ich mittwochs im Lande unterwegs und habe fünf bis sechs Termine bei Vereinen. Jeder Verein kann mir in einer Stunde alles erzählen. Dabei sind mir die kleinen Vereine genauso lieb wie Fußball-Bundesligisten“, verrät Milz. „Und es gab noch keinen Termin, aus dem ich nichts Erkenntnisreiches mitgenommen habe. Die Erkenntnis beim Besuch des Schachklubs Düsseldorf lautet wohl: Niederlagen bringen einen nicht um, sondern sind lehrreich.“ Immerhin: Milz holte zu ihrer eigenen Überraschung gegen Großmeister Vaisser ein Remis.

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